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Kleine Tricks, große Wirkung - Was man als Ankleider bei den Landesbühnen Sachsen zu tun hat

Kleine Tricks, große Wirkung - Was man als Ankleider bei den Landesbühnen Sachsen zu tun hat

Es ist kurz nach 19 Uhr, das Publikum nimmt Platz im Saal. Angela Füssel stellt einen kleinen mit Stoff gefütterten Korb im Durchgang zur Seitenbühne bereit.

Radebeul.

Von CHRISTOPH SPRINGER

Radebeul . Es ist kurz nach 19 Uhr, das Publikum nimmt Platz im Saal. Angela Füssel stellt einen kleinen mit Stoff gefütterten Korb im Durchgang zur Seitenbühne bereit. Er ist so groß wie eine kleine Handtasche. Dann klappt sie den Deckel auf und kontrolliert den Inhalt: zwei Scheren, Nadeln und Zwirn hat sie in dem Korb, dazu Pflaster und ein paar Knöpfe. Viel mehr ist es nicht, was sie im Notfall braucht für ihren Dienst als Ankleiderin in den Landesbühnen Sachsen. "Die Drei von der Tankstelle" wird gegeben, ein Musical, das an den gleichnamigen Filmklassiker aus dem Jahr 1930 angelehnt ist und für die Landesbühnen von Zwingertrio-Darsteller Peter Kube inszeniert wurde. Acht Männer und drei Frauen spielen mit. Im Mittelpunkt stehen drei Freunde, die eine Tankstelle betreiben und sich in dieselbe Frau verlieben.

Das Verwirrspiel um die Liebe nimmt um 19.30 Uhr seinen Lauf, erstes Bild, die Kostüme sitzen dank Vorarbeit in Garderobe und Maske. Die drei Freunde tragen karierte Hemden und kurze Hosen, dazu passende Schuhe. Angela Füssel und ihre Kollegin haben die Kostüme zuvor in den Garderoben der Hauptdarsteller bereitgelegt. Alle anderen Hosen, Hemden, Jacken, Kleider, Blusen und Röcke für Kostümwechsel zwischendurch hängen nun in genau festgelegter Reihenfolge in dem Durchgangsraum zur Seitenbühne, durch den es auch in die Maske geht. Schuhe stehen bereit, knapp 20 Paar werden gebraucht bei diesem Musical, hochhackige für die Frauen und jede Menge Halbschuhe für die Herren.

Draußen auf den Brettern, die die Welt bedeuten, wird getanzt und gesungen. Im Halbdunkel der Seitenbühne üben andere Darsteller schnell noch einmal einen Dialog und ein paar Tanzschritte. Sandra Maria Huimann spielt eine elegante Dame, Nachtclubbesitzerin Edith von Turoff. Auf der Bühne muss sie von einem Sofa fallen und danach tanzen. Bei der Sofaszene hat sie kürzlich die Highheels verloren. "Sie waren etwas zu groß", erzählt die 27-Jährige, ihr Szenenpartner habe sie vor der Tanzszene an den Bühnenrand gekickt. So lagen sie wenigstens nicht im Weg. Heute behilft sie sich mit einem Trick - ein schwarzes Gummiband über dem Spann und Klebeband halten die Schuhe.

"Manchmal müssen wir eben tricksen", sagt Angela Füssel. So wie neulich beim "Nathan" in der Radebeuler Lutherkirche. Da musste sie ein Kleid trockenbügeln und hat dabei das heiße Eisen ein wenig zu lang auf den Stoff gedrückt.. Es brannte einen Fleck in das Kleid, der Schaden war nicht zu übersehen. "Das war zwei Minuten vor der Aufführung", erinnert sich die Garderobiere, alle wurden schon hektisch. "Moment jetzt, stopp, habe ich gerufen." Sie selbst, sagt sie, bleibt gerade in solchen Momenten ganz ruhig. "Ich habe kurz nachgedacht und dann das Kleid auf links gedreht." So war der Fleck nicht zu sehen und eine Jacke kaschierte die Nähte, die nun zu sehen waren.

