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Keine Ruhe für die Skalpe - Karl-May-Museum in Radebeul bemüht sich um Normalität

Keine Ruhe für die Skalpe - Karl-May-Museum in Radebeul bemüht sich um Normalität

Der eine oder andere Leser der New York Times hat wahrscheinlich erst einmal bei Google Maps nachschauen müssen, wo dieses "Radebeul, Germany" eigentlich liegt.

Radebeul.

Großformatig hatte das US-amerikanische Traditionsblatt kürzlich über die Skalpe aus dem Bestand des Karl-May-Museums berichtet, um die bereits vor einem halben Jahr eine deutschlandweite Diskussion entbrannt war (DNN berichteten). Damit ist das Thema, das hier eigentlich schon als erledigt galt, wieder neu aufgerollt worden und es ging erneut um die Forderung des indianischen Rückführungsbeauftragten Cecil Pavlat, einen Skalp der Radebeuler Sammlung an den Stamm der Ojibwa zu übergeben.

In Radebeul indes deutet nichts auf das internationale Interesse hin. In der Karl-May-Straße hält ein lebensgroßer Modell-Indianer Ausschau nach Besuchern. Und die kommen auch. Nicht mehr oder weniger als sonst, sagt der Kustos der Sammlung, Hans Grunert. Er hatte schon gedacht, dass endlich wieder Ruhe eingekehrt wäre, denn eigentlich sei im Juni bereits alles gesagt gewesen. "Wir haben gemeinsam mit Cecil Pavlat einen 'Letter of Understanding' unterzeichnet und eine Klärung der Herkunft des betreffenden Skalpes vereinbart. Wir stehen mittlerweile in freundlichem Kontakt."

Sensible, heilige Objekte

Der Skalp wurde angeblich von Patty Frank, dem Gründer der Sammlung, 1904 in einem Reservat für 1100 Dollar und drei Flaschen Hochprozentigen erworben. Doch ob das wirklich so stattgefunden hat, ist nicht eindeutig festzustellen, da Franks Berichte darüber widersprüchlich seien, sagt Hans Grunert. Das haben neue Beschäftigungen mit dem Thema ergeben. Die Untersuchung von Schriftstücken ist nur ein Teil der möglichen Formen einer Herkunftsanalyse. Momentan arbeiten das Museum und Cecil Pavlat an der Erstellung eines Terminplans, der bis zum Monatsende fertig sein und die künftig anzugehenden Aktivitäten auflisten soll. Bereits jetzt zeigt sich für Hans Grunert, dass die Herkunftserforschung im Falle eines Skalpes nicht leicht werden wird. Das beginne schon bei der Finanzierung, für die es keine zuständige Stelle gibt: "Provenienzforschung betrifft meist nur Fälle aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges."

Die Erforschung der Zugehörigkeit eines Skalpes zu einem bestimmten Stamm ist hingegen ein Novum. Und auch bei möglichen künftigen DNA-Untersuchungen werden sehr unterschiedliche Welten aufeinanderprallen, vermutet der Kustos. "Es handelt sich für die Indianer um sensible Objekte." Die Skalpe seien Teil ihrer Kultur und Religion und so mit einer besonderen Bedeutung aufgeladene heilige Objekte.

Bei einer Entnahme von Haar- und Gewebeproben für die DNA-Analyse würden die Skalpe teilweise zerstört, was natürlich auch nicht im Interesse des Kustos liegt, der sich als Bewahrer der Sammlung versteht. Zudem sei unklar, ob ein Nachweis heute überhaupt noch möglich ist und ob die Ojibwa bereit wären, Vergleichsproben ihrer DNA zu liefern. Bevor konkrete Untersuchungen beginnen können, werden beide Seiten zunächst herausfinden müssen, welche Forschungsmethoden zielführend und im Sinne aller Beteiligten sind. Das dürfte noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Wunsch nach Ruhe

Für die nahe Zukunft wünscht sich Museumskustos Hans Grunert erst einmal, dass es wieder etwas ruhiger wird um die Skalpe, die er schon im April aus der Ausstellung entfernt hat. "Wir als Museum möchten, dass diese Sache nicht immer wieder als Sensation hochgekocht wird. Das ist weder den Indianern noch dem Museum gegenüber gerecht."

In der Villa Bärenfett läuft derweil der normale Museumsbetrieb unbeirrt weiter. Derzeit sind viele Ferienkinder mit ihren Eltern oder Großeltern da. Die Jungen und Mädchen flitzen aufgeregt mit dem Fragebogen des Familienrätsels durch die Sammlung. Neben originalen Kleidungsstücken, Waffen und Jagdtrophäen der Indianer können sie auch einige Skalpe sehen. Bei diesen Stücken handelt es sich allerdings nur um Attrappen. Auf einem Schild neben einem Tomahawk ist vermerkt: "Der ursprünglich anhängende Europäerskalp wurde durch eine Imitation ersetzt."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.08.2014

Sophie Arlet

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