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Landesbühnen im Tom-Pauls-Theater Pirna: Premiere von "Der Messias" von Patrick Barlow

Landesbühnen im Tom-Pauls-Theater Pirna: Premiere von "Der Messias" von Patrick Barlow

Sich derzeit durch Schnee und Eis nach Pirna durchzukämpfen, ist gewiss ein etwas abenteuerliches Unternehmen. Aber lohnend ist es allemal, besonders dann, wenn man noch über den kleinen, feinen Weihnachtsmarkt "schlemmern" kann, um schließlich leicht durchfrostet im so außergewöhnlichen Peter-Ulrich-Haus anzulanden, wo ja bekanntlich das Tom-Pauls-Theater zu Hause ist.

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Matthias Nagatis (l.) und Marc Schützenhofer in nicht nur friedlicher Messias-Mission.

Quelle: Olaf Hais

Eine wahrhaft sympathische Spielstätte in historischen Gemäuern und zudem mit allem, was dazu gehört. Da muss man sich auch nicht wundern, dass sich die Landesbühnen Sachsen, die eh durch die umliegenden Lande reisen, in diesem Uraltjuwel sehr wohl fühlen und daselbst nun auch eine Premiere herausgebracht haben.

Das Stück "Der Messias", mit dem sie in Pirna präsent sind, ist eine nicht minder hochbetagte Angelegenheit. Womit allerdings weniger die Weihnachtsgeschichte an sich gemeint ist, mehr besagte Komödie des britischen Autors, Schauspielers und Regisseurs Patrick Barlow (unter Mitarbeit von Jude Kelly und Julian Hough), uraufgeführt 1983 am Tricycle Theatre in London. Die Deutschsprachige Erstaufführung (Deutsch von Volker Ludwig und Ulrike Hofmann) war vor fast genau 25 Jah- ren am GRIPS Theater Berlin, und auf diese Textfassung bezieht sich auch die Inszenierung von Mario Grünewald an den Landesbühnen Sachsen. Dass vor wenigen Tagen zudem "Der Messias" auf dem Theaterkahn in Dresden in der Lesart von und mit Tom Quaas und Peter Kube erfolgreich startete, wird gewiss nicht dafür sorgen, dass sich die Propheten nun in die Quere kommen. Schließlich kann man von einer gut gemachten Komödie ja auch gar nicht genug bekommen, und viel mehr als Spaß will dieses Stück nicht verkünden. Doch das ist eben auch das scheinbar Einfache, das schwer zu machen ist. Dabei haben die drei Darsteller spürbar alle Potenzen, um diese begehrte Theaterkrone zu erringen. Marc Schützenhofer als Bernhard hat durchaus den unschuldigen Blick aller Heiligen und Jungfrauen drauf, und er kann verblüffend wahrhaftig wirken, wenn er sich Fräulein Timm im Schauspielverdruss offenbart. Diese gelassen-heroische Erna Timm muss es eben einfach aushalten mit den beiden "Spätzündern", und Sandra Maria Huimann bewerkstelligt das mit einer Engelsgeduld, durchpulst mit ihrer geschulten Stimme das zuweilen schleppende Geschehen und strickt sich, was das Zeug hält, unverdrossen durch den Abend.

Eine der markanten Szenen der Aufführung ist, wenn Matthias Nagatis (als Gast an den Landesbühnen) und Marc Schützenhofer die beiden Hirten mimen. Da gelingt ihnen dieser gewisse Ton, der wie das würzende Salz in der Suppe erst den wahren Spaß ausmacht. Und das ist, wenn sie so dastehen mit ihrem versunkenen Blick auf weite Hügel und über das hinkende Schaf Susi philosophieren oder Nagatis das Theater-"Handtuch" wirft, den Premierenausflug nach Pirna schon wert gewesen. Offenbar wollte der Regisseur nur einfach zu viel des Guten, hat den Bogen so überspannt, dass sich die Sehne allzusehr ausleierte.

Vielleicht sollte man aber auch nicht fragen, was an dieser Inszenierung den Spaß ausbremste. Sondern vielmehr, wie sich das Publikum besser darauf vorbereiten könnte. Da war es allein schon ein Fehler, sich im Weihnachtsmarkt-Vorgeschmack für den harmlosen Kinderpunsch zu entscheiden, wenn doch zwei Gläser mit einem kräftigen Schuss Weinbrand den Spaßfaktor vielleicht erhöht hätten. Obwohl selbst dann noch die deplatziert wirkenden Anzüglichkeiten der Aufführung keinerlei müdes Lächeln verdienen würden. Andererseits haben die Premierengäste spürbar gut mitgespielt, sorgten für Volkszorn und lautstarke Reaktionen sowie einen kräftigen Schlussapplaus.

Mit viel Liebe und Fabulierlust haben übrigens Anne Konstanze Lahr und etliche Partner die Weihnachtsgeschichten-Ausstattung hervorgezaubert, mit der es sich gewiss auch gut reisen lässt. Und das Publikum hatte deutlich Spaß beispielsweise an den "Krippenfiguren" sowie mancherlei kuriosen Details. Dass Dorèn Franz im Programm extra aufgeführt ist mit ihren Strickkünsten, scheint angesichts des Riesenschals oder der verrückten Bärte absolut berechtigt. Nur der liebenswerte Regisseur müsste sich noch ein wenig mehr üben in der Feinstricktechnik und auch auf fallende Maschen achten. Dann könnte etwas Erwärmendes daraus werden.

Gabriele Gorgas

nächste Aufführungen: am 14.12., 19.30, Freital/Kulturhaus; 16.& 21.12., 20 Uhr, 26.12., 18 Uhr, Radebeul/Studiobühne

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.12.2012

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