Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 11 ° heiter

Navigation:
Google+
Leoncavallos "König Ödipus" und Puccinis "Gianni Schicchi" an den Landesbühnen Sachsen

Leoncavallos "König Ödipus" und Puccinis "Gianni Schicchi" an den Landesbühnen Sachsen

Mit dieser Premiere ist den Landesbühnen Sachsen ein grandioser Opernabend gelungen. Zunächst der Einakter von Ruggero Leoncavallo nach Motiven der Tragödie "Oedipus" des Sophokles, der "genialste Reißer der Bühnenliteratur", uraufgeführt wahrscheinlich 425 v.

Voriger Artikel
Apfelernte rund um Dresden noch in vollem Gange
Nächster Artikel
Bienen-Trainer Lessau wirft das Handtuch - Elbflorenz sieht nach Achterbahnfahrt

Antja Kahn, Paul Gukhoe Song, Silke Richter, Patrizia Häusermann in "Gianni Schicchi".

Quelle: Hagen König

Chr. in Athen. Der in juristischem Sinne schuldlose König Ödipus klärt mit dem Eifer eines Untersuchungsrichters den Mord am Vater auf und muss am Ende erkennen, dass er sich selbst als Vatermörder und Mann der eigenen Mutter verfolgt. Was dem sehenden Menschen verborgen blieb oder was er nicht sehen will, kann der am Ende des Dramas sehend gewordene Mensch nur ertragen, indem er sich blendet.

Zur Kraft des antiken Dramas kommt in Leoncavallos letztem, 1920 postum in Chicago uraufgeführten Werk die musikalische Wucht schonungsloser Klangbilder des Verismo, stark ausgerichtet auf die Partie des Protagonisten in dramatischem Wechsel der Emotionen. Diesen Ansprüchen wird Paul Gukhoe Song in der Titelpartie bis in kleinste Details gerecht. Markant und sachlich ist sein Ton als schonungsloser Anwalt der Gerechtigkeit. Nicht ohne nötige Schärfe meint er ein verschwörerisches Komplott zu entdecken, wenn er der Wahrheit näher kommt, mit berührender Wärme, im Sinne des melodischen Flusses, wie ihn Leoncavallo für den legendären Bariton Titta Ruffo komponierte, dann der einsame Monolog zum Finale.

Kirsten Blank als Königin Jokaste gestaltet den Konflikt zwischen Erkenntnis einer Wahrheit, die sie zumindest ahnt, im Sinne einer First Lady und eher erotisch bedingter Verzögerung. Christian S. Malchow als ihr Bruder Kreon lässt keinen Zweifel daran, dass er es auf den Chefsessel abgesehen hat. Gesanglich überzeugt der Tenor trotz Knappheit, die ihm der Komponist nur gewährt. Hagen Erkrath als blinder Seher Teiresias sitzt zudem im Rollstuhl und nutzt bei so klarem wie grundiertem Gesang und differenzierter Gestaltung diese Vorgabe, um seinen inneren Konflikt in der Spannung zwischen Einsicht und Wissen und kompromissloser Aufrichtigkeit zu vermitteln. In den kleineren Partien eines Korinthers und des Hirten sind Kazuhisa Kurumada und Peter Diebschlag präsent, die Kinder Paula Köhler und Marie-Louise Mählert in der Abschiedsszene als Antigone und Ismene deuten schon an, dass es, wie oft im Genre der kriminellen Dramen, eine Fortsetzung geben wird.

Ins kriminelle Ambiente einer Machtzentrale der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts hat Regisseur Holger Potocki seine klar konturierte Inszenierung verlegt. Reduziert, dafür aber sehr genau, gibt er den Personen individuelle Vorgaben, die sie in den stimmigen Kostümen von Stefan Wiel bestens zu nutzen wissen. Er hat auch den sängerfreundlichen, so gut wie geschlossenen Raum mit massiven Wänden aus schwarzem Marmor entworfen. In einem Aquarium befinden sich die Gegenstände der versenkten Schuld, und je nach Stimmung und Situation tauchen darin die Bilder der Erinnerungen mehr oder weniger klar als filmische Situationen in den Videos von Julius Günzel als untrügliche Beweislast auf.

