Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Landkreis Meißen büßte scheinbar fast 350 Hektar Wald ein

Landkreis Meißen büßte scheinbar fast 350 Hektar Wald ein

Will man der Schauspielerin Veronica Ferres glauben, sind wir Deutschen Waldmenschen. In der Pilzzeit scheint es regelmäßig, als habe sie Recht. Wir freuen uns über jedes kleine Wäldchen.

Voriger Artikel
Kindermuseumsnacht mit Old Shatterhand
Nächster Artikel
Sächsische und Böhmische Schweiz wachsen zusammen

Bunt sind schon die Wälder. Ende Oktober trifft das auch auf das Gebiet am Moritzburger Großteich zu.

Quelle: Bernd Lichtenberger

Radebeul. Wegen der dort vielleicht wachsenden Pilze, wegen der Laubfärbung, wegen dort lebender Tiere, wegen der sauberen Luft, die unsere Wälder produzieren. Manche Bürger beobachten deshalb sogar argwöhnisch die Holzernte, obwohl der Wald ganz unstrittig auch ein Wirtschaftsfaktor ist.

Kein Wunder also, dass niemand dagegen protestierte, als sich der Freistaat Sachsen mit dem Landesentwicklungsplan 2013 erneut die Waldmehrung auf die Fahnen schrieb. Danach soll im Jahre 2050 der Gesamtwaldanteil 30 Prozent betragen. Für die Planungsregion Oberes Elbtal/Osterzgebirge heißt das, sie muss von derzeit 28,5 Prozent ein wenig zulegen. Die Differenz klingt eher gering, ist es aber nicht. Denn zu dieser Planungsregion gehört auch der mit nur 15 Prozent Wald bedeckte Landkreis Meißen. Deswegen rief es im Spätsommer Wolfram Günther, den umweltpolitischen Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Sächsischen Landtag auf den Plan, als es hieß, der Wald im Landkreis sei in der Fläche statt zu wachsen sogar geschrumpft. Seit 2008 um fast 350 Hektar.

Doch Detlef Albrecht, seines Zeichens Leiter des Amtes für Forst- und Kreisentwicklung, winkt ab. "Nein, bei uns im Landkreis Meißen gibt es diesen Waldabgang nicht", versichert der Amtsleiter. Im Gegenteil, allein zwischen 1991 und 2007 sei die Waldfläche um 65 Hektar gewachsen. Danach sei es mit der Erstaufforstung leider nicht mehr so schnell gegangen. Aber um zehn bis 15 Hektar sei die Waldfläche trotzdem gewachsen. Was den Landtagsabgeordneten der Grünen ärgert, sei einem Missverständnis geschuldet, erklärt Albrecht. Bei der zum Vergleich herangezogenen Ausgangszahl von 22 418 Hektar seien Waldspielplätze, Waldschulheime und ähnliches mitgezählt worden, sogenannte nichtforstliche Betriebsflächen.

Allerdings muss auch im Landkreis Meißen Wald manchmal einer Straße weichen. Ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit ist die Neutrassierung der S 81 zwischen Friedewald und Auer. "Aber unser Hauptziel ist es: Wo Wald weg kommt, muss Wald auch wieder hinkommen", sagt Albrecht und betont, bisher sei das immer gelungen. Auch beim Beispiel der S 81. Bei besonders wertvollem Baumbestand sogar im Verhältnis zwei Neue für einen Gefällten.

Dass der Landkreis Meißen zu den waldärmsten Landkreisen Sachsen zählt, ist in erster Linie den Bodenverhältnissen geschuldet. "Hier dominieren schon seit Jahrhunderten landwirtschaftliche Nutzflächen das Landschaftsbild. Gerade in der Lommatzscher Pflege summieren sich eine gute Bodenstruktur, hervorragende Nährstoffversorgung und günstige klimatische Verhältnisse. Die Waldflächen sind deshalb auf tiefe Kerbtäler, steile Hänge und schlecht nutzbare, wechselfeuchte oder anmoorige Standorte begrenzt", bestätigt Klaus Kühling, Sprecher des Staatasbetriebes Sachsenforst.

Doch selbst Wiesen lassen sich nicht einfach in Wald umwandeln. Denn oft handele es sich um geschützte Biotope, begründet Albrecht das nur sehr langsame Vorankommen bei der Waldmehrung im Landkreis.

Einfacher haben es da zum Beispiel die Landkreise Sächsische Schweiz-Osterzgebirge oder Bautzen, wo viele Standorte mit schlechten Böden und ungünstigem Klima schon immer landwirtschaftlich schlecht nutzbar waren und deshalb für die Forstwirtschaft auch heute wieder lukrativer sind. Dass Erstaufforstungen bei vorliegender Genehmigung vom Freistaat finanziell unterstützt werden, hilft ebenfalls.

Förderfähige Ausgaben sind unter anderem Ausgaben für Bodenvorarbeiten, Saat und Pflanzung, Wildzäune, mechanische Kulturpflege im ersten Jahr sowie für Planungsausgaben und Gutachten, erläutert Kühling. Wie groß dadurch der Anreiz sei, von land- auf forstwirtschaftliche Nutzungsformen umzusteigen, könne trotzdem nur schwer beurteilt werden, zumal Wald in den ersten Jahrzehnten eher Investitionen in seine Pflege bedarf, als Gewinn aus dem Verkauf von Rohholz abzuwerfen, fügt der Sachsenforst-Sprecher hinzu. Immerhin habe der Staatsbetrieb Sachsenforst allein im Jahr 2014 mit Waldbesitzern über 15 000 Beratungsgespräche zu Themen wie Holzernte, Waldumbau, Erstaufforstungen, Naturschutz im Wald, Organisationsformen von Waldbesitzern oder Walderschließung durchgeführt. Im Landkreis Meißen, wo der Privatwald dominiert, sind es jährlich etwa 800 Einzelberatungen. Neben Waldumbau und Waldpflege spiele die Aufforstung stets eine zentrale Rolle, versichert Kühling.

Bernd Lichtenberger

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Region News

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Jetzt gratis spielen im Spieleportal von DNN.de! mehr