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„Kötzschenbrodaer“ wird nicht höher gelegt, bekommt aber eine mobile Flutschutzwand

Radebeul „Kötzschenbrodaer“ wird nicht höher gelegt, bekommt aber eine mobile Flutschutzwand

Die Kötzschenbrodaer Straße wird in einem Abschnitt mit Hochwassermitteln saniert. Radebeul muss sich allerdings von Plänen verabschieden, die Straße durch Höherlegung zu einer Art Damm für Serkowitz zu machen. Die untere Wasserbehörde liefert dafür eine verblüffende Begründung.

Die Kötzschenbrodaer Straße wird mit Mitteln für die Hochwasserschadensbeseitigung ausgebaut. Vor einer neuen Flut soll eine mobile Flutschutzwand schützen.

Quelle: Uwe Hofmann

Radebeul. „So richtig sinnvoll wird hier nicht gebaut“, sagt Andreas Kruschel (Freie Wähler). Der Radebeuler Stadtrat ist nicht der einzige, der mit den Ausbauplänen zur Kötzschenbrodaer Straße zwischen der Südstraße und der Stadtgrenze zu Dresden nicht wirklich zufrieden ist. Dennoch gaben die Stadträte grünes Licht für das Vorhaben, das zum großen Teil mit Geldern für die Flutschadensbeseitigung bezahlt wird. „Wir laufen den Fördergeldern hinterher“, umschreibt Kruschel das wenig schmeichelhaft.

Dabei hatte man im Radebeuler Rathaus liebe Mühe, den Abschnitt – es ist neben dem derzeit schon im Bau befindlichen in Radebeul-West die zweite Flutschadenssanierung an der vielbefahrenen Straße – im Wiederaufbauprogramm unterzubringen. Erst im Widerspruchsverfahren konnte man glaubhaft machen, dass die seit längerem nicht gerade einwandfreie Asphaltbahn durch das Junihochwasser 2013 solchen Schaden genommen hat, dass sie erneuert werden muss.

Diese Hartnäckigkeit hat ihre Gründe: Der Abschnitt ist ganz entscheidend für den Hochwasserschutz in Serkowitz. Er liegt am Seegraben, einem alten Elbarm, der bei Hochwasser die Elbefluten direkt nach Serkowitz bringt, an die Dresdner Straße, an den Siedlungskern Am Kreis. „Da geht es um Millionenwerte“, sagt Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) aus bitterer Erfahrung. 2002 flutete die Elbe den Seegraben, 2013 verhinderte das ein mit dem schweren Gerät einer Baufirma mitten auf der Kötzschenbrodaer Straße aufgeschütteter Damm.

Im Rathaus hatte man anschließend die Idee, sich durch die Höherlegung der Kötzschenbrodaer Straße aller Hochwassersorgen zu erledigen. Die Straße selbst würde dann als Damm fungieren und noch dazu als wichtige Verbindung nach Dresden im Ernstfall länger offen bleiben. Die Genehmigungsbehörden wollten davon aber nichts wissen. Und das nicht nur wegen der 2,3 Millionen Euro Mehrkosten, die eine Erhöhung der Straße einer Schätzung nach kosten würde. Die untere Wasserbehörde entzog der Planung letztlich jede Grundlage: Sie forderte den Erhalt des Seegrabens als Retentionsraum, also als Flutgebiet für die Elbe, und schrieb bei einer Höherlegung der Straße Löcher im Damm vor.

Erneutes Umdenken im Rathaus: Die Straße bleibt auf ihrer Höhe, erhält aber einen mobilen Flutschutz. Auf den wollte OB Wendsche im Stadtgebiet eigentlich weitestgehend verzichten, weil Unterbringung und Pflege viel Aufwand bedeuten und der Aufbau anderswo benötigte Einsatzkräfte bindet. Da es an dieser Stelle nicht anders gehe, müsse man nun aber darauf zurückgreifen, meint Wendsche. Zumal der Bau eines elbnahen Deiches bei Serkowitz, der auch einen wirksamen Flutschutz für die Gegend brächte, wegen seiner geringen Priorität noch Jahrzehnte auf sich warten lässt. „Ich habe die Hoffnung auf einen Flutschutz für Serkowitz nicht aufgeben“, sagt Wendsche zwar. Nur bei dieser Hoffnung belassen will er es aber ganz offenbar nicht.

Das treibt allerdings die Baukosten in die Höhe. Von den Hochwassermitteln darf aber nur die Wiederherstellung der Straße bezahlt werden. 410 000 Euro bekommt Radebeul dafür laut Wiederaufbauplan, die tatsächlichen Baukosten werden als doppelt so hoch eingeschätzt. Das liegt allerdings auch an einem Fußweg, der auf der Nordseite der Straße geplant ist. Derzeit hat die Straße gar keinen Fußweg, weshalb dessen Bau nicht als Wiederherstellung gilt. „Viele gehen dort zur Bushaltestelle, deshalb ist es positiv zu beurteilen, dass der Fußweg nach zähem Ringen doch gebaut wird“, sagt CDU-Stadtrat Wolfgang Jacobi. Radebeul will dafür Mittel aus einem anderen Förderprogramm beantragen.

Eingespart hat man dagegen einen Radweg, was nach Meinung von Stadträtin Eva Oehmichen (Bürgerforum/Grüne) nicht nachzuvollziehen ist. „Es gibt dort einen hohen Lkw-Anteil“, sagt sie. Außerdem plane Dresden den Ausbau der Straße nicht ohne Radverkehrsanlagen, wie sie in Erfahrung gebracht habe. Wenn es so kommt, bricht der Schutzstreifen hinter dem Radebeuler Ortseingang abrupt ab.

Von Uwe Hofmann

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