Jan Michael Horstmann am Pult der vorzüglich musizierenden Elblandphilharmonie begibt sich mit spürbarer Lust in die elektrisierenden Gefühlswallungen dieses Kraftwerks der Gefühle. Großartig ist der Eindruck des von Sebastian Matthias Fischer einstudierten Chores.

Der Tragödie folgt die Komödie, auch ein Krimi, nur dass hier keine Schuld aufgeklärt werden kann, weil der Obergauner und Titelheld in Giacomo Puccinis Einakter "Gianni Schicchi" noch um einiges gerissener ist als die von ihm so geprellte kriminelle Erbschleicherbande am Totenbett des gerade verstorbenen reichen Buoso Donati. Jetzt ist Paul Gukhoe Song als blinder Gianni Schicchi mit bester Durchsicht ein gerissener Meister in Sachen Testamentsbetrug und sichert sich zudem die volle Straffreiheit, indem er die ganze begierige Bande zu Komplizen seiner Tricks macht und am Ende Hausbesitzer in Florenz ist, Mühlen auf dem Lande besitzt und dazu ein Maultier, das wahrscheinlich Gold spuckt.

Das Stück spielt im gleichen Raum, von den Kostümen her sind wir der Gegenwart ein wenig näher gekommen, anstelle des Aquariums ein Ausblick auf Florenz, nicht immer so ganz ungetrübt. Wieder bewährt sich die Genauigkeit des Regisseurs, choreografisch exakt lässt er die schrägen Typen ihre Krokodilstränen vergießen, auf alle Pietät pfeifen, wenn sie angesichts des eben noch beschluchzten Toten alles auf der Suche nach dem Testament durchwühlen. Das nun verheißt ihnen gar nichts, da hilft nur der Trick. Ein Filou wie Schicchi, Überlebenskünstler aus der Unterschicht, muss her. Er muss ins Krankenbett und schleunigst dem Notar das neue Testament diktieren. Was er da diktiert und was er wem vermacht und wie er seiner Tochter Lauretta zur nötigen Mitgift verhilft, damit sie den jungen Aussteigertypen Rinuccio heiraten kann, wie herrlich das klingt zum schreiend komischen Schrecken der geprellten Oberschicht, kann man sich denken.

Puccinis 1918 in New York uraufgeführter genialer musikalischer Spass nach Motiven aus der "Göttlichen Komödie" Dantes ist ein musikalisches Feuerwerk. Hans-Peter Preu als Dirigent lässt die Funken sprühen, das Orchester sprüht mit und die Solistinnen und Solisten lassen nichts anbrennen. Voller Gier und Energie mit satter Tiefe des Gesanges erlebt man Silke Richter als erbsüchtige Zita. Strahlend besingt Kay Frenzel als Rinuccio die Schönheiten von Florenz, und mit der schönen Lauretta wird er glücklich die Bande der Gauner für immer verlassen. Iris Stefanie Maier gibt Schicchis Tochter helle, jugendliche Töne. In voller Präsenz, im Spiel und im Gesang, Anke Kahn, die sich als Nella ebenso zu behaupten weiß wie Patricia Häusermann als Ciesa in einer Männerriege scheinheiliger Schmarotzer mit Falk Hoffmann, Fred Bonitz und vor allem dem stimmkräftigen Michael König als Schwager des Verstorbenen und Hagen Erkrath als dessen Vetter. Mit Stefan Glause, Ho-Geun Lee, Hanefi Simnica und Welfhard Bergelt als Arzt, Notar, Schuster und Färber, sowie Eik Handschug als kleiner Gherardino ist das Ensemble komplett.

Wieder am 25.12., 23. und 29.1. an den Landesbühnen Sachsen

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.10.2014

Boris Gruhl

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Region News

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Jetzt gratis spielen im Spieleportal von DNN.de! mehr

17.10.2017 - 13:54 Uhr

Anlässlich der Begegenung zwischen dem 1. FC Nürnberg und der SG Dynamo Dresden erlässt die Bundespolizeidirektion München ein Alkoholkonsumverbot in den Bahnen

mehr