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Laufkatze auf dem Drahtseil - Enso Netz spannt neue Leitungen über A17 bei Heidenau

Laufkatze auf dem Drahtseil - Enso Netz spannt neue Leitungen über A17 bei Heidenau

Bei der Erneuerung des 110-Kilovolt-Hochspannnungsnetzes zwischen Dresden-Süd und Altenberg arbeitet die Enso Netz GmbH derzeit an einem der kniffligsten Punkte.

Heidenau/Dohna.

Die neuen Stromleitungen müssen bei Röhrsdorf über die Autobahn 17 gezogen werden. In beide Richtungen rollt trotz der Arbeiten der Verkehr. Nur wer einmal kurz nach oben schaut, kann vielleicht die "Katze" sehen, die auf der Hochspannungsleitung rollt.

Es ist 8 Uhr morgens. Ein eisiger Wind pfeift über die Obstplantage bei Röhrsdorf. Doch drei Elektromonteure lassen sich von den tiefen Temperaturen nicht schrecken. Im Gegenteil: Sie klettern auf einen 33 Meter hohen Strommast aus eisigem Stahl. "Im Sommer wollen alle da oben sein. Wenn man dann wieder hinunter klettert, ist das so, als würde man in einen Backofen steigen", sagt Bauleiter Olaf Zimmer. Der Mitarbeiter von LTP Leitungsbau Dresden rüstet mit seiner Mannschaft das Enso-Hochspannungsnetz für die nächsten 100 Jahre. Im Winter müssen die Elektromonteure harte Kerle sein. Denn dann steigen sie quasi in eine Kühltruhe. "Der eisige Wind weht dort einen Zacken schärfer", sagt Zimmer.

Oben angekommen ziehen die drei Männer eine Laufkatze - ein technisches Gerät bestehend aus Rollen, einer Batterie und Funksteuerung - zu sich hinauf in luftige Höhen. Die Erklärung für den tierischen Namen ist simpel: "Eine Katze kann quasi über ein Seil laufen, ein Hund kann das nicht", sagt Dr. Carsten Protze. Was der Gruppenleiter Hochspannungsleitung und Umspannwerk bei Enso Netz damit meint, ist die Fähigkeit von Stubentigern, über hochliegende Mauern oder Träger zu balancieren.

Anschaulich wird die Funktion der Laufkatze, als die Elektromonteure das Gerät in eine bereits vorhandene Stromleitung hängen. Die Rollen sitzen obendrauf, darunter hängt der Batteriekasten. Der setzt sich in Bewegung in Richtung des Mastes auf der anderen Seite der Autobahn.

"Gardinenhaken" am Stromkabel

Oben am Strommast steht einer der Monteure in einer hängenden Leiter und fädelt alle zehn Meter Laufrollen auf das Kabel. An den Rollen baumelt wiederum ein Seil, an dessen Ende sich ebenfalls Rollen befinden. Dort läuft ein blaues Nylonseil mit. Das ganze Gebilde zieht die Laufkatze hinter sich her. Dem Seilzug stehen rund 300 Meter Wegstrecke bevor. Es sieht aus, als ob man Gardinenhaken entlang des Stromkabels über der Autobahn anbringen würde.

"Wir wenden hier das Rollenleinenverfahren an", klärt Protze auf. Zuerst wird eine Sicherheitsleine gespannt. Als diese hängt, bewegt sich das blaue Nylonseil rückwärts und zieht ein stärkeres Seil hinter sich her. "Bis zur Trommel", so Protze weiter. Diese steht fünf Masten weiter entfernt und auf ihr ist das Drahtseil aufgewickelt, wodurch künftig Strom fließen wird. Nun bewegt sich wieder alles in die andere Richtung und das neue Stromkabel wird über zwei Kilometer gespannt. Die Laufrollen bzw. "Gardinenhaken", die über der Autobahn hängen, verhindern, dass das Leiterseil auf die Fahrbahn klatschen kann, falls die Stricke reißen. "So müssen wir die Autobahn nicht sperren", sagt Protze. Das Rollenleinenverfahren kommt zur Anwendung, wenn wichtige Verkehrsachsen, Bahnstrecken, Mittelspannungsleitungen oder Gebäude eine Hochspannungstrasse kreuzen. Vier Leitungen wurden so bereits über die Autobahn gespannt. "Vergangene Woche mussten wir wegen zu starkem Wind abbrechen", berichtet Protze. Gestern folgte Leitung fünf, morgen der sechste. Dann kommen noch zwei Erdseile, die künftig das Hochspannungsleitungssystem vor Blitzeinschlag schützen.

Das neue 110-Kilovolt-Hochspannungsnetz ist zwischen Dresden-Süd und Reinhardtsgrimma fast fertig. "Es fehlen noch vier Masten bei Tronitz. Die werden noch in diesem Monat gesetzt", informiert Protze. Wenn diese stehen, werden seit vergangenem Jahr insgesamt 39 neue Masten aufgestellt und auf reichlich elf Kilometer Länge neue Stromseile gespannt worden sein. Sie ersetzen die aus dem Jahr 1956 stammende Trasse. Aufgrund des größeren Durchmessers der Leiterseile kann künftig mehr Strom in Richtung Osterzgebirge transportiert werden.

Neue Leitungen auf elf Kilometern

"Im März beginnt der Neubau der Hochspannungsleitung zwischen Reinhardtsgrimma und Ulberndorf", berichtet Enso-Sprecherin Claudia Kuba. Hierbei handelt es sich um eine komplett neue Trasse. In Ulberndorf wird die Erneuerung des Umspannwerks fortgesetzt und in diesem Jahr abgeschlossen. 2016 stehen neue Freiluftleitungen von Reinhardtsgrimma nach Altenberg auf der Agenda. Wenn dann das neue Hochspannungsnetz von Dresden-Süd bis zur Kur- und Sportstadt fertig ist, geht eine über 90 Jahre alte Leitungsstrecke von Lockwitz über Ruppendorf, Ulberndorf bis Altenberg für immer vom Netz. In die Neustrukturierung investiert Enso rund 17,5 Millionen Euro.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.02.2015

Silvio Kuhnert

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