Neues Bild. Die Bühnenkulisse wird gedreht, aus einem Büro wird die Tankstelle. Die drei Freunde stürmen in den Durchgangsraum, stürzen sich in ihre Tankwartkostüme und ziehen zum Schluss lange Regenmäntel über. "Diese Dinger, das schwitzt, das atmet nicht", stöhnt Marc Schützenhofer. Trotzdem schließt er noch schnell die Knöpfe, bevor es wieder raus geht ins Scheinwerferlicht. Angela Füssel kniet jetzt auf der Seitenbühne, sie hält Stepschuhe bereit für Hauptdarstellerin Julia Vincze, die gleich damit tanzen muss. Drei Ankleider arbeiten bei Opern und Operetten in den Landesbühnen, zwei bei Schauspielstücken. Man muss nähen können, die Kostüme waschen und pflegen und bei Gastspielen mitreisen, hat sie zuvor erzählt. Sie selbst ist eigentlich gelernte Lebensmittelverkäuferin, hat dann in der Werbung gearbeitet, später auch bei einem Bäcker und in einem Callcenter. Seit drei Jahren ist sie bei den Landesbühnen, zunächst war sie Aushilfe auf der Felsenbühne in Rathen. Seit zwei Jahren ist sie nun festangestellte Garderobiere und damit auch Ankleiderin. Diese Arbeit gefällt ihr besser als ihr früherer Job als Verkäuferin. "Ich bin zufrieden und werde vernünftig bezahlt im Gegensatz zu dem, was ich im Handel verdient habe", sagt Angela Füssel.

Inzwischen ist die Pause vorbei, die Drei von der Tankstelle haben erkannt, dass sie dieselbe Frau lieben und Sandra Maria Huimann muss zum letzten Mal ihr Kostüm wechseln. Von einer atemberaubenden Bardame im langen Leopardenkleid wird sie zu einer formellen Millionärsfrau. Dafür muss sie in Hose und Rollkragenpullover schlüpfen. Im Umkleideraum wird es hektisch. Jetzt ist Hilfe gefragt. Die 27-Jährige streift das Kleid ab, die Männer gleich daneben kümmert das gerade gar nicht. Es ist Arbeit, man geht professionell mit solchen Situationen um. Auch ein Mann könnte ihr jetzt als Ankleider zur Hand gehen, ist Angela Füssel überzeugt. Dann zieht sie Sandra Maria Huimann einen kleinen Sack aus ganz dünnem Stoff über den Kopf. Wieder so ein Trick, der dieses Mal die Hochsteckfrisur schützt, während die Schauspielerin den Rollkragenpullover überstreift. Alles geht glatt, der Haarturm bleibt stehen. Kurz darauf steht die "Millionärin" wieder auf der Bühne.

Reichlich drei Stunden nach dem ersten Akt ist schließlich Finale, dann fällt der Vorhang. Dem Publikum hat es gefallen. Der Beifall ist lang, es wird gejubelt im Saal. Angela Füssel und ihre Kollegin bekommen davon wenig mit. Sie räumen die bereits abgelegten Kostüme in schmale Rollcontainer. Schmutzige Kleidung kommt in die Wäsche. Es ist nichts kaputt gegangen, die Nähmaschine muss also nicht bemüht werden. Das ist ohnehin eine Arbeit für den nächsten Tag. Heute wird nur noch aufgeräumt, so gehören die Ankleiderinnen zu den letzten, die das Theaterhaus am Abend verlassen. Eine knappe Stunde nach dem letzten Aufzug haben auch sie ihre Arbeit erledigt und können nach Hause gehen.

Die Landesbühnen suchen Theaterfreunde, die Lust auf eine Nebentätigkeit als Ankleider haben. Sie unterstützen dann die Arbeit der Garderobieren, gehören zu den guten Seelen hinter der Bühne. Wer Interesse daran hat, meldet sich im Personalbüro bei Henning Behrens, 0351/895 4205.

Das Stück "Die Drei von der Tankstelle" zeigen die Landesbühnen Sachsen das nächste Mal am 23. November um 19.30 Uhr, Kartentelefon 0351/895 4214.

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Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.11.2012

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