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Im Zentrum der Mensch - Elke Hopfes "Grafische Bilder" im Einnehmerhaus Freital

Im Zentrum der Mensch - Elke Hopfes "Grafische Bilder" im Einnehmerhaus Freital

Kraftvolle Kunst kann einen Ort verwandeln. Gemeint ist das ob seiner historischen Struktur kleinteilige Freitaler Einnehmerhaus, das gegenwärtig fast so etwas wie Weiträumigkeit ausstrahlt.

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Elke Hopfe. Mänade. Graphit auf Papier, 2011. Repro: Galerie

Ursächlich dafür sind Elke Hopfes "Grafische Bilder". Das ausschließliche Schwarz-Weiß dieser Arbeiten weitet auf nahezu erstaunliche Weise die Räume, indem es sich mit dem Weiß von Wänden und Jalousien verbindet. So entsteht eine berührende Aura der Klarheit.

Zentrales Thema der Zeichenkunst der 1945 im sächsischen Limbach-Oberfrohna geborenen Künstlerin war, ist und bleibt der Mensch. Sie gehört - entgegen manchem zeitgeistigen Trend - zu jenen bildenden Künstlern, für die die Arbeit am Menschenbild alles andere als "erledigt" ist. Dabei sieht sie sich durchaus "auf den Schultern" großer Vorgänger wie Picasso, den sie besonders verehrt, Beckmann, Giacometti oder Bacon, aber ebenso ihres Lehrers Gerhard Kettner. Elke Hopfe, die bis 2011 an der Hochschule für Bildende Künste Dresden als Professorin lehrte, gelingt es, sich dem Menschen auf eine Weise zu widmen, die unter die mehr oder weniger schöne Oberfläche schaut. Allerdings liegt ihr dabei jede Art von Denunziation, ein sich Hinausheben über das Gegenüber, fern. Es geht ihr vielmehr um eine ganzheitliche Sicht, die die bei jedem - auch ihr selbst - mal mehr, mal weniger vorhandenen Verletzungen, Brüche, ja Deformationen einschließt.

In der aktuellen Ausstellung findet man häufig (wohlgemerkt im Nachhinein formulierte) Titel wie "Reste einer Figur" (2009), "Unruhe" (2012), "Das Innen" (2012) oder gar "Mensch als Huhn" (2011). "Reste eine Figur" - das ist es wohl, was im übertragenen Sinn in den Wirren des Lebens verschiedentlich von einer Persönlichkeit bleibt. Und wer kennt nicht die "Flattrigen" unterschiedlicher Couleur, die "jung und dynamisch" allem gerecht werden wollen, dabei aber oft an einen "Mensch(en) als Huhn" oder in Summe an einen Hühnerhaufen erinnern. Man sieht regelrecht Hopfes Bildfigur flattern. Auch für das Durcheinander im Kopf, wenn man von großer innerer "Unruhe" ergriffen ist, hat die Künstlerin eine deutbare bildnerische Gestalt gefunden. "Das Innen" (2012) wiederum meint wohl jenen Zustand, wenn es ganz schlimm kommt, wenn alles nur noch dunkel scheint. Für bessere Tage steht dagegen die aufrechte und konzentrierte "Klavierspielerin" (2011).

Mit Blättern wie diesen - man könnte noch eins wie "Hinter der Stirn" (2012) nennen, wo nichts als Leere umrissen ist - erreicht Elke Hopfe sichtbar eine neue Stufe der Aussagekraft ihrer Menschenbilder. Die ursprünglich aus der Sicht auf ein individuelles Gegenüber gewonnene Form weist häufig auf Menschsein allgemein in verschiedenen psychischen Facetten. Es ist eine wirklich große, viel Lebenserfahrung voraussetzende Kunst, dies bildhaft ausdrücken zu können - dabei die Berufung auf konkrete Menschen hinter sich lassend. Formal sichtbar ist diese Entwicklung daran, dass die Namensbezeichnungen im Titel, und sei es im Kürzel, seltener werden.

Gleichwohl braucht Elke Hopfe für ihr Schaffen immer wieder die Auseinandersetzung mit dem Naturvorbild "Mensch", das ihr als konkrete Person gegenüber tritt. So zeichnet sie unverdrossen Freunde und Bekannte. Wenn die Zeichnung an einen bestimmten Punkt gekommen ist, geht man auseinander. Nun beginnt auf dem Blatt ein Ringen der Künstlerin, das einem Wechsel von Konstruktion und Dekonstruktion gleichkommt.

Wer sich die großen, mit weichem Grafitstift geschaffenen Bilder - der Begriff "Bild" ist angesichts der Art des Arbeitsprozesses zu Recht gebraucht - genau anschaut, sieht die Spuren dieses Ringens um ein gültiges Ergebnis. Der weiße Raum des Papiers ist aufgeraut, an manchen Stellen von unterschiedlichen sanften Grauschattierungen überzogen - Spuren des Radierens, die zugleich dem (Blatt-)Raum Tiefe geben. An anderen Stellen sind starke Linien eingezogen, werden mitunter auch gebündelt oder werden zum samtigen schwarzen Fleck beziehungsweise sogar zum "schwarzen Loch". Teils hält das Papier nicht stand, der Bogen muss von hinten stabilisiert werden. Zu guter Letzt steht dann eine eher zeichenhafte, auf das Psychische gerichtete, mehr oder weniger kantige Annäherung an einen - oder den Menschen -, partiell unterstrichen von Auge, Hand, Andeutungen von Arm, Bein, Brust.

Aus diesem Arbeitsprozess heraus sind zugleich Blätter wie "Soldat" (2011) oder "Irak-Krieg" (2003) zu erklären. Auch mit Arbeiten wie diesen wird deutlich: Das gesellschaftliche Umfeld, die Zeit, hinterlassen ihre Spuren in den Menschenbildern der Elke Hopfe. Manchmal sind es wohl Wut oder Erschütterung, die sie Bilder wie die genannten erschaffen lässt, manchmal aber werden sie wohl auch einfach. Eine Form nimmt Gestalt an unter dem Einfluss ihrer eigenen Bewegtheit oder Unruhe, eines Zwiespaltes vielleicht, auch einer Angst.

Die Ausstellung zeigt in der Mehrheit Werke aus den vergangenen vier bis fünf Jahren, vor allem aber von 2011/12. Einige kleinere frühere Blätter von 1992 und 1994 ermöglichen, bis zu einem gewissen Grad den Weg zu den heutigen "Grafischen Bildern" nachzuvollziehen. Man spürt in diesen kleinen Zeichnungen noch ein wenig die Kettnersche Schule. Und durchaus in seinem Sinne ist die Arbeit damals schon den existenziellen Grundfragen von Leben, Liebe, Geburt und Tod gewidmet. Es ist eine logische Entwicklung, die sich in den letzten 20 Jahren vollzogen hat, wobei die "Grafischen Bilder", wie sie gerade auch in dieser Ausstellung zu sehen sind, etwas Unvergleichbares haben, eine echte Bereicherung des Kanons gegenwärtiger Kunst sind. Lisa Werner-Art

bis 24. November, geöffnet Di-Fr 16-18, Sa/So 10-17 Uhr, feiertags geschlossen

www.kunstvereinfreital.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.11.2012

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