Volltextsuche über das Angebot:

22 ° / 8 ° wolkig

Navigation:
Google+
Landwirte erhalten aus LPG-Beständen einen Weinberg zurück - Entschluss zu später Winzerlehre in Franken

Landwirte erhalten aus LPG-Beständen einen Weinberg zurück - Entschluss zu später Winzerlehre in Franken

Die einstige Scheune ist heute Vinothek und Kellerei. Wo Steffen Loose als Kind mit seinen Kumpels im Heu getobt hat, stehen jetzt Edelstahltanks. Dass er einmal als Winzer eigenen Wein an- und ausbaut, war alles andere als vorprogrammiert.

Voriger Artikel
Karten für die Hengstparaden - Der Vorverkauf ist nur über Ticketdienstleister möglich
Nächster Artikel
Polizei: Kerze verursachte tödlichen Brand in Lommatzsch

Drei Generationen: Auch wenn nur Steffen (Mitte) und Heiko Loose (rechts) im Weingut arbeiten, hilft die ganze Familie bei Festen und bei der Lese mit.

Quelle: Weingut Loose

Genau genommen hat erst das Ende der DDR die Weichen in Richtung Wein gestellt. Die Looses sind alteingesessene Landwirte im Örtchen Gröbern bei Meißen, wurden wie in der DDR in der 1960er Jahren üblich zwangskollektiviert. Mit Auflösung der LPG hat die Familie 1990 ihre elf Hektar Agrarland wieder zurückbekommen. Und auf diesem Weg wurden die Looses ganz ungeplant zu Weinbauern. Die Produktionsgenossenschaft hatte nämlich zwischenzeitlich auch auf einem Hektar ihres Landes in Gröbern eine Rebfläche angelegt und Müller-Thurgau gepflanzt, sagt Steffen Loose.

Der heute 50 Jahre alte Winzer und gelernte Werkzeugmacher hat die Rückübertragung der Flächen kurz nach der Wende nur aus der Ferne beobachtet. Gemeinsam mit seiner Frau Annet-Catrin hatte er 1986 die Ausreise in den Westen beantragt. Freunde waren zuvor schon gegangen - und im DDR-System hat die junge Familie keine Perspektive für ihre Zukunft gesehen, erinnert sich der Winzer. Die SED-Genossen haben die Looses allerdings erst 1989 ziehen lassen, ironischer Weise nach Grenzöffnung - und so machte sich die Familie am 11. November 1989 auf den Weg in den Westen. "Wir hatten wohl eine zu kleine Wohnung hier, auf die war vorher niemand scharf", meint Steffen Loose.

Onkel Ehrenfried Loose hat nach Rückübertragung seiner Felder die meisten Flächen verpachtet, der Vater Gerhard Loose den einen Hektar großen Weinberg nach Rücksprache mit seiner Familie aber behalten. Wie man den Wein korrekt behandle, dass lerne man mit der Zeit, wenn man aus der Landwirtschaft kommt, sagt Steffen Loose heute. Die Trauben hat Gerhard Loose - wie zuvor schon die LPG - zunächst an die Winzergenossenschaft geliefert. Eine Kellerei wollte der Senior, der damals noch etliche Jahre bis zur Rente hatte, seinerzeit aber nie einrichten. Zwei Jahre nach der Wende zog es Sohn Steffen und seine Frau zurück in die Heimat. Der Werkzeugmacher arbeitete zunächst als regionaler Vertreter für eine Werkzeugfirma, hat mehr und mehr in seiner Freizeit im Weinberg geholfen. Ab Mitte der 1990er Jahre konnte die Familie ihre Rebflächen nach und nach erweitern. Heute bewirtschaftet das Weingut rund fünf Hektar, verteilt auf den Weinböhlaer Gellertberg, auf Flächen in Zscheila und Bohnitzsch. Ein Viertel Hektar Müller-Thurgau steht auch auf dem Königlichen Weinberg in Pillnitz. Den haben die Looses von einer Familie angeboten bekommen, die nach einem Schicksalsschlag die Rebstöcke nicht mehr selbst hegen und pflegen konnte.

