Volltextsuche über das Angebot:

27 ° / 19 ° wolkig

Navigation:
Google+
Leben im Einklang mit der Natur: Im Umweltbildungshaus Johannishöhe in Tharandt kann man lernen, wie das geht

Leben im Einklang mit der Natur: Im Umweltbildungshaus Johannishöhe in Tharandt kann man lernen, wie das geht

Ich gebe auf. "Steile Rampe, glatt wegen Laub", "steile Abfahrt mit Abschlägen" - ich finde die Zufahrt zum Umweltbildungshaus Johannishöhe in Tharandt nicht.

Tharandt.

Resigniert stecke ich die Anfahrtskizze, die man mir mit viel Mühe gemalt und mit zahlreichen Randbemerkungen zum Zustand der Wege versehen hat, wieder in die Tasche. Es gibt einen Wanderweg von der Dresdner Straße aus, habe ich im Internet gelesen. Also suche ich mir im Ort einen Parkplatz, ziehe die Wanderschuhe an und mache mich auf den Weg.

Der führt durch den Wald, begleitet von Vogelgezwitscher, steil nach oben. 100 Höhenmeter sind über steile Treppen, Stock und Stein zu überwinden. Und dann bin ich in einer anderen Welt. Idylle pur. Die Sonne, die gerade durch die Wolken lugt, setzt das holzverkleidete Haus ins rechte Licht. Am Weg zum Eingang feiern Massen von Bienen in einer über und über mit weißen Blüten übersäten Wildrose, die meterhoch in einen alten Baum gewachsen ist, ein Fest.

Die Tür zum Haus ist nur angelehnt und Milana Müller kommt schon die Treppe runter. Sie zählt zu den neun Bewohnern - vier Erwachsenen und fünf Kindern - der Johannishöhe. Hinzu kommen sechs Ziegen, zwei Schafe, sechs Bienenvölker und Hühner. Denn das Umweltbildungshaus ist kein Schulgebäude im herkömmlichen Sinn. Ökologisch verträgliches Leben, was man hier lehrt, wird auch praktiziert. "Ja, wir wollen nicht, dass so viele mit dem Auto hierher kommen", sagt meine Gesprächspartnerin. "Alle unsere Seminargäste wandern hier hoch. Und auch wir machen so viel wie möglich zu Fuß. Es gibt Tage, da laufe ich hier dreimal hoch und runter", sagt sie und weist mir den Weg in die Gemeinschaftsküche.

Doch bevor wir uns setzen, muss ich auf die Toilette. Und schon an der sieht man, dass hier vieles anders läuft. "Sie müssen nur pullern, oder?" werde ich gefragt. Dann darf ich auf das Wasserklosett. Für das große Geschäft gibt es gegenüber eine Komposttoilette. Denn aus dem, was nach der Verdauung übrig bleibt, wird hier wieder Erde gemacht. "Das Abwasser reinigen wir mit einer Pflanzenkläranlage", erklärt Milana Müller. Über die hat die gelernte Instandhaltungsmechanikerin in der Wasserwirtschaft und studierte Chemikerin kurz nach der Wende ihre Diplomarbeit geschrieben. Auch mit allen anderen Resourcen wird auf der Johannishöhe sehr überlegt und sparsam umgegangen. Holzvergaserheizung und Solarkollektoren sind weitere Beispiele. Wasser kommt aus einer eigenen Quelle.

Des Weiteren produzieren die Bewohner einen großen Teil ihrer Nahrungsmittel selbst. Auf den Tisch kommt das, was auf dem Acker gerade wächst bzw. während der Erntesaison eingefrostet oder in der Sandmiete eingelagert wurde. Außerdem Eier, Quark und Käse. "Fleisch zu besonderen Anlässen, vielleicht einmal im Monat." Neben dem Umweltbildungshaus betreiben die Bewohner der Johannishöhe auf dem fünf Hektar großen Grundstück einen bio-zertifizierten Landwirtschaftsbetrieb mit 2,5 Hektar Ackerfläche. Getreide, Gemüse, Blumen, Kräuter, die die beiden Familien nicht selber brauchen, werden auf dem Naturmarkt in Tharandt oder an die Verbrauchergemeinschaft Dresden verkauft. Seit neuestem auch Saatgut.

Zudem haben Milana, Jens, Franka und Christoph Nebenjobs. Besonders wichtig sind die, wenn die Ernte aufgrund der Witterung schlecht ausgefallen ist. Milana zum Beispiel tritt in anderen Einrichtungen als Referentin auf. Denn ganz ohne Geld geht es auch für die Bewohner der Johannishöhe nicht. "Wir können nicht alles selbst produzieren, müssen die Krankenversicherung bezahlen, Kindergarten, Fahrtkosten", zählt Milana auf. "Heute kaufen wir zum Beispiel einen Traktor, den wir in unserem Landwirtschaftsbetrieb dringend brauchen." Überhaupt ist Technik für die Bewohner der Johannishöhe kein rotes Tuch. "Ohne Computer zum Beispiel würde das Bildungshaus nicht so funktionieren."

Im Schnitt finden dort monatlich zwei Kurse bzw. Seminare statt. Man kann naturgemäßen Obstbaumschnitt ebenso lernen wie das Mähen mit der Sense, das 1x1 der Saatgutvermehrung, die homöopathische Behandlung von Nutztieren oder Möglichkeiten der Wasserrückhaltung und -nutzung im Gelände. Ebenso spielen neue gesellschaftliche Ansätze in der Energie- und Landwirtschaftspolitik und die ökologische Entwicklung der Region thematisch eine Rolle. Und es werden Wildniscamps für Kinder bzw. Familien angeboten. Nicht zuletzt organisiert die Johannishöhe den Naturmarkt Tharandter Wald.

300 Menschen haben 2013 die Kurse und Seminare des "Johannishöhe - Natürlich leben und lernen e.V." im Umweltbildungshaus, das der Grünen Liga gehört, genutzt. Seit drei Jahren nimmt das Interesse spürbar zu, hat Milana Müller beobachtet. "Immer mehr Leute denken um. Wollen wissen, wie das produziert wird, was sie essen und wieder selbst aktiv werden." Zudem wachse das Bewusstsein, "dass wir nicht so weitermachen können wie bisher, sondern unsere Ressourcen effizienter einsetzen müssen". "Wenn die Energie noch teurer wird, werden wieder mehr Menschen in der Landwirtschaft arbeiten", ist Milana überzeugt. "Doch die Frage ist, ob sie das dann noch können."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.06.2014

Catrin Steinbach

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Region News

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Jetzt gratis spielen im Spieleportal von DNN.de! mehr

21.07.2017 - 10:25 Uhr

Zur Generalprobe gegen Wolfsburg können die Schwarz-Gelbven wohl erneut nicht in Bestbesetzung antreten .

mehr