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Krieg in der Ukraine - Radebeul bangt mit Partnerstadt Obuchiw

Krieg in der Ukraine - Radebeul bangt mit Partnerstadt Obuchiw

das ist für viele Radebeuler nicht nur ein Thema aus den Abendnachrichten, sondern hat eine ganz persönliche Bedeutung. Schließlich unterhält die Lößnitzstadt seit 16 Jahren eine Partnerschaft mit dem nahe Kiew gelegenen Obuchiw, die sehr intensiv gepflegt wird.

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Viktor Timtschenko plädiert dafür, den Kriegsflüchtlingen in der Ukraine zu helfen.

Quelle: Uwe Hofmann

Krieg in der Ukraine. Um zu erfahren, was in dem von einem Bürgerkrieg geplagten Land vor sich geht, hat Städtepartnerschafts-Beauftragte Gulnara Gey den Publizisten Viktor Timtschenko zu einem Diskussionsabend in den Kultur-Bahnhof Radebeul-Ost eingeladen. Vor der Veranstaltung hat er DNN-Mitarbeiter Uwe Hofmann ein Interview gegeben.

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat zum Ukraine-Konflikt gesagt, man müsse jetzt die Spaltung Europas verhindern. Welche Bedeutung, welche Auswirkungen hat denn der Ukraine-Konflikt auf Europa?

Viktor Timtschenko: Die Ukraine ist ein Bindeglied zwischen Westeuropa, Osteuropa und Asien. Sie hatte immer eine Brückenfunktion. Es könnte sein, dass in der Ukraine jetzt ein neuer Eiserner Vorhang errichtet wird. Vor dieser Auseinandersetzung hatte die Ukraine 30 Prozent Handelsvolumen mit der EU und 40 Prozent mit Russland. Jetzt werden die Beziehungen zu Russland eingefroren, sogar gekappt. Vor Kurzem hat man die Möglichkeit abgeschafft, mit dem russischen Personalausweis in die Ukraine einzureisen. Das geht nur noch mit Reisepass, den haben nicht alle Russen. Es ist ein Bruch zu befürchten und wenn er kommt, ist es ein Bruch in der Mitte Europas. Denn Russland gehört geografisch bis zum Ural, aber mental, religiös und von der Geschichte her mit allen Landesteilen zu Europa.

Die Ukraine verliert ihre Mittlerrolle und Europa verliert Russland?

So kann man das formulieren.

Haben Sie einen Eindruck, wie es im Land aussieht? Vielleicht wissen Sie gar, wie es in der Radebeuler Partnerstadt Obuchiw steht?

Von Obuchiw weiß ich leider nichts genau. Das liegt auch so ein bisschen am Rande der Welt.

Und sonst im Land? Mich interessieren zum Beispiel die Flüchtlinge aus den Kriegsgebieten, die bei uns bisher weniger thematisiert werden. Sie zu versorgen, muss doch eine ungeheure Aufgabe für den Rest des Landes sein?

Im Donbass lebten etwa fünf Millionen Menschen, zwei Millionen sind auf der Flucht. Ein Teil flieht in Richtung Osten nach Russland, ein Teil in den Westen. Die Anteile dürften in etwa gleich hoch sein, auch wenn keiner das nachgezählt hat. Ich möchte aber weniger darüber reden, was es bedeutet, sie zu versorgen. Man muss thematisieren, was diese Leute erleben. Sie flüchten doch nicht, weil es ihnen an Nahrung fehlt. Sie fliehen, weil es Krieg gibt, weil die Toten auf der Straße liegen. Die Bilder, die aus den Kriegsgebieten im Internet kursieren, lassen sich nicht beschreiben. Die Städte werden mit schwerer Artillerie beschossen, es gibt kein Gas, kein Strom. Es ist gefährlich, ein Lagerfeuer zu machen. Natürlich haben die staatlichen Organisationen in Russland und in der Ukraine Probleme, die Flüchtlinge zu versorgen. Aber was sind logistische Probleme gegen das Leid der Menschen, die Angehörige, die ihr Zuhause verloren haben. Das kann man nicht vergleichen.

