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Karpfenfrühstück in Moritzburg

Karpfenfrühstück in Moritzburg

Matt schimmert die Sonne durch dünne Wolken und lässt den Schlamm des fast komplett abgelassenen Moritzburger Schlossteiches silbern glitzern. Das Barockschloss erstrahlt in warmem Ocker.

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Volle Netze vor malerischer Kulisse: Das Wald- und Fischfest lockte rund 30 000 Besucher nach Moritzburg, auf den Straßen rund um den Ort ging fast nichts mehr.

Moritzburg. Die Fischwirte der Teichwirtschaft Moritzburg steigen mit ihren Wathosen in den Tümpel. An der tiefsten Stelle steht noch Wasser, dort haben sich die Fische gesammelt.

Reihern scheint der Braten nicht geheuer, sie schauen erst aus der Ferne dem Treiben zu und wechseln schließlich auf die andere Schlossseite. Die Fischer spannen ein Netz und sind bereit für den ersten Fischzug am Sonntagmorgen pünktlich um 9 Uhr. Etwa 30 Frühaufsteher lassen sich das Spektakel nicht entgehen. "Wir holen rund 17 Tonnen Karpfen aus dem Schlossteich", sagt Henry Lindner, einer der Chefs der Teichwirtschaft Moritzburg. "Dazu noch Hechte, Schleie und Welse."

Auch ein Aal ist zwischen den Fischen auszumachen. Lindners Mitarbeiter haben inzwischen das Netz in Richtung Ufer gezogen. Mit einem Kescher wird die zappelnde Ernte in ein anderes Netz befördert, das an einem Kranhaken hängt. Der Kran hebt die lebende Fracht an Land auf eine Sortieranlage "Marke Eigenbau" aus DDR-Zeiten, auf der einige inzwischen aus dem Teich gekletterte Mitarbeiter die Fische nach Größe und Art trennen und in Frischwasserbehälter werfen.

An den Verkaufsständen direkt nebenan haben sich inzwischen erste Feinschmecker eingefunden, die fangfrischen Fisch kaufen wollen. Die gerade eben erst aus dem Teich geholten Fische gibt es freilich nicht, die müssen erst zwei bis drei Wochen in klarem Wasser schwimmen, damit sie nicht nach Schlamm und Moder schmecken. Alle Fische für den Verkauf sind bereits ausgiebig gewässert und werden frisch geschlachtet. 5,90 Euro kostet das Kilo Moritzburger Karpfen derzeit.

Lindner ist zuversichtlich, dass er die erwarteten 150 Tonnen aus insgesamt 24 Teichen seines Unternehmens bis April verkaufen kann. Das Fischjahr bezeichnet er als durchschnittlich. Mit Krankheiten oder Sauerstoffmangel in den flachen Teichen hatten die Fischer in diesem Sommer zwar nicht zu kämpfen. Allerdings macht der Kormoran zunehmend Probleme, beklagt Lindner. Im Mittel-, im Frauen- und im Sophienteich haben sich die gefräßigen Vögel fast die Hälfte der Fische geholt. Vor allem im Frühjahr ziehen Kormorane durch, rasten zu Hunderten und fressen die dann gerade frisch in die Teiche gesetzten Karpfen. Im Herbst auf ihrem Rückweg machten die Komorane dann Jagd auf junge Schleie und Hechte.

"Damit fehlen uns Besatzfische fürs nächste Jahr", sagt Lindner. Fische bis zu einem Gewicht von 500 Gramm könne ein Kormoran problemlos verschlingen. Im Vogelschutzgebiet ist der Teichwirt nahezu machtlos gegen die Plage, darf die Vögel noch nicht einmal mit einfachen Mitteln vergrämen.

90 Prozent ihres Umsatzes macht die Teichwirtschaft Moritzburg mit Karpfen, diese werden als zweijährige Setzlinge mit einem Gewicht von einem Pfund zugekauft und mit Weizen in den Teichen bis zu einem Schlachtgewicht von anderthalb bis zwei Kilogramm gemästet. Die amtierende Fischkönigin Sandra Gössel mag Karpfen am liebsten als gebackenes Filet, verrät die Hobbyanglerin aus dem ostsächsischen Schmiedeberg. Sächsischer Karpfen sei ein reines Naturprodukt, nachhaltig erzeugt und gesund, wirbt die Expertin für den heimischen Speisefisch.

Gleich nebenan dürfen sich Besucher selbst überzeugen und in Bierteig gebackenen Karpfen mit Kartoffelsalat für 5,50 Euro probieren - und viele können dem Duft bereits zur Frühstückszeit nicht widerstehen. Traditioneller Karpfen passt auch in die moderne Küche, grätenlose Filets sind in 20 Minuten zubereitet.

Das Areal am Schloss verwandelt sich im Laufe des Vormittags in einen regelrechten Jahrmarkt mit Verkaufsbuden, Riesenrad und historischem Kinderkarussell auf der Schlossterrasse. Auf dem Parkplatz präsentieren sich Sachsenfrost, das Wildgehege, mehrere Pilzberater und ein Holzbildhauer. Die IG Friedewald bietet Nistkästen gegen eine Spende an. Nebenan gibt es regionale Kulinarik aus verschiedenen Hofläden. Auffällig viele junge Leute und Familien mit Kindern flanieren zwischen Verkaufsbuden und Teichen.

Der zweite Fischzug um 11 Uhr hat schon bedeutend mehr Neugierige angelockt. Wer es jetzt noch nicht bis Moritzburg geschafft hat, braucht Geduld. Der Rückstau aus Richtung Dresden reicht am Mittag bis nach Boxdorf, die Pendelbusse zu den Sonderparkplätzen sind gut gefüllt. Siegfried Ickert tritt mit seinem Patenkind unterdessen schon den Rückzug an. Der Dresdner gehörte zu den Frühaufstehern. "Um dem Trubel zu entgehen", wie er sagt. Der Fischzug wecke bei ihm Kindheitserinnerungen. "Und wo kommt man diesem Handwerk sonst schon einmal so nah", ergänzt er.

Für Henry Lindner von der Teichwirtschaft ist das alljährliche Fest eine wichtige Marketingaktion für sächsischen Fisch. Zugleich präsentiere sich der Betrieb so, wie er tatsächlich das ganze Jahr über arbeitet. Auch die Fischzüge in Moritzburg liefen nicht anders ab als die viele Fischzüge an den anderen Teichen, bei denen keine Zuschauer dabei sind, betont er. Lediglich die Pausen - immerhin etwa 90 Minuten zwischen den Fischzügen - seien im Alltag natürlich kürzer. "Da holen wir die Fische hintereinander weg aus dem Wasser." Nach Veranstalterangaben waren am Wochenende etwa 30 000 Besucher zum Moritzburger Fisch- und Waldfest gekommen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.10.2014

Lars Müller

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