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Holger Fritzsche bringt mit Reisevorträgen und der Reihe "Bilder der Erde" die Welt nach Radebeul

Holger Fritzsche bringt mit Reisevorträgen und der Reihe "Bilder der Erde" die Welt nach Radebeul

Die Geschichte mit der Geburtstagsparty von Kalaschnikow gehört sicher zu den ausgefalleneren, die Holger Fritzsche parat hat. Passiert ist das vor Jahren, als der Wahlradebeuler Fritzsche wegen seiner Russlandvorträge schon bekannt war und von einem deutschen Geschäftsmann zur Feier des russischen Waffenkonstrukteurs mitgenommen wurde.

Radebeul.

Gefeiert wurde standesgemäß: Jede Menge Offiziere waren anwesend, die sich zu einem gemeinsamen Jagdausflug aufmachten. Im Rucksack die Tagesration von vier Wodkaflaschen. "Ohne die Unmengen Wodka hätte sich mir die Schönheit des Jagdausflugs nicht erschlossen", sagt Fritzsche mit ironischem Unterton. Sätze, wie man sie sagen muss, wenn man Menschen mit seinem Reisebericht unterhalten will.

Genau damit verdient Fritzsche sein täglich Brot. Er hat unzählige Reisen durch aller Herren Länder unternommen und berichtet vor zahlendem Publikum davon. Als zweites Standbein hat er die Reihe "Bilder der Erde" ins Leben gerufen, bei der andere Weltreisende mit Erzähltalent wie er auf Schloss Wackerbarth oder in der Dresdner Schauburg auf die Bühne treten.

Reisen und dann davon erzählen - das hört sich nach einer simplen Geschäftsidee an. Wie so oft ist aber genau das Gegenteil wahr. "Man muss Ideen haben, etwas zeigen können, das andere nicht haben", sagt Fritzsche. Damit sind spektakuläre Bilder und Filmaufnahmen gemeint, vor allem aber die Anekdoten und Begegnungen, die einem Vortrags-Besucher das jeweilige Land erst nahebringen. Entsprechend anstrengend sei es, für solcherart Vorträge auf Reisen zu gehen. "Man lernt auf diese Weise aber auch unheimlich viel", sagt Fritzsche.

Er hat seine Karriere als Weltreisender noch zu DDR-Zeiten begonnen. 1986, da war er 23 Jahre alt, wollte der passionierte Kletterer unbedingt in den Kaukasus, um über den Hauptkamm ans Schwarze Meer zu gelangen. Damals habe man dort aber nur in der Gruppe reisen können. Also entschied sich Fritzsche für das Reisemotto "Unerkannt durchs Freundesland" und macht sich auf eigene Faust in den Kaukasus, dabei "immer schön der Miliz aus dem Weg gehend", wie er sagt. Ans Schwarze Meer hat er es geschafft, war allerdings auch zwei Tage eingekerkert, ehe man ihn laufen ließ.

Weil er in der DDR nicht studieren durfte, stellte er einen Ausreiseantrag, den aber die friedliche Revolution einholte. Plötzlich stand Fritzsche die Welt offen. Er entdeckte seine Leidenschaft zum Gleitschirmfliegen und steckte viel Ehrgeiz in die Suche nach Orten, an denen er günstig fliegen konnte. Jahrelang füllte er sich als Waldarbeiter und selbstständiger Landschaftspfleger die Reisekasse, ehe er sich nach der Geburt seines ersten Sohnes nach etwas Besserem umsah.

Er fand Michael Martin, der damals schon eine Größe in der Vortrags-Szene war. Weil Fritzsche ein Händchen für das Fotografieren hatte, heuerte Martin ihn an. Gemeinsam bereisten sie Afrika. "Irgendwie bin ich dann in die Vortrags-Szene reingerutscht, sagt Fritzsche.

Zunächst als Veranstalter, der Leute wie Martin nach Dresden holte. Dann erstmals selbst als Vortragender. "Da waren 200 Leute. Ich hatte Angst auf der Bühne", erinnert er sich heute. Wie man so etwas anpackt, hatte er sich auf den Reisen mit Martin angeeignet. Das Erfolgsgeheimnis ist einfach: Es geht nicht darum, akribisch die Orte einer Reise zu dokumentieren, sondern um das Besondere. "Ich bin mit einem alten Lada Niva in den Kaukasus gefahren und mit dem Gleitschirm vom Elbrus heruntergeflogen", gibt Fritzsche ein Beispiel. Die dabei gemachten Bilder sind einzigartig - wenn man so will, das Alleinstellungsmerkmal des Vortragenden Fritzsche. Es gehört aber auch eine Prise Verrücktheit zum gelungenen Vortrag, etwa die Überquerung des zugefrorenen Baikalsees oder die Längsquerung dieses Gewässers mit dem Fahrrad, die bei arktischen Bedingungen zweimal scheiterte. "Es geht darum, aus dieser heilen Welt Deutschland auszubrechen und das Blut in Wallung zu bringen", sagt Fritzsche. Obgleich er es zuletzt mit eher familientauglichen Aufenthalten in Sardinien ruhiger angehen ließ. Auch davon berichtet er in Vorträgen, selbstverständlich mit faszinierenden Bildern - sie entstanden auf Gleitschirmflügen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.10.2014

Uwe Hofmann

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