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Klein und fein - Tom Pauls macht aus dem Peter-Ulrich-Haus ein Theater

Klein und fein - Tom Pauls macht aus dem Peter-Ulrich-Haus ein Theater

Pirna. Nach fast drei Jahrzehnten Bühnen- und TV-Karriere hat der sächsische Schauspieler und Kabarettist Tom Pauls sein eigenes Theater.

„Mit 50 wollt’ ich’s nochmal wissen“, sagt der gebürtige Leipziger. Das Tom Pauls Theater in Pirna eingangs der Sächsischen Schweiz ist bereits die dritte Bühne, die der Mime aus der Taufe hebt. Aber die erste eigene. Dafür hat er ein Gebäude aus dem 16. Jahrhundert vor dem Verfall gerettet. Im einstigen Wohnhaus des Baumeisters Peter Ulrich (1440-1513/14) hebt sich am 11. November erstmals der Vorhang.

Zwar spielt der Impresario auch selbst auf der kleinen und feinen Bühne. „Das Programm umfasst aber Theater und Kleinkunst, Literatur, Kammermusik, Schülerkonzerte und Jazz.“ Seine Bühne soll „ein kleines kulturelles Zentrum im Elbtal“ sein. Geplant sei auch eine Familienserie. „Die in Pirna angesiedelte Komödie wird extra geschrieben.“ Vorerst aber wollen Pauls und zwei Gesellschafter der gemeinnützigen Baumeister-Theater GmbH mit seiner Kultrolle Ilse Bähnert Publikum ins historische Haus zu locken. Die Figur seiner eigene Großmutter ist eine feste Größe im Peter-Ulrich-Haus.

Für die nach der alten Dame benannte Stiftung zur Erhaltung und Pflege der sächsischen Sprache und Kultur hatte Pauls die Ruine 2008 von der Stadt gekauft. Seit 21 Monaten fungiert der von Altbauten begeisterte Künstler als Bauherr. „Das ist vielleicht das älteste und einzige Baumeisterhaus Deutschlands“, schwärmt der 52-Jährige. Das mehrfach baulich veränderte Domizil sehe nun wieder wie 1510 aus - abgesehen von moderner Technik. Mehr als früher strahlen das spätgotische Kielbogenportal, Fenster mit kunstvollen Gewänden oder die Fassade außen. Der Gang vom Keller zum Dach kommt einer Zeitreise gleich - vom Mittelalter bis ins 21. Jahrhundert.

Tickets werden künftig unter gotischem Sternengewölbe verkauft, in „Ilses Kaffeestube“ mit „ä Dässl Heeßer, ä Stückl Eierschecke und zum Schluss än Eierligöör“ typisch Sächsisches unter spätgotischer Holzdecke serviert. „Dort haben wir unter der Raufasertapete die barocke Bemalung entdeckt und restauriert.“ Die einstige Wohnetage soll für Ausstellungen genutzt werden und zeigen, wie die Menschen damals lebten. Einige Räume werden für Lesungen oder Feierlichkeiten vermietet. Ein Stockwerk darüber befinden sich der Zuschauerraum mit 180 Plätzen und die Bühne. „Der Saal war die Entdeckung“, sagt Pauls. Wozu er einst diente, ist unbekannt. „Er kann auch für Galadinner hergerichtet werden.“

3,2 Millionen Euro hat Pauls in das Ulrich-Haus investiert. Zwei Drittel des Geldes flossen aus der Städtebauförderung, 800 000 Euro sind privates Kapital. Mit einer Stifternagel-Aktion kamen 15 000 Euro zusammen. Die auf 300 Stück limitierten, 500 Jahre alten und handgeschmiedeten Nägel aus dem Haus werden für je 100 Euro verkauft. Privat und über Einnahmen muss sich auch das Theater finanzieren. „Es ist ein Wagnis“, gibt Intendant Pauls zu.

Seine Zuversicht gründet sich auf die aufblühende Stadt und das expandierende Elbtal, durch das sich ein internationale Radweg schlängle. Die Idee, wider aller Vernunft, ein Theater zu gründen, war selbst in seinem Umfeld umstritten. „Die meisten haben gesagt, Du spinnst“, erzählt der Komödiant und Verfechter der sächsische Sprache. Ein Mundarttheater werde aus dem einst baufälligen Gebäude, seiner „Hornzsche“, aber nicht. „Es ist ein Haus für die sächsische Seele.“

Simona Block, dpa

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