Das Interesse an gut gemachten Weinen wurde immer größer - bei den Weintrinkern und bei Steffen Loose. So nahm das Weinbaubetrieb allmählich Gestalt an: 1996 eröffnete die Familie eine Besenschänke, 1999 kam einen Handel für sächsische Weine hinzu. Mit 35 Jahren hatte sich Steffen Loose schließlich dazu entschlossen, noch einmal in die Lehre zu gehen. In Franken gab es eine Möglichkeit, das Winzerhandwerk nebenberuflich zu erlernen. Meist am Wochenende pendelte der angehende Winzer zwischen Sachsen und Franken - bis zum Abschluss 2001. Noch im selben Jahr haben die Looses den ersten eigenen Wein ausgebaut, nachdem zuvor die notwendige Kellertechnik teilweise gebraucht angeschafft worden war.

Wie der erste Wein war, das vermag Steffen Loose nicht mehr genau zu sagen. "Wir haben aber alles verkauft, mussten nichts verwerfen", sagt er. Mit jedem Jahrgang hat er seine Kenntnisse und Techniken beim Ausbau verfeinert, gibt den Weinen heute möglichst viel Zeit zum Reifen. "Wir legen oberste Priorität auf den schonenden Umgang mit den Trauben und später mit dem Wein." Den in Sachsen nahezu unvermeidbaren Goldriesling, aber auch Grauburgunder, Weißburgunder, Riesling, Kerner und Traminer bietet der Familienbetrieb im Weißweinsegment an. Vom Roten gibt es Dornfelder und Spätburgunder. Der Rotweinanteil liegt bei knapp 30 Prozent. Recht bekannt bei Weinfreunden ist auch Looses Blanc de Noir, also ein weißgekelterter Rotwein. Mit dem Loosecco ergänzt zudem ein Perlwein das Angebot. Je nach Ertragslage füllen die Loose pro Jahr 20.000 bis 40.000 Flaschen, ausschließlich eigenen Wein. Der Müller-Thurgau aus den ehemaligen LPG-Beständen wird sukzessive ersetzt. Zwar sei es sehr gutes Pflanzgut aus der ehemaligen Tschechoslowakei gewesen, sagt Steffen Loose. Nach 40 Jahren kämen die Rebstöcke nun aber an die Grenzen ihrer wirtschaftlichen Nutzung.

Inzwischen ist das Weingut ein etablierter Familienbetrieb. Senior Gerhard Loose hilft noch immer im Weingut mit, klebt beispielsweise geduldig die Etiketten auf die Flaschen. Der gelernte Winzer Steffen Loose ist der Chef. Sein Bruder Heiko - der einzige Angestellte - könne seine Fähigkeiten als Agrartechniker im Weinberg einbringen und sorge dafür, dass die Technik in Schuss bleibt. Natürlich helfe die ganze Familie mit, wenn die Lese oder Veranstaltungen auf dem Weingut anstehen. Dann sind auch die Kinder Linda (29) und Lukas (19) zur Stelle, die sich bisher allerdings noch nicht zum Einstieg ins väterliche Weingut entschlossen haben. Linda arbeitet im medizinischen Bereich, Technikfreak Lukas lernt derzeit Werkzeugmacher und schraubt gerne an alten Mopeds und Traktoren. Die Rebflächen der Looses können überwiegend maschinell bewirtschaftet werden. Rebschnitt, Entblättern und die Lese bleiben aber aufwendige Handarbeit. "Wir drehen auch hier konsequent an der Qualitätsschraube, da man ja nur aus guten Trauben auch gute Weine vinifizieren kann", betont der Winzer. Die Weine vertreibt der Familienbetrieb zur je einem Drittel über die Gastronomie, den Handel sowie direkt online und ab Hof an Endverbraucher. Als nur einer von zwei Betrieben in Sachsen bietet Steffen Loose Weinfreunden die Möglichkeit, eine Weinstockpatenschaft über zwei bis zehn Jahre abzuschließen. Die Paten bekommen dann jeweils einige Flaschen personalisierten Wein der Rebsorte "ihrer" Weinstöcke.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.02.2015

Lars Müller

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Region News

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Jetzt gratis spielen im Spieleportal von DNN.de! mehr

23.08.2017 - 12:06 Uhr

Die schwarz-gelben Kicker absolvierten am Mittwoch eine besonders intensive und lange Einheit.

mehr