Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Google+
Lebenslang für Mord an Anneli - Lange Haft für Komplizen

Urteil Lebenslang für Mord an Anneli - Lange Haft für Komplizen

Das Landgericht Dresden hat den Entführer und Mörder der 17-jährigen Anneli-Marie zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Sein Komplize erhielt am Montag achteinhalb Jahre ebenfalls wegen Mordes in Tateineinheit mit erpresserischem Menschenraub mit Todesfolge.

Das Landgericht Dresden hat den Entführer und Mörder der 17-jährigen Anneli-Marie zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt.
 

Quelle: dpa

Dresden. Die Entführer der Unternehmertochter Anneli-Marie aus dem sächsischen Klipphausen sollen lebenslang beziehungsweise für achteinhalb Jahre ins Gefängnis. Das Dresdner Landgericht verurteilte Markus B. und Norbert K. am Montag wegen Mordes in Tateinheit mit erpresserischem Menschenraub mit Todesfolge.

Bei Markus B. wurde zudem eine besondere Schwere der Schuld festgestellt. Er hatte die 17-jährige Gymnasiastin im August vergangenen Jahres nach Ansicht der Richter aus Angst vor Entdeckung brutal mit Kabelbindern und Spanngurt erstickt. Sein Komplize Norbert K. wurde des Mordes durch Unterlassen schuldig befunden, weil er die Tat nicht verhindert hat.

Lebenslange Haft und besondere Schwere der Schuld

Lebenslange Haft ist die höchste Strafe in Deutschland. Sie wird am häufigsten bei Mord verhängt. Frühestens nach 15 Jahren kann die lebenslange Haft zur Bewährung ausgesetzt werden. Wird der Antrag eines Verurteilten auf Aussetzung der Reststrafe abgelehnt, kann er alle zwei Jahre neu gestellt werden.

Wenn das Gericht eine besondere Schwere der Schuld festgestellt hat, kann der Täter allerdings nur in Ausnahmefällen - etwa bei hohem Alter oder schwerer Krankheit - nach 15 Jahren freikommen. Eine besondere Schwere der Schuld kann vorliegen, wenn die Tat besonders verwerflich war, der Täter sehr brutal und grausam vorgegangen ist oder dem Opfer große Qualen zufügt hat.

Markus B. und Norbert K. nahmen das Urteil reglos entgegen. Auch die Familie ihres Opfers - Annelis Mutter, Vater, Schwester und Bruder - blieben bei der Verkündung äußerlich gefasst. Nach dem Richterspruch wollten sie sich nicht öffentlich äußern.

Gegen das Urteil ist Revision möglich. Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung hielten sich diesen Weg zunächst offen.

Der heute 40-jährige Markus B. und der 62-jährige Norbert K. hatten Anneli nach Überzeugung der Kammer nahe des elterlichen Hauses im Kreis Meißen entführt, um 1,2 Millionen Euro von ihrem Vater zu erpressen. An das Geld kamen sie aber nicht.

Nach Einschätzung der Ermittler war die Tat „dilettantisch geplant“. Anneli wurde einen Tag später erdrosselt und verscharrt, ihre Leiche nach drei Tagen auf dem Anwesen der Schwiegermutter von Markus B. gefunden.

Der Fall Anneli

13. August: Die Unternehmertochter verlässt mit dem Hund der Familie

am Abend ihr Elternhaus in einem Dorf bei Meißen und wird kurz danach

entführt. Die Täter fordern von der Familie 1,2 Millionen Euro Lösegeld.

14. August: Ein Spürhund lotst die Polizei zu einem Hof. Das Anwesen wird ohne Erfolg durchsucht. Ein Zeuge macht auf ein silbernes Auto aufmerksam. Die Täter fordern die Online-Überweisung des Lösegeldes auf ein maltesisches oder malayisches Konto. Ein Lebenszeichen von Anneli verweigern sie. Danach reißt der Kontakt ab.

