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Kirche in Schmiedeberg erinnert an Baumeister George Bähr

Kirchenjubiläum Kirche in Schmiedeberg erinnert an Baumeister George Bähr

Das, worauf es ankommt, hat George Bähr in dieser Kirche alles auf eine Linie gebracht. Am 22. Mai wird die Kirche zur Heiligen Dreieinigkeit in Schmiedeberg 300. Jahre alt. Zum 350. Geburtstag des Architekten erinnert die Kirche an George Bähr.

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„Das ist Stein gewordene Theologie“, sagt Pfarrer Johannes Lorenz von der Kirche zur Heiligen Dreieinigkeit in Schmiedeberg.

Quelle: Tomas Gärtner

Schmiedeberg. Das, worauf es ankommt, hat George Bähr in dieser Kirche alles auf eine Linie gebracht. Johannes Lorenz verlässt den Platz vor dem Altar, geht ein Stück Richtung Eingang, wendet sich um, in dieselbe Richtung wie seine Zuhörer, und zeichnet mit beiden Händen die Sichtachse nach: „Das Taufbecken mit den Engeln, auf dessen Deckel das Lesepult – da liegt die Bibel drauf, wenn der Lektor Gottes Wort vorträgt – dahinter der Altar, sehr konzentriert, er führt unsern Blick hinauf zur Kanzel; über ihr die Taube als Symbol des Heiligen Geistes; ganz oben die Orgel und am höchsten Punkt das dreimal ‚Heilig’.“

Es ist eine logische, in diesem Fall, theologische, Aufeinanderfolge der Einrichtungsgegenstände, die auf einen Zusammenhang hinweist: Taufe – Wort Gottes – Predigt – Musik – Heiliger Geist. Johannes Lorenz kennt die Kirche zur Heiligen Dreieinigkeit im osterzgebirgischen Schmiedeberg bestens; seit 26 Jahren ist der 54-Jährige hier Pfarrer. In diesem Jahr, zu Trinitatis am 22. Mai, wird sie 300 Jahre alt. Was ihr besondere Bedeutung verleiht: Sie ist jene, in der Bähr seine Architekturvorstellungen, Jahre vor der Dresdner Frauenkirche, zum ersten Mal realisieren konnte. Ein für Sachsen damals, im 18. Jahrhundert, völlig neuer Stil. Zuvor waren Kirchen langgestreckte Gebäude, in der Romanik und Gotik oft mit einem abgetrennten Chorraum um den Altar für die Geistlichen.

Die Schmiedeberger Kirche ist durchdacht bis in den letzten Winkel. Ihrem Bauplan liegen Hauptprinzipien der lutherischen Reformation zu Grunde. „Das ist Stein gewordene Theologie“, sagt Pfarrer Lorenz. Was seine Zuhörer nicht sehen können: Der Grundriss der Kirche bildet ein leicht gestrecktes griechisches Kreuz. „Unter dem sollte sich die Gemeinde versammeln.“

Er legt den Kopf in den Nacken und deutet nach oben: An der Decke erkennt man ein himmelblaues, strahlenumkränztes Dreieck, darauf hebräische Schriftzeichen - der Gottesname. Die Heilige Dreieinigkeit, symbolisiert im gleichseitigen Dreieck, finde man selbst außen - in den Maßverhältnissen der Fassade, erläutert der Pfarrer. Er lässt seinen Zeigefinger über ein Blatt wandern, auf dem das für den Besucher skizziert ist.

Im vergangenen Jahr ist die Innensanierung abgeschlossen worden. Die Kirche habe dabei wieder den original grün-weißen Farbton – erinnernd an die Farben des Kurfürstentums – und damit einen „luftigen, barocken Charakter“ erhalten, erzählt Johannes Lorenz. Seither steigt er zum Predigen regelmäßig auf die Kanzel im Altar. „Durch die geknickten Bankreihen bekomme ich den Eindruck, wir sind mehr miteinander verbunden, als wenn die Gemeinde mir frontal gegenüber säße.“

Auch dies ist kein Zufall: Sinngehalt und Ordnung des lutherischen Gottesdienstes bestimmten die Gestalt der kreuzförmigen Zenralbauten, wie der Kunsthistoriker Hartmut Mai festgestellt hat. Die einstige Trennung von Chor und Kirchenschiff ist aufgehoben. Die Kanzel erhält eine herausragende Stellung in protestantischen Kirchen. „Denn das Allervornehmste / das darinnen geschiehet / das ist das Predigen“, betonte 1718 der Bautheoretiker Leonhard Christoph Sturm (1669-1719).

Der ebenmäßig geordnete Innenraum besitzt symbolische Bedeutung, wie es schon 1716 der Schmiedeberger Pfarrer Daniel Friedrich Schwarzenberg (1675-1720) in seiner Predigt deutete: „Die Symmetrie weist auf die in den Gnadenmitteln gesetzte Heilsordnung hin und mahnt zu einem nach dem Wort Gottes geordneten Leben“.

„Bähr ging es vor allem um die Gemeinde als zusammenhängende Größe“, erläutert der Kunsthistoriker Heinrich Magirius. „Darum, dass sich Frauen und Männer so um den Altar gruppieren, dass sie den Prediger gut hören und sehen konnten.“ Zudem habe er den Altar - beispielsweise durch kleine Aufsätze und eine eigene Apsis - stark betont.

In Schmiedeberg hat George Bähr das erste Meisterstück seiner theologisch fundierten Architektur hinterlassen. Ihr folgte er danach bei den Kirchbauten im heute in Polen gelegenen Biecz (Beitzsch) und im erzgebirgischen Forchheim. Beteiligt war er auch an Neubauten oder Umbauten in Königstein, Kesselsdorf, Hohnstein und Schmannewitz. Berühmt indes wurde er durch Dresdens Wahrzeichen. „Doch die Frauenkirche“, betont Heinrich Magirius, „ist ohne die Vorbereitung durch diese kleineren Kirchen nicht zu verstehen“. Die Kirchgebäude und Profanbauten, die Bähr konzipierte, sind bis heute seine einzige Hinterlassenschaft. Gedenkstätten und Museen sind zu seinem 350. Geburtstag am 15. März in großer Verlegenheit, wollen Besucher andere Lebenszeugnisse des Architekten sehen. So geht es auch der 72-jährigen Luise Sommerschuh. Mit einer Handvoll Mitgliedern des Kulturvereins hat sie seit 1986 in Bährs Geburtsort Fürstenwalde im Osterzgebirge geforscht. Doch weder Lebenszeugnisse noch Briefe sind von dem bedeutenden Ratszimmermeister überliefert, nicht einmal ein Porträt.

So bleibt ihnen in ihrem „Gedenkstübel“ in der ehemaligen „Hammerschänke“ nur, mit Fotos und Modellen vor allem auf die Frauenkirche zu verweisen. „Wahrscheinlich“, mutmaßt Luise Sommerschuh, „hat er nur gearbeitet und an sich selbst kaum gedacht“.

(Hinweis)

Beitrag zu George Bähr auch am Montag, 14. März, auf der Seite Heimatgeschichte

Von Tomas Gärtner

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