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Johannesfriedhof in Radebeul steht nach Erdbestattungsverbot vor Neuausrichtung

Bodenverhältnisse verhindern Verwesung bestatteter Leichname Johannesfriedhof in Radebeul steht nach Erdbestattungsverbot vor Neuausrichtung

Thomas Große sieht Licht am Ende des Tunnels. „Wenn diese letzten Vorhaben erledigt sind, dann habe ich mal alle Friedhöfe in einem baulich einwandfreien Zustand“, sagt der Friedhofsverwalter der Friedenskirchgemeinde, der für den Alten und den Hauptfriedhof in Kötzschenbroda sowie den Johannesfriedhof in Naundorf zuständig ist.

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Friedhofverwalter Thomas Große in dem neu gestalten Areal des Johannesfriedhofs, in dem allein noch in Ausnahmefällen Erdbestattungen erlaubt sind.

Quelle: Uwe Hofmann

Radebeul. Thomas Große sieht Licht am Ende des Tunnels. „Wenn diese letzten Vorhaben erledigt sind, dann habe ich mal alle Friedhöfe in einem baulich einwandfreien Zustand“, sagt der Friedhofsverwalter der Friedenskirchgemeinde, der für den Alten und den Hauptfriedhof in Kötzschenbroda sowie den Johannesfriedhof in Naundorf zuständig ist. Die großen und teuren Eingriffe – Stichwort Friedhofsmauer – in die beiden Kötzschenbrodaer Gottesackern sind stadtweit bekannt. Erst wenn im nächsten Jahr ein Stück Friedhofsmauer am Alten Friedhof auf der zur Straße Am Gottesacker zugewandten Seite für rund 500 000 Euro saniert ist, wird dieses Kapitel abgeschlossen sein. Weniger bekannt ist, was für eine Baustelle der nahe der Weinberge gelegene Johannesfriedhof am Kapellenweg ist. Nicht viel hat gefehlt und der Gottesacker wäre vor einem Jahr stillgelegt worden.

Das hat vor allem mit einem Mangel zu tun, der ziemlich makaber und für Friedhöfe entscheidend ist: Die Bodenverhältnisse sind auf dem Johannesfriedhof so ungünstig, das bestattete Leichname in vielen Bereichen nicht verwesen. Selbst nach Jahrzehnten im Erdreich sind die menschlichen Überreste noch ziemlich intakt – gerade für die Friedhofsgräber, aber auch die Angehörigen eine untragbare Situation. Schuld daran haben der lehmige Boden und die Lage in einem alten Elbarm, wo man teilweise schon in 80 Zentimeter Bodentiefe auf „starke Grundwasseradern“ stößt, wie Friedhofsverwalter Große sagt.

Schon in der DDR war der Friedhof deswegen gesperrt, nach der Wende hat man aber wieder Erdbestattungen zugelassen. 2015 sprach dann viel für eine Stilllegung des Friedhofs, zumal er nicht wirklich benötigt wird. Die eine Erd- und die 39 Urnenbeisetzungen, die es 2015 auf dem Gottesacker waren, hätte Große jedenfalls auch auf den Kötzschenbrodaer Friedhöfen untergebracht. „Man muss aber auf die Befindlichkeiten der Menschen Rücksicht nehmen“, sagt der Friedhofsverwalter. Gerade die Naundorfer und Zitzschewiger betrachten den Gottesacker als den ihren. Wird er stillgelegt, verlieren sie ein Stück Selbstständigkeit. Am Ende der heftigen, aber nicht in der Öffentlichkeit geführten Debatte stand ein Kompromiss: Urnenbeisetzungen finden weiter statt, Erdbestattungen aber nicht mehr.

Doch auch von dieser Regel gibt es Ausnahmen. Menschen, die Begräbnisplätze reserviert haben und deren Angehörige schon auf dem Johannesfriedhof bestattet sind, wollte man das Recht auf eine Erdbestattung dort nicht verwehren. Das ist der Grund für die Bauarbeiten in diesem Jahr: Nach den Plänen der Landschaftsarchitektin Karin Dietze wurde ein zwar zum Friedhof gehöriges, aber nie als Begräbnisort genutztes Areal umgestaltet. Für rund 30 000 Euro mussten die Hinterlassenschaft des letzten Pächters, einer Gärtnerei, beseitigt werden und der Boden so ausgetauscht werden, dass Kleinstlebewesen darin überleben können.

Dabei kam die bisher unter Gesträuch verborgene Friedhofsmauer auf der zur Winterkehle gewandten Seite zum Vorschein. Von der Winterkehle her ist sie völlig von Brombeersträuchern bedeckt. Was Friedhofsverwalter nicht nur wegen der Schäden an der Mauer ärgert, sondern auch die Lkw-Fahrer vor Probleme stellt, die ein paar Mal im Jahr Container für den Grünschnitt austauschen müssen. Pikant: An dieser Stelle verläuft die Winterkehle auf städtischer Flur. Statt im Rathaus Beschwerde einzulegen, hat Große einen Deal vorgeschlagen: Die Stadt lässt einmal gründlich den Wildwuchs roden, anschließend kümmert sich Friedhofpersonal um die Pflege, indem die Fläche ein paar Mal im Jahr gemäht wird.

Sobald die Stadt in den nächsten Wochen loslegt, schließt sich für Große die nächste Baustelle. Weitere tun sich allerdings auf. Wie umgehen, mit dem zunehmend freien Platz auf dem Friedhof? Wie mit dem Bestattungswald unmittelbar hinter der Stadtgrenze nach Coswig? Nur wenn Antworten auf diese Fragen gefunden werden, ist der Bestand des Johannesfriedhofs gesichert.

Von Uwe Hofmann

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