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Künftig nur noch Imbissangebot auf dem Großen Winterberg

Gastronomie Künftig nur noch Imbissangebot auf dem Großen Winterberg

Nun ist es Gewissheit: Das Hotel, die Gaststätte und der Aussichtsturm auf dem Großen Winterberg in der Sächsischen Schweiz schließen zum Saisonende am 31. Oktober dieses Jahres. Die bisher übliche Wiedereröffnung zum Saisonstart 2017 wird es nicht geben. Das bestätigte der Betreiber gegenüber den DNN.

Ausschnitt aus einer historischen Postkarte vom Großen Winterberg.

Quelle: Archiv/Weckbrodt

Bad Schandau. Nun ist es Gewissheit: Das Hotel, die Gaststätte und der Aussichtsturm auf dem Großen Winterberg in der Sächsischen Schweiz schließen zum Saisonende am 31. Oktober dieses Jahres. Die bisher übliche Wiedereröffnung zum Saisonstart 2017 wird es nicht geben. Damit ist dem Ausflugsziel das Schicksal eines langanhaltenden Dornröschenschlafes sicher.

Dies bestätigte Marc Henkenjohann, der Erbpächter und Betreiber der gastlichen Stätte auf dem zweithöchsten Berg in der Sächsischen Schweiz gegenüber DNN. Er ist sich voll bewusst, dass diese Nachricht über die Grenzen der Sächsischen Schweiz hinaus auf große Aufmerksamkeit stoßen wird und dafür gibt es gute Gründe. Der große Winterberg ist mit 556 Metern der zweithöchste Berg der Sächsischen Schweiz und traditionell ein beliebtes Ausflugsziel. Gaststätte und Hotel sind die Höchstgelegenen in diesem touristisch bedeutsamen Zielgebiet.

Das Objekt blickt auf eine fast zweihundertjährige Vergangenheit zurück. Schon unsere Urgroßeltern freuten sich beim durchaus fordernden Aufstieg zum Berg auf ein erfrischendes Bier, den duftenden Kaffee, das leckere Essen, die auch jetzt noch die Speise- und Getränkekarte bereithält. Hier wurde im Saal gefeiert und getanzt, erlebten die Hotelgäste wunderbare Sonnenauf- und Untergänge, wurde der Rucksack für die Tageswanderung gepackt oder der Turm bestiegen um die herrliche Aussicht von oben zu genießen. Das alles wird bald Geschichte sein. Vielleicht auch nicht, das lässt Henkenjohann dann doch im Gespräch noch offen.

Ein kleiner Trost bleibt den Wanderern und allen, denen der Große Winterberg ans Herz gewachsen ist: Henkenjohann wird das Objekt behalten, er bleibt dessen Erbpächter. Eine Bewirtschaftung durch Dritte wird es nicht geben. Bei ihm eingegangene Anfragen von Interessenten hat er abschlägig beantwortet. Er bleibe am Berg, das stehe fest: Er bereitet eine einfache Imbissversorgung im Außenbereich vor und deren Ausstattung mit mobilen Toiletten. Zu Ostern, Pfingsten, am Himmelfahrtstag sowie durchgängig in der Saison von Juli bis Oktober wird der Imbiss geöffnet sein. Dann kann auch der Aussichtsturm bestiegen werden.

Er wolle die Zeit aussitzen, bis die Rahmenbedingungen für die Gastronomie in Deutschland so verbessert seien, dass sich dieses Gewerbe wieder lohne. Er sei – wie sein Bruder Uwe - fest davon überzeugt, dass dies für das Überleben der Branche unabdingbar notwendig sei. Die beiden Brüder kennen sich in der Branche bestens aus. In der Elbsandstein Gruppe zusammengeschlossen bewirtschaften sie neben dem Winterberg noch die Berg- bzw. Gastwirtschaften Papststein, „Am Kuhstall“, „Altes Zeughaus“, das Bistro & Café Sendigbaude sowie das Biosfaire Ladencafé im Nationalparkbahnhof.

Marc Henkenjohann macht die Politik dafür verantwortlich, dass die derzeitige Belastung mit Steuern, Gebühren und Abgaben einem großen Teil der gastronomischen Einrichtungen auch überregional ein wirtschaftliches Arbeiten unmöglich mache. Diese Situation habe ihn zum Entschluss geführt, die Gaststätte und das Hotel auf dem Großen Winterberg zu schließen. Er müsse sich privat verschulden, nur um das Objekt weiter betreiben zu können.

Der Lage des Objektes geschuldet habe er zusätzliche Kosten. Zudem könne er lediglich sieben Monate im Jahr öffnen, davon seien 3 Monate defizitär. Die Kosten für das Personal und die Fahrzeuge beziffert er auf rund 70 000 Euro im Jahr.

In den zurückliegenden Jahren musste er erhebliche Aufwendungen für die Sicherstellung der Ver- und Entsorgung tätigen. Als Beispiel nennt Henkenjohann die Wasserversorgung. 2013 habe er eine Wasserpumpe für 10 000 Euro gekauft, um das Wasser über 250 Meter Höhenunterschied auf den Winterberg zu pumpen. Im Vorjahr sei die gleiche Summe für die Beschaffung einer zweiten Pumpe angefallen. Das wäre aufgrund des Gesamthöhenunterschiedes zwischen Schmilka und dem Gipfel des Berges – das sind rund 450 Meter – unerlässlich.

Zudem stelle ihn die Abwasserentsorgung vor ein Riesenproblem. Die vorliegende Ausnahmegenehmigung für den Betrieb seiner Kläranlage laufe am 31. Oktober aus. Hier sieht er keine Lösung. Zudem stünden in nächster Zeit Instandsetzungsmaßnahmen an den Gebäuden an. Einen Bankkredit erhalte er aber nicht, eben wegen der bekannten miesen Lage der gesamten Branche. „Ich will aus dem Objekt keinen Gewinn herausziehen, aber ich bin auch nicht mehr bereit, private Gelder einzusetzen, um Tourismus möglich zu machen“, zieht Henkenjohann sein Resümee.

Er hat inzwischen eine Arbeit gefunden, mit der er die eigene Existenz und die seiner Familie sichern kann. Er kennt sich in der Volkswirtschaftslehre gut aus, gründete eine Personalagentur mit Geschäftsstellen in Regensburg, Passau, Bayreuth und Bad Schandau. Schon bald folge eine weitere am Dresdner Neumarkt. Die Agentur ist auf die Vermittlung tschechischer Bürger spezialisiert. Daher könne er auch alle seine auf dem Winterberg arbeitslos werdenden Mitarbeiter problemlos in neuen Jobs unterbringen.

Der große Winterberg befindet sich grenznah zu Böhmen. Schon 1819 wurde auf dem Gipfel ein erstes Unterkunftshaus durch den Forstfiskus errichtet. Goethes Sohn August weilte oben. Er schrieb: „Es befindet sich hier ein kleines Häusgen, wo man gut bewirtet wird, das Bier, der Rum, etc. sind gut.“

Das noch heute existierende Hotelgebäude im Schweizer Stil wurde zwischen 1840 und 1846 errichtet. Es steht unter Denkmalschutz. Mit Carl Prätorius begann 1898 eine Familienära auf dem Berg, die bis ins Jahr 1964 reichte. Dann folgte eine Nutzung als Ferienobjekt durch das Verkehrs- und Tiefbaukombinat Dresden (VTKD). Zwischen 1990 und 1994 stand das Haus leer. Seit Mai 1994 bewirtschaftet Marc Henkenjohann das Objekt.

Von Peter Weckbrodt

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Großer Winterberg, Sächsische Schweiz
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