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Jahrestag der Krawalle: Heidenau wünscht sich Normalität

Fremdenfeindlichkeit Jahrestag der Krawalle: Heidenau wünscht sich Normalität

Ein Jahr nach den gewaltsamen Krawallen vor einer Asylunterkunft in Heidenau sehnt sich die Stadt nach Normalität. „Es ist ungerecht, mit dem Finger auf die Menschen in Heidenau zu zeigen“, sagte Bürgermeister Jürgen Opitz (CDU) am Sonntag.

Heidenau. Ein Jahr nach den gewaltsamen Krawallen vor einer Asylunterkunft in Heidenau sehnt sich die Stadt nach Normalität. „Es ist ungerecht, mit dem Finger auf die Menschen in Heidenau zu zeigen“, sagte Bürgermeister Jürgen Opitz am Sonntag vor Journalisten. Das von der Stadt entstandene Bild verstelle den Blick auf die Mehrzahl der Menschen, die von der ersten Stunde an Hilfe und Solidarität mit Flüchtlingen gezeigt hätten. Zugleich betonte der CDU-Politiker, der wegen seiner klaren Haltung damals heftigen Anfeindungen ausgesetzt war: „Rassismus darf nicht toleriert werden, nicht in Heidenau, nicht in Sachsen, nicht in Deutschland, Europa und dem Rest der Welt.“

Er habe im vergangenen Jahr sehr viele Gespräche mit Bürgern geführt und feststellen müssen, manche Einwohner auch nicht mehr zu erreichen - darin unterscheide sich Heidenau aber nicht von anderen Städten.

„Das Ausmaß der damaligen fremdenfeindlichen Ausschreitungen hat uns alle schockiert, es hat Sachsen verändert“, sagte die sächsische Integrationsministerin Petra Köpping (SPD). „Es ist unsere Aufgabe, auf rassistische, fremdenfeindliche und rechtsextreme Umtriebe hinzuweisen und sie nicht zu verharmlosen“, mahnte sie. Gleichzeitig gelte es jene zu unterstützen, die sich für Demokratie einsetzten und dem oft blinden Hass gegenüber anderen entgegenträten.

Am 21. August 2015 hatte ein Mob unter Beteiligung vieler Neonazis in Heidenau vor einem zur Flüchtlingsunterkunft hergerichteten früheren Baumarkt randaliert und die Stadt international in Verruf gebracht. Drei Nächte in Folge kam es zu Ausschreitungen. 31 Polizisten wurden verletzt. Als einige Tage später Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach Heidenau kam, wurde sie als „Volksverräterin“ geschmäht.

Opitz sagte, die Ausschreitungen und Tabubrüche vor einem Jahr hätten der Stadt geschadet. Auch zum Jahrestag gebe es wieder einen „Medienhype“. Die Heidenauer fühlten sich durch eine negative Berichterstattung in Mithaftung genommen. Sie würden sich zu unrecht als Teil von „Dunkeldeutschland“ dargestellt sehen.

Nach Angaben des Bürgermeisters leben derzeit gut 140 Asylbewerber in der Stadt, die etwa 16 500 Einwohner zählt. 20 Flüchtlingskinder gingen inzwischen in die hiesige Kita, auch eine DaZ-Klasse (Deutsch als Zweitsprache) gebe es. Probleme seien - wie schon vor dem 21. August 2015 - nicht aufgetreten. Nach Eröffnung der Erstaufnahme-Einrichtung vor einem Jahr hätten viele Bürger geholfen: „Die Hilfsbereitschaft war riesengroß.“

Die Asylunterkunft im Baumarkt war für 700 Menschen ausgelegt und ist seit dem Frühjahr geschlossen. Heidenau bringt alle der Stadt zugeteilten Flüchtlinge dezentral unter.

Am Nachmittag zogen etwa 200 Aktivisten gegen Rechtsextremismus (Antifa) in Erinnerung an die Krawalle durch die Stadt. Bürgermeister Opitz kritisierte die Demonstration. Sie helfe weder den Heidenauern noch den Flüchtlingen

In Heidenau ist es vor der Flüchtlingsunterkunft in einem ehemaligen Baumarkt zwei Nächte in Folge zu heftigen Ausschreitungen gekommen. Foto: dpa

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Jörg Schurig, dpa

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Damals und heute
Ein massiver fremdenfeindlicher Aufmarsch wollte im August 2015 die Straße zum Asylheim in Heidenau blockieren – und so den Einzug von 600 Flüchtlingen verhindern.

Vor einem Jahr gelangte Heidenau bei Dresden durch die gewalttätigen und fremdenfeindlichen Proteste vor einem Asylheim zu trauriger Berühmtheit. Organisierte Rechtsextreme missbrauchten die Stadt als Bühne. Viele im Ort ließen sich das nicht gefallen und engagieren sich seitdem für Flüchtlinge.

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