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In Heidenau regiert nicht nur Hass - 250 Menschen kamen zu einem ökumenischen Friedensgebet zusammen

In Heidenau regiert nicht nur Hass - 250 Menschen kamen zu einem ökumenischen Friedensgebet zusammen

Nach drei Randale-Nächten in Folge hat das Image der Stadt Heidenau großen Schaden genommen. Die Bilder eines fremdenfeindliche Parolen grölenden, auf Polizisten Steine, Böller und Flaschen werfenden Mobs vor der Notunterkunft für Asylsuchende im ehemaligen Praktiker-Baumarkt haben nicht nur bundesweit für Entsetzen gesorgt, sondern auch in der Stadt selbst.

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Beim ökumenischen Gebet für Heidenau zündeten die Teilnehmer am Montagabend Kerzen an, die als Friedensymbole verstanden werden sollten.

Quelle: Daniel Förster

Rund 250 Heidenauer und Gäste kamen am Montag in der Christuskirche zu einem Gebet zusammen und brachten dabei ihre Sorge zum Ausdruck. Alle Sitzreihen waren gefüllt.

„Betroffenheit und Traurigkeit haben uns hier zusammengebracht. Wir wollen mit Fremden in Frieden zusammenleben“, sagte Pfarrerin Erdmute Gustke von der evangelischen Gemeinde. Gemeinsam mit Pfarrer Peter Opitz (katholische Gemeinde) und Pastor Hans-Jürgen Schlag (Baptistengemeinde) hat sie zu einem Gebet für die Stadt geladen. Unter den Betenden war auch Bürgermeister Jürgen Opitz (CDU).

Die Besucher der Andacht sollten ihre Klagen auf einen Zettel schreiben, von denen dann einige vorgelesen wurden: „Mich macht traurig, dass Menschen mit so viel Hass handeln“, stand auf einem dieser Zettel. „Warum ist es uns nicht gelungen unsere Herzen zu öffnen?“, auf einem anderen. „Es macht mich traurig, dass Menschen, die in Not zu uns kommen, so wenig willkommen sind“, hat ein Andacht-Besucher geschrieben und ein weiter, „ich klage die Hartherzigkeit der Menschen an, denen es so viel besser geht, als denen die zu uns kommen.“ „Warum greift Verblendung so um sich?" „Woher kommt der Hass und diese Wut?“ Diese Fragen und Gedanken beschäftigten die Besucher der Kirche. Alle diese Klagen lagen auf dem Altar. „Dona nobis pacem“ - „gib uns deinen Frieden“, sangen sie gemeinsam.

Die Andacht war als stilles Gebet gedacht. Statements gaben die Geistlichen nicht ab. Klare Stellung zu den Gewaltexzessen vor der Asylbewerberunterkunft bezogen sie in einer gemeinsamen Erklärung. „Nicht nur fremdenfeindliche Demonstranten und gewaltbereite Gegendemonstranten stellen eine Gefahr für den Frieden in unserer Stadt dar, sondern auch alle, die mit ihnen sympathisieren und ihnen damit moralischen Rückhalt geben“, heißt es da.

Die Gemeindeoberhäupter mahnten in ihrer Erklärung auch die Beachtung der rechtsstaatlichen Grundsätze an. „Wer das Recht auf Asyl in Deutschland hat und wer nicht - das entscheiden nicht wir, sondern diejenigen, die die Anträge sachgerecht bearbeiten.“ Über Asylgesuche entscheidet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Anträge werden in der Erstaufnahmeeinrichtung des Freistaats gestellt. Die Notunterkunft in Heidenau ist aufgrund der hohen Flüchtlingszahlen derzeit deren 20. Außenstelle. „Bis zu dieser Entscheidung wollen wir offenherzige Gastgeber sein“, appellierten die Geistlichen.

Als „erschreckend“ bezeichnete FDP-Stadtrat Norbert Bläsner die Geschehnisse der vergangenen Nächte. „Wer abends Böller und Steine wirft, ist nicht nur ein besorgter Bürger - sondern ein Menschenfeind“, stellte er klar und rief alle Mitbewohner seiner Heimatstadt auf, für Menschlichkeit Partei zu ergreifen. Er sparte auch nicht mit Kritik an der Landesregierung. „Es gab kaum Informationen im Vorfeld“, so Bläsner. Zwischen der Mitteilung der Landesdirektion Sachsen (LDS), die für die Erstaufnahme zuständig ist, und der Eröffnung der Notunterkunft lagen zwei Tage. Außerdem ist Bläsner schockiert, wie „blauäugig“ man nach den ausländerfeindlichen Szenen vor den Notunterkünften in Freital und Dresden in Heidenau die Sache angegangen ist. „Es war viel zu wenig Polizei vor Ort“, kritisierte der FDP-Stadtrat.

Erst nach zwei Nächten hatte die Polizei die Lage vor dem Baumarkt im Griff. Dort blieb es in der Nacht zu Montag ruhig. A­llerdings kam es bei einem Aufzug von rund 200 Personen aus der linken Szene zu Übergriffen. Als die Demonstranten von der Asylbewerberunterkunft in Richtung Nord-Bahnhof zogen, wurden drei Passanten an einer Tankstelle angegriffen. Die Polizei drängte die Angreifer unter anderem mit dem Einsatz von Pfefferspray ab.

Am Sonntag definierte die Polizei einen großräumigen Kontrollbereich (um das Asylbewerberheim (siehe Karte). Dort dürfen Einsatzkräfte Personen kontrollieren, die Personalien feststellen und Platzverweise aussprechen. Davon machten Beamten in der Nacht zu Montag auch Gebrauch. So wurden rund 150 Anhänger der rechten Szene des Platzes verwiesen und von 140 die Personalien aufgenommen.

Auch wenn die Bilder des fremdenfeindlichen Mobs die Berichte über Heidenau in den letzten Tagen dominierten, so unterstützen Bewohner der Stadt und der Region die Flüchtlinge, darunter viele Familien aus Syrien und dem Irak. Die Koordinierung der Unterstützung haben das Deutsche Rote Kreuz und die Aktion Zivilcourage übernommen. So werden unter anderem Kleidung für Jung und Alt gesucht. Ausführliche Informationen sind im Internet unter [link:700-NR_DNN_96953-1] zu finden.

Silvio Kuhnert

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