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Kletterjubiläum am Kanzelturm

Sächsische Schweiz Kletterjubiläum am Kanzelturm

Vor 100 Jahren wurde der Kanzelturm im Bielatal über die Südwand erklommen. Anlässlich des Jubiläums folgten Kletterer den Spuren des Erstbesteigers Emanuel Strubich.

Frank Blumensaat (l.) mit Frieda und Heiko Lehnert mit Silwa beobachten, wie ihre Partnerinnen den Gipfel des Kanzelturms bezwingen
 

Quelle: Mike Jäger

Bielatal.  Von der Kanzelsteinaussicht aus lassen sich prima Kletterer beobachten und bestaunen: Drei Frauen schreiben sich gerade ins Gipfelbuch des Kanzelturms ein. Der Turm steht unmittelbar vor der Aussicht, die wie eine Kanzel ins Tal ragt und einen vorzüglichen Blick hinunter zur Ottomühle bietet. Dann ordnen die Kletterinnen die Seile zum Abseilen. Sie winken zur Aussicht herüber. Hier stehen die Seil- und Lebenspartner der Frauen mit ihren Töchtern auf dem Arm. Kurz zuvor hatten die Männer selbst den Kanzelturm bestiegen. Denn es gibt einen historischen Anlass.

Lauter kecke Felsnadeln und beeindruckende Felssäulen stehen im Bielatalgebiet in der Sächsischen Schweiz. Der Kanzelturm ist ein besonders imponierendes Kletterziel. Viele lohnende Kletterrouten führen zu seinem Gipfel empor, aber vorwiegend die 35 Meter hohe „Südwand“ - eine luftige, ausgesetzte Kletterei an festen Sandsteinstrukturen im Schwierigkeitsgrad VIIa - zieht die Felskletterer in den Bann.

Erstbegangen wurde die Wand vor 100 Jahren von Emanuel Strubich mit sei­nem Seilgefährten Otto Jüngling am 11. Juni 1916. Der damals 29-jährige Strubich zählte zu den Besten seiner Zeit und war geachtet für seinen äußerst eleganten Klet­terstil. Viele Strubich-Routen gehören zu den schönsten und anspruchsvollsten im Elb­sandsteingebirge. Strubichs größte Tat war die Durchsteigung der „Westkante“ am Wilden Kopf in den Affensteinen – 1918 die aller­erste Route im Schwierigkeitsgrat VIIIa weltweit.

Im Bielatal am Kanzelturm versammeln sich am Jubiläumstag viele Bergsteiger. Schon um Mitternacht sind Kletterer mit Stirnlampen eingestiegen, um als erste dem Turm, der Kletterroute und dem Erstbesteiger Emanuel Strubich Tribut zu zollen. Von der Partie sind Mitglieder des Kletterklubs „Kanzeltürmer“. Der Klub im Sächsischen Bergsteigerbund besteht seit 1911. Dass es Klubgipfel gibt, nach denen sich die Klubs benannt haben und diese dann immer wieder aufsuchen und betreuen, hat im Verein Tradition. Heiko Lehnert, Vorstand der „Kanzeltürmer“, und Frank Blumensaat sind mit ihren Familien hier. Für die „Kanzeltürmer“ ist es Ehrensache, am Jubiläumstag Emanuel Strubichs Spuren nachzuvollziehen. Im Laufe des Tages bezwingen 16 Bergsteiger in Seilschaften über die „Südwand“ den Gipfel.

Von Mike Jäger

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