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In einer Woche beginnt in Dresden der Prozess um den bizarren Tod eines Geschäftsmannes im Gimlitztal

In einer Woche beginnt in Dresden der Prozess um den bizarren Tod eines Geschäftsmannes im Gimlitztal

Ein 59-Jähriger aus Hannover fährt Anfang November 2013 per Bus nach Sachsen - zum Treffen mit einem Kriminalbeamten. Es ist die letzte Reise des Geschäftsmannes, der nach Angaben aus seinem Umfeld seit der Jugend die makabre Fantasie hatte, sich "schlachten" zu lassen.

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Die Pension ist für Gäste inzwischen wieder buchbar.

Quelle: Matthias Hiekel, dpa

Auf einer Kannibalen-Seite im Internet trifft er im Oktober auf Detlef G.. Der Kriminalhauptkommissar träumt davon, eine Leiche zu zerstückeln. Er holt den Gast vom Bahnhof ab und fährt mit ihm in seine Pension im abgelegenen Gimmlitztal im Osterzgebirge. Kurz darauf ist der gebürtige Pole tot, Detlef G. zerstückelt die Leiche und vergräbt Teile im Garten.

"Tatverdacht gerechtfertigt"

Neun Monate nach Bekanntwerden des grausigen Falls beginnt nun am 22. August am Dresdner Landgericht der Prozess gegen den vom Dienst suspendierten Beamten des Landeskriminalamtes (LKA). Die Richter müssen klären, ob der Polizist mit dem bizarren Doppelleben den Mann aus Niedersachsen auch getötet hat. Angeklagt ist der 56-Jährige wegen Mordes und Störung der Totenruhe - "Mord wegen Befriedigung des Geschlechtstriebes und Ermöglichung einer anderen Straftat", erläutert der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Lorenz Haase. Die Behörde ist überzeugt, dass Detlef G. den Geschäftsmann wie zuvor geplant umbrachte. "Das Ermittlungsergebnis rechtfertigt einen dringenden Tatverdacht", sagt Haase. "Er wollte den Mann töten und zerstückeln." Der Beschuldigte habe das anfangs ja gestanden und erst später teils widerrufen. Die Auffassung der Staatsanwaltschaft sei zudem vom Landgericht und Oberlandesgericht bestätigt, die das Ermittlungsergebnis überprüft hatten.

Nach Angaben von Strafverteidiger Endrik Wilhelm hat sein Mandant nie ein Geständnis abgelegt, nur Schilderungen zu den Akten gegeben, "die nicht stimmten". Er verweist unter Berufung auf ein von Detlef G. gedrehtes Video auf Selbsttötung. G. sei nur so weit gegangen, wie der andere das wollte. Seine auf dieser Argumentation fußende Haftbeschwerden wurden abgelehnt.

Detlef G. stammt aus Hildburghausen (Thüringen), lernte Galvaniseur und absolvierte dann eine Kriminalistenausbildung. Nach der Wende zog er nach Sachsen, wo er im LKA als Schriftsachverständiger Handschriften von Tätern analysierte. Privat chattete der Vater einer erwachsenen Tochter auf der einschlägigen Plattform im Internet, wo er auf das Interesse des Mannes traf, der in Unna (Nordrhein-Westfalen) eine Zeitarbeitervermittlung betrieb.

Laut rechtsmedizinischem Gutachten erstickte der 59-Jährige durch Erdrosseln. Der Verdacht auf Kannibalismus bestätigte sich nicht, auch wenn trotz tagelanger Suche die Leiche nicht ganz vollständig gefunden wurde. Entsprechende Spekulationen waren wegen des Chats aufgetaucht, in dem sich die Männer kennengelernt hatten. Nach seiner Festnahme hatte Detlef G. angegeben, seinen Gast auf dessen Wunsch getötet zu haben, kannibalistische oder sexuelle Motive aber bestritten.

Erinnerung an Rothenburg-Kannibalen

Der Fall weckte Erinnerungen an den "Kannibalen von Rotenburg", der 2001 einen Mann aus Berlin mit dessen Einverständnis tötete und Teile der Leiche aß. Er hatte sein Opfer ebenfalls auf einer einschlägigen Internet-Plattform kennengelernt. Der Computerexperte wurde wegen Mordes verurteilt.

Detlef G. lebte knapp vier Wochen mit dem furchtbaren Geheimnis hinter seinem Haus, dann spürten Fahnder ihn auf - anhand der Spuren des Opfers im Internet. Für die Ermittler war er ein ganz normaler Kollege, bis im Büro die Handschellen klickten. 15 Verhandlungstage hat die Kammer unter Vorsitz von Richterin Birgit Wiegand anberaumt und 19 Zeugen geladen, darunter den Lebenspartner des Angeklagten. Verteidiger Wilhelm rechnet angesichts der Vorurteile gegenüber seinem Mandanten und der Umstände mit einem schwierigen Prozess. Seinem Mandanten droht bei Verurteilung eine lebenslange Freiheitsstrafe. Detlef G. selbst ringe mit der Tat. "In der letzten Sequenz des Videos sagt er sinngemäß, dass er nicht fassen kann, was soeben geschehen ist." Laut Wilhelm hat er nicht getötet. "Das würde er gar nicht können."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.08.2014

Simona Block, dpa

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