Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 7 ° Regen

Navigation:
Google+
Landesbehörden: Aufklärung des Weinskandals dauert länger

Insektizid-Rückstände im Sachsenwein Landesbehörden: Aufklärung des Weinskandals dauert länger

Die zuständigen Landesbehörden versuchen, die Affäre um Dimethoat-Rückstände im Sachsenwein gemeinsam lückenlos aufzuklären. Einen konkreten Zeitrahmen konnten die Fachleute jedoch nicht nennen. Die Untersuchungen der Weine aus den Jahren 2013 bis 2015 bei der Winzergenossenschaft Meißen dauerten noch an.

Quelle: dpa

Meißen.  Die zuständigen Landesbehörden versuchen, die Affäre um Dimethoat-Rückstände im Sachsenwein gemeinsam lückenlos aufzuklären. Einen konkreten Zeitrahmen konnten die Fachleute der Landesdirektion, des sächsischen Verbraucherschutzministeriums, der Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen sowie des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie jedoch nicht nennen. Die Untersuchungen der Weine aus den Jahren 2013 bis 2015 bei der Winzergenossenschaft Meißen liefen noch. Zudem dauerten Ermittlungen und Anhörungen an, die Licht in den Einsatz des im Weinbau nicht erlaubten Pflanzenschutzmittels bringen sollen. Angesichts des bisherigen Ausmaßes handele es sich um einen bundesweit einmaligen Fall im Weinbau, deshalb fehlten den ermittelten Behörden entsprechende Erfahrungen. Bereits vor Monaten hatte das Deutsche Weininstitut bestätigt, eine derartige Pflanzenschutzpanne in Deutschland noch nicht zu kennen.

Rüdiger Helling, Referatsleiter im Verbraucherschutzministerium, appelliert an alle Weinbaubetriebe, ihr Qualitätsmanagement zu überprüfen und gegebenenfalls zu verbessern. Insbesondere Betriebe mit vielen Traubenlieferanten – und das sind nicht nur die großen Weingüter – müssten ihrer Verantwortung als Lebensmittelproduzent bewusst sein. Die Winzergenossenschaft Meißen steht seit Beginn des Skandals in der Kritik aus der Branche, weil sie trotz ihrer rund 1500 Winzer keinen Qualitätsmanager beschäftigt, der die teils unerfahrenen Hobbyweinbauern das ganze Jahr über betreut, berät und ihnen genauer auf die Finger schaut. Bekannt ist das schon lange, Unmut darüber löste aber erst der Weinskandal aus.

Zugleich wiesen die Landesbehörden Kritik aus dem Landkreis Meißen zurück, wonach die Festlegung des Grenzwertes von 0,01 Milligramm Dimethoat bezogen auf Keltertrauben für zusätzliche Arbeit gesorgt hätte. Laut EU-Richtlinien galt bei Keltertrauben offiziell 0,02 Milligramm pro Kilogramm als Grenzwert. Die Behördenvertreter betonten, nach Anordnung des Bundes habe der Grenzwert schon immer quasi bei 0 gelegen, man habe dies mit der Anordnung nur präzisiert und technisch bedingte Messwertabweichungen berücksichtigt. Dimethoat ist im Weinbau verboten und darf folglich auch nicht im Wein nachweisbar sein. Entgegen anderer Behauptungen darf der Wirkstoff auch bei Kirschen nur mit Notfallzulassung eingesetzt werden. Allerdings sind derzeit nur wenige Weine überhaupt von der präzisierten Grenzwertfestlegung betroffen, da die meisten Belastungen deutlich höher liegen – wenn auch im gesundheitlich unbedenklichen Bereich. Unklar scheint weiter, ob nur ein Traubenerzeuger für die Dimethoat-Belastung verantwortlich ist oder ob noch mehr Traubenlieferanten unerlaubte Pflanzenschutzmittel einsetzen. Bei der Aufklärung müsse die Genossenschaft mithelfen – auch im eigenen Interesse.

Unterdessen müssen sich alle Winzer auf verstärkte Kontrollen einstellen, die auch die Vegetationsphase vor der Lese umfassen werden. Auch kleine Weinbauern können mit Überprüfungen rechnen, beispielsweise ihrer gelagerten Vorräte von Pflanzenschutzmitteln in den Geräteschuppen und Weinbergshäuschen. Das Sonderüberprüfungsprojekt des Landes läuft seit dieser Woche bis voraussichtlich ins dritte Quartal hinein. Die Auswahl der Betriebe erfolgt dem Verbraucherschutzministerium zufolge nach einer Risikoabschätzung. Berücksichtigt würden dabei zum Beispiel die Anzahl der angebotenen Weine, der Anteil zugekaufter Trauben, die Anzahl der Traubenlieferanten und vorhandene Eigenkontrollergebnisse. Einige Weingüter haben ihre Weine auf eigene Kosten analysieren lassen und können entsprechende Protokolle zertifizierter Labore vorweisen. Diese würden anerkannt, hieß es.

Von Lars Müller

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Nach Weinskandal

Sachsen will angesichts der Insektengift-Affäre im heimischen Wein seine Pflanzenschutz-Kontrollen ausdehnen. „Vor allem in der Zeit vor der Weinlese werden wir den einen oder anderen Betrieb besuchen“, kündigte Jörg Müller von Berneck an.

mehr
Mehr aus Region News

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Jetzt gratis spielen im Spieleportal von DNN.de! mehr