15. August: Handydaten führen die Ermittler zu einem Erlebnisbad in

der Nähe. Die Durchsuchung mit einem Spürhund ergibt aber nichts.

16. August: Durch DNA-Spuren an Annelis Fahrrad gerät ein Mann ins Visier der Polizei. Sie ortet ihn in Bayern, auch ein silbernes Auto

wird dort entdeckt. Die Eltern des Mädchens wenden sich in einem offenen Brief an die Täter.

17. August: Nach einem Zeugenaufruf und über 50 Hinweisen durchsucht die Polizei Gebäude im Gebiet Klipphausen und Dresden. Ein zweiter

Verdächtiger gerät durch die Auswertung von Handydaten ins Visier. Er wird in Dresden gefasst, in Bamberg (Bayern) wird der schon bekannte Verdächtige festgenommen. Am Abend wird die Leiche einer jungen Frau entdeckt.

18. August: Die Tote ist Anneli. Nach Angaben der Ermittler starb sie wahrscheinlich schon am 14. August.

29. August: Anneli wird nach einer Trauerfeier in Sora im

Familiengrab beigesetzt.

28. Januar 2016: Die Staatsanwaltschaft Dresden erhebt Anklage wegen

erpresserischen Menschenraubes gegen Markus B. und Norbert K.. Bei B. geht sie von Mord aus. Der 40-Jährige soll die Gymnasiastin getötet haben, „zur Verdeckung einer anderen Straftat“.

30. Mai: Beginn des Prozesses am Dresdner Landgericht.

24. August: Die Staatsanwaltschaft fordert die Höchststrafe für den vorbestraften Markus B. wegen erpresserischen Menschenraubes und Mordes zur Verdeckung einer schweren Straftat sowie die Feststellung der Schwere der Schuld. Für seinen Komplizen Norbert K. will sie 15 Jahre wegen Mordes durch Unterlassen.

26. August: Die Verteidigung sieht keine Beweise für Mord und plädiert auf zwölf Jahre Freiheitsstrafe für B. sowie vier Jahre und fünf Monate für K. wegen Beihilfe zum erpresserischen Menschenraub.

Der Koch aus Pforzheim in Baden-Württemberg war hoch verschuldet, hatte bereits eine kriminelle Vergangenheit und saß auch schon im Gefängnis. Im gesamten Verfahren hat Markus B. geschwiegen.

Bei Norbert K. hatte die Anklage auf Mord durch Unterlassen plädiert, weil er die Jugendliche mehrfach hätte retten können. Stundenlang war er allein mit ihr. Da der 62-Jährige aber bei der Aufklärung half, Reue zeigte und im Gegensatz zu Markus B. nicht vorbestraft ist, hatte die Staatsanwaltschaft auf 15 Jahre plädiert.

Mit ihrem Spruch blieb die Kammer am Montag weit darunter. „Es ist ausgeschlossen, hier nicht zu mildern“, sagte Richterin Birgit Wiegand. „Der Unrechts- und Schuldgehalt ist geringer als bei einem aktiven Tun.“ Die Tat des Markus B. sei hier als Vergleichsmaßstab anzulegen. Außerdem habe Norbert K. über den eigenen Tatbeitrag hinaus für Aufklärung gesorgt. Insofern seien die achteinhalb Jahre gerechtfertigt.

Die Verteidigung sah dagegen keine Beweise für den Mordvorwurf gegen Markus B. und hatte „im Zweifel zugunsten des Angeklagten“ zwölf Jahre Freiheitsstrafe verlangt. Der Anwalt von Norbert K. plädierte wegen Beihilfe vier Jahre und fünf Monate.

Von dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Region News
Anzeige

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Jetzt gratis spielen im Spieleportal von DNN.de! mehr

Die Friedensburg gehört als fester Bestandteil zu Radebeul. Soll sie zukünftig wieder als Gaststätte genutzt werden? Und falls ja, wie genau? Sagen Sie uns Ihre Meinung und stimmen Sie ab! mehr