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Kein Flugverbot über dem Nationalpark Sächsische Schweiz

Kein Flugverbot über dem Nationalpark Sächsische Schweiz

Den 21. August vergangenen Jahres vergisst Roland Döring nicht so schnell. Da kam ein Kampfjet über Ulbersdorf angedonnert. "Der Geräuschpegel war unbeschreiblich", schildert er, als die Kampfmaschine sich in Richtung Nationalpark bewegte.

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Militärisches Fluggerät steht in der Sächsischen Schweiz in der Kritik.

Quelle: Arno Burgi/dpa; Montage: Alex Eylert

Bad Schandau. Der Jet flog sehr tief. "Er war zum Greifen nah. Wollen die uns an Kriegsbedingungen gewöhnen?", fragt Döring. "Diese Tiefe ist nicht hinnehmbar", meint er und hat sich bei der Bundeswehr beschwert.

Mit den Tiefflügen hat auch der Nationalpark Sächsische Schweiz seine Probleme. So übte ein Bundeswehrrettungshubschrauber im Basteigebiet. "Rund zwei Stunden lang flog er hoch und runter, setzte mit dem Rettungsseil etwas ab und hob es wieder auf", erinnert sich Andreas Knaak von der Nationalparkverwaltung. Die Geräuschkulisse war ohrenbetäubend. Der Naturschützer macht sich vor allem Sorgen um seltene Tiere in der Nationalparkregion wie Wanderfalke, Schwarzstorch und Uhu. Sie reagieren sehr empfindlich auf Störungen. Wenn sie in Panik geraten, geben sie ihr Gelege auf. In den vergangenen Jahren haben die Mitarbeiter des Nationalparks wiederholt Brutverluste beobachtet. Ob dafür die Übungen der Bundeswehr ursächlich in Frage kommen, ist nicht erwiesen. Um Störungen zu vermeiden, "müssen sie nicht in der Brutzeit über den Nationalpark fliegen", meint Knaak.

Auf Einladung des CDU-Bundestagsabgeordneten Klaus Brähmig sind gestern drei Vertreter des Bundesverteidigungsministeriums in die Sächsische Schweiz gekommen. In Bad Schandau standen sie Bürgermeistern und Unternehmern der Tourismusbranche Rede und Antwort. "Mit den Tiefflügen wollen wir die Bevölkerung nicht an Kriegsbedingungen gewöhnen. Sondern wir möchten die Flugbesatzungen für ihre Einsätze schulen", stellte Oberst Joachim Vergin klar. Und irgendwo müssten die Flugstreitkräfte auch üben.

Aber warum gerade in der Sächsischen Schweiz? Generell muss werktags zwischen 7 und 17 Uhr bundesweit mit Tiefflügen gerechnet werden. Wie Oberstleutnant Daniel Draken berichtete, gibt es prinzipiell nur drei Ausnahmen: Großstädte über 100 000 Einwohner, Flugplatzkontrollzonen sowie Kernkraftwerke bzw. bestimmte Industrieanlagen. Ein Tiefflugverbot über Nationalparks besteht nicht.

Das Elbtal und die Sächsische Schweiz sind zum einen wegen der Topographie für militärische Übungen interessant. Die Piloten müssen laut Draken das Fliegen im Geländeschatten beherrschen, um sich bei Einsätzen in Krisengebieten vor einer Bedrohung zu schützen. Zum anderen sind die Flugkorridore zwischen Erzgebirge und Lausitz begrenzt. Dresden ist für Tiefflieger wegen des Flughafens tabu. "In die Kontrollzone darf man nicht einfliegen, außer man möchte landen", teilte Major Sascha Greuel mit. Im Süden grenzt die Tschechische Republik an. Um zwischenstaatliche Irritationen zu vermeiden, sollten Militärflugzeuge nicht so dicht an der Grenze fliegen. So bleibt laut Greuel nur der Weg über die Sächsische Schweiz. Hier gab es 2014 im Schnitt bis zu 15 Flugbewegungen auf den Quadratkilometer im Jahr.

Zur Reduzierung des Fluglärms hat die Bundeswehr in den vergangenen Jahren einiges unternommen. "Noch Ende der 1980er Jahre waren Tiefflüge in 150 Meter und sogar 75 Meter erlaubt", berichtete Vergin. Und dies ohne zeitliches Limit. Heute beträgt die Mindestflughöhe für Kampf- und Transportflugzeuge 300 Meter über Grund. Nur im genehmigten Ausnahmefall darf die Flughöhe auf 150 Meter unterschritten werden. "Auf 500 Fuß darf ein Flugfahrzeug maximal 20 Minuten fliegen", so Vergin. Die Tiefflugzeit ist begrenzt. Für Helikopter gelten andere Bestimmungen. Ein Hubschrauber darf bis zur Flughöhe zehn Fuß bzw. drei Meter fliegen. Vergin bat die Nationalparkverwaltung um eine Liste, an welchen Felsen mit einem Hubschrauber ohne Probleme wann und wo geübt werden kann.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.03.2015

Silvio Kuhnert

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