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Johanniter laden zum Themenabend über Trauer ein

Ambulanter Hospizdienst Johanniter laden zum Themenabend über Trauer ein

Welche Gefühle oder Verhaltensweisen sind im Trauerfall „normal“? Wie lange dauert ein Trauerprozess? und Was kann helfen, wieder in das eigene Leben zurückzufinden? - auf diese und andere Fragen möchten die Trauerbegleiter des Ambulanten Hospizdienstes der Johanniter mit Interessierten bei einem Themenabend Antworten finden.

Martina Crämer-Nann bietet Themenabende, das Trauercafé, Hilfe und Beratungen für Trauernde im Johanniter-Zentrum Dohna/Heidenau an.

Quelle: Silvio Kuhnert

Dohna/Heidenau. Können Rituale bei der Verarbeitung eines schweren Verlusts helfen? Auf diese und andere Fragen über Trauer sucht und gibt Martina Crämer-Nann, Koordinatorin des Ambulanten Hospizdienstes der Johanniter, Antworten. Im Vorfeld eines Themenabends sprach sie mit den DNN.

Frage: Im menschlichen Leben gibt es eine objektive Gewissheit, dass wir alle sterben werden. Warum haben wir dennoch das Gefühl, in ein tiefes Loch zu fallen oder dass es einen den Boden unter den Füßen wegzieht, wenn ein geliebter Mensch für immer von uns geht?

Martina Crämer-Nann: Dieses Loch ist je nach dem Umstand des Todes sehr groß. Wenn jemand zum Beispiel ganz plötzlich verstirbt oder gar unter tragischen Umständen, gab es keine Zeit sich darauf vorzubereiten. Wer mit der letzendlichen Gewissheit des nahen Todes schon lebt, wer sie etwa aufgrund einer schweren Erkrankung immer präsent hat, fällt zwar auch, aber das Loch ist dann nicht so tief. Man kann sich ein bisschen darauf vorbereiten. Es ist Teil unserer Arbeit, dass wir Menschen im Vorfeld des Todes zu Hause, in ihrem Umfeld oder in einem Pflegeheim mit unseren ehrenamtlichen Helfern begleiten. Wir versuchen, ihnen die Angst etwas zu nehmen. Sterben ist Teil des Lebens. Mit dem Tod verliert man einen geliebten Menschen und damit ein Stück seines eigenen Lebens. Natürlich zieht es uns deshalb den Boden unter den Füßen weg. Um diesen Boden wieder zu finden, bieten wir den Trauernden Unterstützung an.

In der kommenden Woche laden Sie zu einem Themenabend über Trauer ein. Kann man das Trauern lernen?

An dem Abend wollen wir uns dem Thema annähern. Man kann das Trauern lernen. Es ist ein langer Prozess. Wichtig ist die Offenheit, alles, was damit verbunden ist, anzunehmen. Man kann lernen, mit Trauer umzugehen, Strategien und Wege zu finden, die Trauer in das eigene Leben zu integrieren, um gestärkt und anders daraus hervorzugehen. Es ist ein Lernprozess.

Früher wurden die Toten vor der Beerdigung im Bett oder im Sarg aufgebahrt und die Angehörigen hielten Totenwache. Dies ist heute nicht mehr sehr verbreitet. In anderen Kulturen wird der Tote noch einmal gewaschen, um ihm ein letztes Mal ganz nah zu sein. Fehlen uns in der heutigen Zeit Rituale des Abschiednehmens? Und können sie bei der Trauer und der Bewältigung des Verlustes eines geliebten Menschen helfen?

Ja! Es gibt diese Beispiele noch, leider zu wenig. Sie helfen auf jeden Fall. Ich habe schon mit Angehörigen zusammen den Toten gewaschen, bevor das Beerdigungsinstitut kam. Für die Hinterbliebenen ist es oft mit einer Überwindung verbunden. Wir bieten es an. Es muss nicht jeder machen. Aber diejenigen, die das Angebot angenommen haben, berichteten nachher, dass es ihnen ganz wichtig war, in dieser berührenden und handfesten Form Abschied zu nehmen. Trauer muss man begreifen. Wenn ich den Toten mit einer Waschung oder einem anderen Ritual anfasse, wenn ich ihn greife und berühre, dann kann ich auch die eigene Trauer besser begreifen. Wir versuchen in unserem Trauercafé oder in der Einzelbetreuung, für den Einzelnen ein Ritual zu finden. Nicht jeder Ritus von früher passt in die heutige Zeit oder zu dem jeweiligen individuellen Menschen. Ein Ritual kann nur dann wirken, wenn es etwas ganz Persönliches zum Ausdruck bringt. Ein einheitlicher Ritus ist da nicht immer hilfreich.

Welche Gefühle oder Verhaltensweisen sind „normal“?

Eigentlich ist alles normal. Nur die Trauernden trauen sich nicht, es sich selber zu zugestehen. Es gibt verschiedene Phasen des Tauerns. Am Anfang gibt es ganz widersprüchliche Gefühle von tiefster Traurigkeit bis hin zu Gefühlsausbrüchen wie lautes Lachen, die dem Umfeld als hysterisch vorkommen mögen. Für die Trauernden ist alles normal, was sie im Moment der Trauer empfinden. Sie müssen in ihren Gefühlen bestärkt werden. Ihre Empfindungen sind richtig, auch wenn es das Umfeld als nicht normal wahrnehmen sollte.

Wie lange dauert ein Trauerprozess? Früher gab es zum Beispiel Kleidervorschriften, dass man ein Jahr lang schwarz tragen musste.

Manchmal dauert es kürzer, manchmal auch viel länger. Es gibt Menschen, die trauern fünf Jahre, andere nur fünf Monate. Hier gibt es keine Regel. Ein Jahr lang schwarze Kleidung zu tragen, war früher als eine Art Schutz gedacht. In dieser Zeit sollte man den Trauernden besonders viel Verständnis entgegenbringen.

Themenabend über Trauer am kommenden Mittwoch, 19. Oktober, 19 Uhr, Seniorentreff im Johanniter-Zentrum Dohna / Heidenau, Sedlitzer Straße 2

Von Silvio Kuhnert

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