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Keine Rettung für Berufsausbildungszentrum Freital

Endgültiges Aus 25 Jahre nach der Gründung Keine Rettung für Berufsausbildungszentrum Freital

Am 30. April wird das Berufsausbildungszentrum Freital (BAZ) – 25 Jahre nach seiner Gründung – endgültig vom Markt verschwunden sein. Am 1. März 2016 hatte der gleichnamige Trägerverein Insolvenz anmelden müssen, weil er seine Rechnungen nicht mehr bezahlen konnte. Alle Versuche zur Rettung sind gescheitert. Das erklärte der zuständige Insolvenzverwalter Gunter Tarkotta auf DNN-Anfrage. Die alte Feilenfabrik, die der Verein nach der Wende erworben hatte, wird wohl verkauft, um die Schulden zu bezahlen.

Der Trägerverein des Berufsausbildungszentrums Freital hatte die alte Feilenfabrik in Freital erworben und dort ideale Bedingungen für die Aus- und Weiterbildung geschaffen. 25 Jahre nach seiner Gründung 1991 ist der Verein pleite, das Zentrum schließt am 30. April.

Quelle: cms

Dresden/Freital. Das Berufsausbildungszentrum Freital (BAZ) wird am 30. April – 25 Jahre nach seiner Gründung – endgültig vom Markt verschwunden sein. Am 1. März 2016 hatte der gleichnamige Trägerverein Insolvenz anmelden müssen, weil er seine Rechnungen nicht mehr bezahlen konnte. Nun, zwei Monate später steht fest: alle Rettungsversuche sind gescheitert. Das erklärte der zuständige Insolvenzverwalter Gunter Tarkotta auf DNN-Anfrage. Der Verein stellt nun die Arbeit ein, die aufwendig restaurierte Feilenfabrik, die er nach der Wende erworben hatte, wird wohl verkauft, um die Gläubiger zu bedienen.

Dabei waren die Pädagogen 1991 mit einem soliden Konzept gestartet. Der Freitaler Verein hatte sich in dem historischen Industriegebäude mit Werkstätten, Hallen und Außengelände ein ideales Umfeld geschaffen, um Ausbildung und Umschulung in den Bereichen Ernährung und Hauswirtschaft, Bau, Holz, Garten- und Landschaftsbau sowie Farb- und Raumgestaltung und Metalltechnik anzubieten.Sie widmeten sich auch geistig Behinderten oder Lernschwachen, später ebenso Erwachsenen, die am Arbeitsmarkt benachteiligt sind. In seinen Hochzeiten beschäftigte das BAZ Freital 45 Mitarbeiter und bildete 250 junge Leute aus.

Damals gab es – im Gegensatz zu heute – deutlich mehr Schulabsolventen als Lehrstellen. Viele junge Leute brauchten eine außerbetriebliche Ausbildung. Zudem finanzierten die Arbeitsagenturen kurz nach der Wende Umschulungen für junge Erwachsene in Größenordnungen. Der Bildungsträgermarkt war ein absoluter Boom-Markt und blieb es, bis die Hartz-Reformen zum Fördern das Fordern erfanden, das Gießkannenprinzip bei der Mittelverteilung beerdigten, und nur noch ausbilden ließen, was Unternehmen brauchten. Der Verein blieb im Geschäft, arbeitete eng mit den Agenturen für Arbeit und später den Jobcentern in Pirna und Freital zusammen. Haupt-Fördermittelgeber für die Vielzahl an Projekten waren der Bund, die Sächsische Aufbaubank und der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.

Das Problem, das dem Verein heute das Genick bricht, kam mit Ansage. Es heißt Geburtenknick und hat zur Folge, dass seit einigen Jahren die Zahl der Ausbildungsplätze die der Schulabgänger deutlich übersteigt. Was natürlich auch die Nachfrage nach außerbetrieblicher Ausbildung in den Keller rutschen ließ. Intensive Versuche des BAZ, sich in anderen Geschäftsfeldern wie Sozialarbeit und Schulsozialarbeit zu tummeln, waren nicht von großem Erfolg gekrönt – hier hatten sich längst andere Träger etabliert. Nach 2008, so Insolvenzverwalter Tarkotta, brachen dem Verein die Umsätze weg – in vier Jahren zu etwa zwei Dritteln.

Eine letzte rettende Idee des BAZ, ein soziokulturelles Zentrum zu gründen, in dem Bürger und Vereine arbeiten, und zudem Räume für Feste und Veranstaltungen vermieten, war von der Stadt Freital anfangs begrüßt worden. Sie beantragte Fördermittel und wollte in die Co-Finanzierung einsteigen. Doch 2015 stieg die Kommune wegen dringenderer Themen aus.

Schlussakkord. Um die Kosten zu senken, hatte der Verein zuletzt nur noch elf Mitarbeiter. Doch da waren ja auch noch die Summen, die allein für den Betrieb der alten Fabrik und den Kaufkredit aufliefen. Zwar konnten einige Areale vermietet werden – zum Beispiel an die Volkshochschule und an die Förderschule für geistig Behinderte – doch die Einnahmen deckten den Aufwand nicht mehr. Umschuldungsverhandlungen mit der Bank blieben erfolglos, die Neuakquise für Bildungsprojekte war mager – im Februar 2016 zeichnete sich die Pleite klar ab. Vereinsvorstand Ralf Möser meldete am 1. März am Dresdner Amtsgericht Insolvenz an.

Wenn an diesem Sonnabend das BAZ seine Arbeit komplett einstellt, sind nach Auskunft von Anwalt Tarkotta immerhin einige der laufenden Projekte gerettet – oder so gut wie. Das Projekt Schulsozialarbeit wandert mitsamt der zuständigen Mitarbeiterin zum Kinderschutzbund Kreisverband Sächsische Schweiz Osterzgebirge. Das Familienzentrum Regenbogen eV Freital hat sich um das Projekt Kompetenzagentur „Jugend Stärken im Quartier“ beworben und wird ebenfalls zwei BAZ-Mitarbeiter übernehmen. Das tut auch die bam GmbH Meißen, die in die begleitete berufliche Ausbildung und Berufsvorbereitungsjahr einsteigt.

Offen ist, was mit den Fördermitteln wird, die der Verein vom Freistaat Sachsen für den Ausbau der Immobilie, erhalten hat. Je nach Auslegung der Zuwendungsklauseln, die eine zweckgebundene Nutzung für die nächsten 20 bzw. 25 Jahre vorsahen, könnten da noch einige Hunderttausend Euro fällig werden. Doch darüber hat das Land noch nicht entschieden

Von Barbara Stock

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