Sehen Sie die Chance, dass dieser Konflikt beigelegt werden kann?

Die Ukrainer haben unterschiedliche Vorstellungen davon, wie sie leben wollen. Es gibt auch von äußeren Mächten Vorstellungen, wohin die Ukraine gehen soll, das sind Russland, die USA und die EU. Deshalb müssen nicht nur Poroschenko und die Separatisten-Chefs miteinander reden, sondern auch Putin, Obama, Hollande und Merkel. Wie ehrlich die Bemühungen sind, diesen Krieg beizulegen, lässt sich nicht sagen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass mancher mit dem Krieg besser lebt. Bisher hat es auch an Kompromissbereitschaft gefehlt.

Aber drängt die öffentliche Meinung im Land nicht auf einen Friedensschluss, auf einen Kompromiss?

Das kann man so generell nicht sagen. Es gibt solche und solche. Auch in der ukrainischen Regierung gibt es eine Kriegs- und eine Friedenspartei. Es gibt auch Stimmungen im Land, dass es besser sei, die strittigen Gebiete abzutreten, damit im Rest des Landes Einigkeit herrscht.

Würde das nicht den von Ihnen angesprochenen Eisernen Vorhang unweigerlich nach sich ziehen?

Das könnte passieren. Aber auch diese Ukraine, ohne den Donbass, ohne die Krim, kann diese Brückenfunktion übernehmen. Geografisch kann sich die Ukraine nicht von Russland abspalten. Die Abhängigkeit bleibt. Die familiären und kulturellen Beziehungen bleiben doch auch. Nehmen Sie mich: Meine Mutter kommt aus Russland, mein Vater ist Ukrainer. Einer meiner Neffen ist in Russland, der andere in Kiew. Das kann man nicht abschneiden.

Wissen Sie übrigens, dass man begonnen hat, diese Mauer zu errichten? Weil man den Vormarsch der Separatisten verhindern will?

Nein, nein, das ist etwas anderes. Man baut an der ukrainisch-russischen Grenze, wo keine Kämpfe sind. Genauso eine Wand, wie es sie früher in Deutschland gab, wie es sie heute zwischen den USA und Mexiko, zwischen Israel und Palästina gibt. Was das für eine strategische Bedeutung hat, weiß ich nicht. Vermutlich ist sie eher nichtig. In der Ukraine vermutet man, dass die Wand viel Geld kosten wird, von dem die Hälfte in irgendwelchen Taschen verschwinden wird. Krieg ist auch ein ganz großes Geschäft. Es wird sogar mit Gefangenenaustausch Geld verdient. Die Verwandten wollen ja die gefangenen Soldaten auslösen. Die dafür geforderten Summen bewegen sich zwischen 10 000 und 15 000 Dollar. Diejenigen, die so ein Geschäft beherrschen, verdienen sich eine goldene Nase. Es gab ja Hunderte ukrainische Soldaten in Gefangenschaft und ungefähr genau so viele Separatisten.

Was kann man als Radebeuler tun, wenn man Beziehungen in eine Stadt unterhält, die unter Krieg leidet?

Ich kenne auf beiden Seiten Menschen, die für Soldaten Geld sammeln. Das mache ich grundsätzlich nicht mit. Ich unterstütze weder die einen, noch die anderen, man unterstützt nicht den Krieg. Es wäre sinnvoll, den Flüchtlingen zu helfen. Sie sind die Leidtragenden, von den Kriegstoten mal abgesehen. Ansonsten wäre es wichtig, dass die Menschen in Radebeul ihre Stimmen erheben, um das Massaker diplomatisch zu beenden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.02.2015

Uwe Hofmann

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