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Krönung für das Westportal - Meißner Dom bekommt den Wimperg zurück

Krönung für das Westportal - Meißner Dom bekommt den Wimperg zurück

Meißen. Die Leute von der Dombauhütte standen vor einem Rätsel. Dass der Meißner Dom, so lange er existiert, immer wieder verändert wurde, war ihnen klar. Und für das Westportal schien im 19. Jahrhundert endlich eine angemessene Gestaltung gefunden.

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Mike Weber und die anderen Mitarbeiter der Dombauhütte haben die Lücke für den Wimperg herausgebrochen. Nun bessern sie auch gleich Schäden am Rundfenster darüber aus.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dazu war ein barockes Vordach, angefügt Ende des 17. Jahrhunderts, abgebrochen worden. Um wieder ein stilreines Bauwerk zu haben, kam an seine Stelle ein dreieckiger Ziergiebel mit Maßwerk, Blumenverzierungen und Wasserspeiern, Wimperg genannt. Das Wort ist aus dem Althochdeutschen abgeleitet, von "wintberga", also "Windschutz". Was auf seine wichtigste Funktion verweist. Die scheint er auch erfüllt zu haben.

Doch dann 1909 das völlig Unverständliche: Er wurde abgebrochen. "Schäden soll er jedenfalls keine aufgewiesen haben", sagt Frithjof Müller, Geschäftsführer der Dombauhütte. Nicht einmal Kunsthistoriker Heinrich Magirius hat eine Erklärung. Und der ehemalige sächsische Landeskonservator weiß sonst alles über den Dom. Ersetzt wurde der Ziergiebel durch glatte Sandsteinquader, darin ein winziges Pultdächlein mit kaum mehr als symbolischer Wirkung. Seither drang Regenwasser in die Fürstenkapelle ein. Ausgerechnet an jenen Stellen, wo einige der wertvollsten Skulpturen stehen.

Deshalb waren sie sich in der Dombauhütte rasch einig: Der Wimperg muss wieder da hin. Vor etwa acht Jahren soll es die ersten Pläne gegeben haben, doch dann gestalteten sich die Vorbereitungen komplizierter als gedacht. Die Experten mussten noch manches untersuchen. Als die Ostdeutsche Sparkassenstiftung und die Sparkasse Meißen im Februar Fördermittel zusagten, war die letzte Hürde genommen. Auf rund 110 000 Euro sind die Gesamtkosten kalkuliert. An der Finanzierung beteiligen sich auch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, Dombauverein und Hochstift.

Und der Ziergiebel soll exakt so aussehen wie einst. Karl Schäfer aus Karlsruhe, Architekt der 1908 im historistischen Geist der Mittelalter-Rückbesinnung vollendeten Westtürme, hatte exakte Zeichnungen hinterlassen. "Dazu haben wir Fotomessbilder von 1898 auf Glasplatten im Archiv in Dresden gefunden", erzählt Frithjof Müller. "Die haben wir vergrößert." Aus all dem haben sie mit dem Computer eine dreidimensionale Animation geschaffen.

Seit April ist das Westportal hinter einem Gerüst verborgen. Das Transparent darauf zeigt den Besuchern den neuen alten Ziergiebel schon mal als gelb unterlegte Zeichnung in Originalgröße. Dahinter lärmen die Bohrhämmer. Seit 1990 ist viel getan worden am Meißner Dom. Doch stets wurde nur Vorhandenes restauriert. Zuletzt im vergangenen Jahr der Turm an der Nordwestseite. Nun werde zum ersten Mal etwas Neues angebaut, sagt Müller. Wenngleich historisch originalgetreu.

Mike Weber, Jörg Sonntag und Martin Zwilling, die Arbeiter der Dombauhütte, müssen sich kräftig gegen ihre Bohrhämmer stemmen und herzhaft auf ihre Meißel schlagen. "Der Zement ist ziemlich hart", sagt Frithjof Müller. "Das macht den Abbruch schwieriger als gedacht." Im Rundfenster darüber bessern die Handwerker gleich noch etliche Stellen mit aus. Im August können Besucher dann den ersten Steinmetzen bei den Arbeiten zusehen. Ein Teil der Elemente entsteht vor Ort. Der Sandstein dafür kommt aus der Sächsischen Schweiz. "Der hat eine etwas gemaserte Struktur", erläutert Müller. "Diese Lebendigkeit ist gewünscht."

Als Vorlage dienen ihnen Gipsmodelle im Maßstab eins zu eins. Die haben Handwerker in der Werkstatt der Dombauhütte in der Meißner Wolfgangskapelle gefertigt. Dort müssen auch die teils über drei Tonnen schweren Sandsteinblöcke erst mal grob vorbearbeitet werden, um sie etwa ein Drittel leichter zu machen. Erst dann kann sie ein kleinerer Transporter vors Westportal bugsieren. Ein Tieflader würde nicht durchs enge Burgtor passen.

Auch in Sachsens Steinmetz-Schule in Demitz-Thumitz setzen Lehrlinge Meißel und Schlegel an. Was sie zuliefern, werden zugleich ihre Gesellenstücke. Andere entstehen in der Bauhütte des Naumburger Doms und sogar in der Ausbildungsstätte im tschechischen Horice. Dombaumeister Günter Donath hatte dafür Kontakte nach Prag geknüpft. Der Veitsdom dort diente schließlich einst als Vorlage für die Fürstenkapelle.

Ende Oktober wollen sie mit den Arbeiten fertig sein. Für 29. Oktober ist ein wissenschaftliches Kolloquium geplant. "Dort sollen die Baugeschichte, Forschungsergebnisse und die Dokumentation der einzelnen Bauschritte dargestellt werden", sagt Frithjof Müller. Nicht nur das Westportal, auch die Experten sollen ihn auf diese Weise bekommen: den krönenden Abschluss.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.07.2014

Tomas Gärtner

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