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Landesbühnen schließen Haustarifvertrag für 75 Mitarbeiter

Tarifeinigung Landesbühnen schließen Haustarifvertrag für 75 Mitarbeiter

Die Landesbühnen Sachsen haben einen Haustarifvertrag. Der darf durchaus als schwere Geburt angesehen werden, haben Verdi und die Landesbühnengeschäftsführung doch bereits im November 2013 Verhandlungen aufgenommen, um einen neuen Tarifvertrag zu finden.

An den Landesbühnen Sachsen gilt nun für 75 Mitarbeiter der nichtkünstlerischen Bereich ein Haustarifvertrag.

Quelle: Uwe Hofmann

Radebeul. Die Landesbühnen Sachsen haben einen Haustarifvertrag. Der darf durchaus als schwere Geburt angesehen werden, haben die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und die Landesbühnengeschäftsführung um Intendant Manuel Schöbel und den Kaufmännischen Geschäftsführer Till Wanschura doch bereits im November 2013 Verhandlungen aufgenommen, um für die inzwischen 75 Beschäftigten in den nichtkünstlerischen Bereichen, also Technik, Verwaltung und Werkstätten, einen neuen Tarifvertrag zu finden. 27 Monate, 14 Streiktage im Frühjahr 2015 und den Einsatz einer Schlichterkommission um Henry Hasenpflug, ehemaliger Staatssekretär im sächsischen Kunstministerium, und Wolfgang Anschütz, Ex-Landesbezirksleiter von Verdi Sachsen, im August des Vorjahres hat es gebraucht, bis nun Anfang Februar die Unterschriften unter das 41-seitige Dokument gesetzt werden konnten.

„Es ist nicht immer ganz einfach“, begründet Verdi-Landesfachbereichsleiter Michael Kopp, warum es nach dem Schlichterspruch noch einmal ein halbes Jahr gedauert hat. Der mehrmonatige Prozess sei notwendig gewesen, um einen von allen Seiten akzeptierten Haustarifvertrag zu finden. Der sieht nun vor, dass die Beschäftigten in drei Stufen mehr Gehalt bekommen: Rückwirkend zum 1. Januar 2015 bekommen sie 2,5 Prozent mehr Lohn, ab dem 1. April 2015 zusätzlich 2,2 Prozent und seit dem Beginn diesen Jahres noch einmal ein Plus von 2,2 Prozent. Die 75 betroffenen Mitarbeiter waren seit der Gründung der Landesbühnen-GmbH 2012 von jeglicher Tarifentwicklung abgekoppelt, weil der Tarifvertrag der Landesbeschäftigten (TV-L), nach dem sie bisher entlohnt wurden, plötzlich nicht mehr für sie galt. Im TV-L wurden die Löhne seither in zwei Verhandlungen um 5,6 Prozent und 4,4 Prozent erhöht, mit den insgesamt 6,9 Prozent mehr Lohn für die Theatermitarbeiter, auf die sich bereits die Schlichter Hasenpflug und Anschütz geeinigt hatten, geht also im Vergleich ein Gehaltsverzicht einher.

Neben den Grundsätzlichkeiten, um die es im Tarifstreit an den Landesbühnen jedoch ging, spielte der sonst erbitterte Kampf um die Prozentpunkte einer Gehaltserhöhung allerdings eine untergeordnete Rolle. Vor etwa einem Jahr, als es schon fast nach einer Einigung aussah, lies Verdi die Verhandlungen überraschend platzen. Einen Haustarifvertrag wolle die Gewerkschaft partout nicht annehmen, sagte Kopp damals, eine Rückkehr zum TV-L lehnten die Landesbühnen-Chefs prinzipiell ab. Man beschäftige doch keine Verwaltungsangestellten, sondern Theatermitarbeiter, begründete das Wanschura. Nun gibt es einen Haustarifvertrag, der fast gänzlich dem TV-L entspricht. „Für die Mitarbeiter ist besonders wichtig, dass es die Theaterbetriebszulage für die unregelmäßigen Arbeitszeiten nachts, an Wochenenden und Feiertagen weiter gibt“, sagt Verdi-Verhandlungsführer Kopp. Zwischendurch hatte der angebliche Plan der Geschäftsführung, eine Arbeitswoche mit sechs Tagen durch den Haustarifvertrag einführen zu wollen, unter den Mitarbeitern für Empörung gesorgt.

Einzig bei den Vergütungstabellen gibt es Abweichungen zum TV-L. Sie bestimmen, wer ab welchem Dienstjahr welches Gehalt bekommt. Die von der TV-L-Norm abweichenden Tabellen gelten allerdings nur für die Beschäftigten, die seit 2012 neu angestellt wurden. „Es gibt weniger Gruppen, weniger Stufen und man ist eher am Endpunkt angelangt. Es ist etwas anders, aber nicht schlechter“, sagt Kopp. Man habe verhindern wollen, dass ein Gegensatz zwischen teuren Altangestellten und billigen neuen Mitarbeitern entstehe. “Die Gehaltstabellen sind dem Theaterbetrieb angemessen“, lobt Landesbühnen-Geschäftsführer Wanschura knapp. Er und Intendant Schöbel haben sich in den Verhandlungen vor allem in einem Punkt durchgesetzt. Dass es ein Haustarifvertrag geworden ist, haben die Landesbühnen-Chefs unbedingt gewollt, sagt Kopp.

Das bedeutet, dass die weitere Tarifentwicklung am Theater von den Abschlüssen des TV-L abgekoppelt ist. Die Gehaltstabellen gelten wenigstens zwei Jahre, können also Ende des Jahres frühestens gekündigt werden. Dann müssten Gewerkschaft und Theaterleitung erneut verhandeln, um einen „den Möglichkeiten des Theaterbetriebs angemessene“ Entlohnung zu beschließen, wie Wanschura sagt. Bedeutet: Wenn die Theater-GmbH finanziell schlecht da steht, sieht es mit Tariferhöhungen schlecht aus, egal wie sehr anderswo die Löhne steigen. Eine Ausweitung haustariflicher Vereinbarungen auch auf die übrige Mitarbeiterschaft beabsichtige man laut Wanschura nicht. Die Theatermitarbeiter der künstlerischen Bereiche werden nach dem Normalvertrag Bühne entlohnt. Das solle auch so bleiben.

Von Uwe Hofmann

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