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Jürgen Schieferdecker zeigt in Meißen Arbeiten aus gut 40 Jahren

Jürgen Schieferdecker zeigt in Meißen Arbeiten aus gut 40 Jahren

Die aktuelle Ausstellung Jürgen Schieferdeckers (Jg. 1937) bietet auf kleinem Raum einen mit Bedacht ausgesuchten Einblick in Stationen eines vielfältigen, wiederholt mit Preisen gewürdigten grafischen Schaffens.

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Jürgen Schieferdecker: z.B. Trude, Collage, 2012.

Quelle: Schieferdecker

Meißen. Die aktuelle Ausstellung Jürgen Schieferdeckers (Jg. 1937) bietet auf kleinem Raum einen mit Bedacht ausgesuchten Einblick in Stationen eines vielfältigen, wiederholt mit Preisen gewürdigten grafischen Schaffens. Offsetlithografie in Schwarz/Weiß und klassischer Holzschnitt gehören ebenso dazu wie Farboffset- und Farbsiebdruck, aktuell Digitaldruck, zudem die Kombination grafischer Techniken miteinander sowie mit Fotografie, Collage und Montage.

Eine Art Tour d' Horizon

Allerdings geht es Schieferdecker nicht vorrangig um die spielerische Auslotung der unterschiedlichsten Mittel und Techniken, sondern um ihre bestmögliche Nutzung im Sinne einer inhaltlichen Aussage. Dem entspricht auch das Motto seiner Präsentation im Kunstverein Meißen: "Um Kopf und Kragen". Die Arbeiten der Schau verweisen auf (s)ein Leben und (s)eine Zeit, umfassen rund 40 Schaffensjahre. Es ist eine Art Tour d' Horizon, die beginnend mit "My Cape of good Hope" (1976/77) sowie kurz darauf entstandenen "Mönchguter Landschaften" (1978/79) den Bogen bis zu den aktuellen Collagen "JS komplementär verrückt" bzw. "JS spektral verrückt" (beides 2015) spannt.

Unübersehbar ist in der Ausstellung die Frage nach der Existenz, der eigenen und der naher Menschen. Beispielhaft dafür ist unter anderem die Folge "Vom Tode" (2007/08), aber auch das berührende Blatt "Krista kommt nicht wieder" (2012). 1986 war bereits der bewegende Holzschnitt zum "Tod der Mutter" entstanden. Auch die wiederholte Beschäftigung mit der Familiengeschichte gehört in dieses Spektrum. Ein aktuelles Beispiel ist die im Stile eines alten Familienfotos gearbeitete Collage "Familie Monumental - Na ja" (2015), Teil einer gleichnamigen Serie.

Verrücktes, Weltpolitisches

Zugleich thematisiert Schieferdecker eigene Befindlichkeit, so in den bereits genannten Werken "JS komplementär verrückt" sowie "JS spektral verrückt". In diesen sieht der Künstler sich vor dem Hintergrund der Zeitgeschichte, die für ihn wohl Elemente zum "Verrücktwerden" zeitigt. In den Arbeiten verbindet er - etwa Bezug nehmend auf Griechenland - Weltpolitisches mit den mehrfach bildlich verrückten, das heißt sich überlagernden, Selbstbildnissen.

Auch andere "große" Themen werden seit Beginn des grafischen Schaffens auf der Basis individuellen Erlebens berührt. So verleiht er in den "Mönchguter Landschaften" typischen Motiven wie einem alten Salzhaus gezielt die Ausstrahlung eines eindrucksvollen Monuments, das zu einer "Welt" gehört, die es zu bewahren gilt. Was damals - unter den Bedingungen der DDR - Schieferdecker veranlasste, sich für die Bewahrung der Schöpfung, gegen Umweltzerstörung, per Grafik zu engagieren, hat bis heute Aktualität.

Erinnerung an Dresden-Debatten

Mit anderen Arbeiten meldet sich der Architekt Jürgen Schieferdecker zu Wort, erinnert an frühere Debatten zur baulichen Gestaltung Dresdens ("Wünsch Dir was", 1985). Aus heutiger Perspektive wird das Erreichte sichtbar - die wieder hergestellte Silhouette der Stadt, in der die Frauenkirche konstituierend ist. Zugleich spricht der Künstler neue Gefahren an ("Damoklesschwert", 2013).

Wie das lapidare Foto eines Gerümpelhaufens, der von einem Auszug blieb, zum Sinnbild für manche unerfreuliche Entwicklung nach1989 werden kann, zeigen "Docu east" (2014) sowie "Exodus" und "raus" (beide 2013). Deutlicher noch ist die "Asoziale Plastik 'Opferstock'". Letzterer ist eine Blechbüchse, auf der "for Ossis" zu lesen ist. Die Autorin erinnert diese Arbeit an das Ungleichgewicht der beiden Beteiligten der Wiedervereinigung, die eher einer Vereinnahmung glich. Demgegenüber hängt allerdings zu Recht die sarkastische Montage "Schwerverdauliche Suppe" (2014), in der Sowjet- und DDR-Symbolik "verkocht" sind. Sie ist eine deftige Erinnerung an die tieferen Wurzeln der notwendigen Wandlungen von 1989/90.

Kunst betrachtet Zeitgeschehen

Jürgen Schieferdecker, für den die Verantwortungsethik Ernst Blochs wichtige Orientierung ist, scheut sich keineswegs, mit seiner Kunst Zeitgeschehen zu hinterfragen. Das machte und macht nicht jeder - auch, weil es, mal mehr, mal weniger, "um Kopf und Kragen" geht.

bis 7. November, Kunstverein Meißen e.V., Markt 9, Bennohaus, geöffnet Di-Fr 11-17, Sa 10-15 Uhr

www.kunstverein-meissen.de

von Lisa Werner-Art

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