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Johannes Halmen, Dekan: "Wir versuchen, Schutz zu bieten"

Johannes Halmen, Dekan: "Wir versuchen, Schutz zu bieten"

Johannes Halmen: Ich bin nicht der typische Courage-Preisträger.Weil ich mich nicht zu den couragierten Leute zähle. Ich bin kein mutiger Mensch.Aber engagiert, sonst wären Sie nicht ausgewählt worden.

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Johann Halmen, Dekan im siebenbürgischen Schäßburg.

Quelle: Carola Fritzsche

Johannes Halmen: Ich bin nicht der typische Courage-Preisträger.

Warum?

Weil ich mich nicht zu den couragierten Leute zähle. Ich bin kein mutiger Mensch.

Aber engagiert, sonst wären Sie nicht ausgewählt worden...

Ja, ich habe einige Aufgaben. Ich bin seit 25 Jahren Landpfarrer in der deutschen evangelischen Kirche A.B., eine ev.-luth. Diaspora-Kirche mit etwa 13 000 Mitgliedern in Siebenbürgen. Seit drei Jahren bin ich Dekan des Kirchenbezirks Schäßburg. Wir pflegen die Dreisprachigkeit im siebenbürgischen Teil Rumäniens, Sighisoara heißt es auf Rumänisch und Segesvár auf Ungarisch - das ist wahrscheinlich die älteste Ortsbezeichnung - und wir nennen es Schäßburg. Wir koexistieren seit mehreren Tausend Jahren in Siebenbürgen. Doch weil die Menschen auswandern, hat sich heute unsere Kultur stark verändert. Nicht nur die siebenbürgisch-sächsischen Einwohner, sondern auch die ungarischen und rumänischen tendieren dazu, das Land zu verlassen. Das ist ein lang anhaltender Misstrauensantrag an die Regierung. Ja, wahrscheinlich ist eine meiner Qualitäten die, dass ich nicht ausgewandert bin.

Wie ist es zur Zeit in Siebenbürgen?

Spannend. Wir sind eine sehr kleine Kirche von 13 000 Evangelischen. Das ist etwa ein Drittel von Radebeul. Unsere Mitglieder leben aber verstreut auf einem Landstrich, der fast so groß ist wie der Osten Deutschlands. Das bringt uns in die Zweisprachigkeit und die Multikulturalität. Wir sprechen auch Rumänisch in den Gottesdiensten. Aber unsere Amtssprache ist Deutsch. Wir haben sehr viele Kinder und Jugendliche unter den wenigen Mitgliedern.

Was tun Sie für diese?

Wir haben eine gut funktionierend Jugendarbeit und sogar ein Jugendwerk. Es ist erstaunlich, dass viele rumänisch-sprachige Jugendliche zu uns stoßen, die es interessant finden, dass sich unsere Kirche mit Jugendlichen beschäftigt. So wenden wir uns Jugendlichen zu, die aus Heimen kommen und keine Bleibe haben. Wir versuchen, ihnen Schutzraum zu bieten und Perspektiven zu eröffnen. Unsere Kirche hat viel Raum. Und so haben wir uns in einer Initiative dran getan, Schutzraum zu bieten für solche Menschen.

Wie heißt die Initiative?

Die nennt sich "Közös Élet", das ist ungarisch und heißt "Gemeinsam leben". Es gibt einen Standort im ungarischen Szeklerland. Ich muss dazu erklären, dass es ein ungarisches Siebenbürgen, ein rumänisches und ein sächsisches-deutsches gibt. Wobei sich alles überschneidet. Ich arbeite an der Peripherie zum Szeklerland und da gibt es diesen Austausch, wo deutschsprachige evangelische Jugendliche aus unserer Kirche mit Jugendlichen aus der ungarischen Kultur zusammenkommen.

Können Sie näher auf diese Jugendarbeit eingehen?

Es hat mit der Domus-Initiative begonnen, die bei Chemnitz angesiedelt ist. Die hatte es sich schon vor der Wende zur Aufgabe gemacht, Kinderheime zu besuchen. Die Kinder- und Altenheime in Rumänien sind sehr auf Subsistenz ausgerichtet. Man bietet einfach eine Bleibe, ein Bett und das Fut- ter. Das Menschliche bleibt auf der Strecke. Bei "Közös Élet" macht die Jugendarbeit der siebenbürgische Pfarrersohn Benjamin Schaser. Der Ort, wo wir uns begegnen, ist die Gemeinde Arkeden - eine wun- derschöne Kirchenburg, auf die ich seit Jahren Jugendli- che einlade. Hier soll ein geistliches Begegnungszentrum entstehen, ein Gegenprogramm zur allgemeinen Depression im Lande. In Rumänien stehen viele Kirchen und Pfarrhäuser leer. Ich wünsche mir, dass wir unsere Kirchen nicht nur in Museen umwandeln und unsere Pfarrhäuser verscherbeln, sondern dass wir sie nutzen. So wie in Arkeden, wo junge Leute bauen helfen. Das ist fantastisch.

Auf der Kirchenburg leben und arbeiten Jugendliche?

Ja. Ursprünglich sollte das Haus verkauft werden. Da habe ich um Aufschub gebeten. Wir begannen mit 50 Übernachtungen und in den letzten drei Jahren hatten wir über 1000 Übernachtungen in einem Sommer. Jetzt treffen sich dort Jugendliche aus unserer Region mit Jugendlichen aus Waisenhäusern und jungen Christen weltweit. Die Jugendlichen beten und arbeiten gemeinsam. Wir haben bescheidenen Komfort eingeführt und zum ersten Mal in der Geschichte dieses Ortes Kanalisation, Toiletten und Duschen. Und alles mit Ehrenamt und Liebe gemacht.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.08.2013

Madeleine Arndt

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