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Hoffen auf Gäste an der Elbe: Tourismus-Unternehmer sehnen Urlauber-Ansturm herbei

Hoffen auf Gäste an der Elbe: Tourismus-Unternehmer sehnen Urlauber-Ansturm herbei

Direkt neben der Restaurant-Terrasse, wo das Gras noch plattgedrückt und fahl ist. Ein meterdicker Baumstamm: "Den hatte uns das Hochwasser 2002 angeschwemmt", sagt Frank Nuhn.

Hier hat er gelegen.

Fast elf Jahre rührte sich der tonnenschwere Eichenkloben nicht vom Fleck. Wie eine massive Mahnung, dass nichts bleiben muss, wie es war. Für die hauseigene Säge war er zu dick, für einen Kran schwer zu erreichen. Irgendwie freundeten sich Mit­arbeiter und Gäste der Elbpanorama-Gaststätte unterhalb des Liliensteins an mit dem urwüchsigen Monstrum, von dem niemand wusste, woher es kam.

"In diesem Jahr hat ihn die Flut wieder mitgenommen", sagt der aus Bad Hersfeld stammende Unternehmer. Und meint darin einen tieferen Sinn zu erkennen, ein Sinnbild für steten Wandel. "Auch den herrlich feinsandigen Strand da unten am Fluss hat es vor fünf Wochen noch nicht gegeben. Den haben wir dem Hochwasser zu verdanken." Eine gewisse Ironie ist unverkennbar in den ruhigen, akzentfreien Worten des gebürtigen Hessen. Denn das neuerliche Jahrhunderthochwasser hat ihm und seinen 65 Beschäftigten beileibe nicht nur Gutes gebracht. Das mehrere Hektar große Elbefreizeitland Königstein mit Miniaturenpark ging in den Fluten ebenso unter wie der dazugehörige Gasthof und ein Teil der Pension. "Und das, obwohl wir alles vorsorglich auf meterhohen Pfählen und mit Hochwasserbarrieren errichtet hatten", betont Nuhn. Bis zu einem Hochwasserscheitel von neun Metern hätte seine Anlage den Fluten trotzen können. "Aber bei fast elf Metern hatten wir keine Chance", sagt der drahtige Mann in kurzen Hosen.

Doch es sollte noch dicker kommen. Als der Hochwasserscheitel im oberen Elbtal gerade durch war, spielten die Naturgewalten erneut verrückt. "Wir waren mit dem Boot auf dem Grundstück unterwegs, um uns einen Überblick über die Schäden zu verschaffen", erinnert sich Nuhn. "Plötzlich prasselten eier­große Hagelkörner auf uns nieder. Die zerballerten vieles, was vom Hochwasser noch verschont geblieben war." Hallendächer, Miniatur-Exponate und Autos der Ersthelfer wurden beschädigt. Tiefer konnte die Stimmung kaum sinken. "Wer würde da keine grauen Haare bekommen!", sagt Nuhn mit der ihm eigenen Selbstironie und deutet lächelnd mit dem Daumen auf seinen eher schon schlohweißen Zopf.

Rund 700 000 Euro Schaden haben Gutachter ihm bislang bescheinigt. Und obwohl er fünf verschiedene Versicherungen laufen hat, wird er wohl vorerst auf der Hälfte der Kosten sitzen bleiben. Die sächsische Soforthilfe von 1500 Euro pro Unternehmen wirkt da wie ein Tropfen auf den heißen Stein. "Nun kommt es drauf an, Hilfsprogramme möglichst unbürokratisch zu handhaben", sagt er in Richtung Staatsregierung. Viele Schäden an Heizungen und Elektrik, aber auch an Fenstern, Türen und Möbeln hat seine Firma aus eigener Kraft - und auf eigene Kosten - beseitigt. "Unter meinen Leuten sind zum Glück viele aus DDR-Zeiten mit solider Ausbildung und zwei rechten Händen", lobt Nuhn. "Ohne dieses schnelle Zupacken hätten wir das Freizeitland und die Pension nicht binnen zwei Wochen wieder öffnen können." Darauf seien Touristiker wie er im Elbsandsteingebirge angewiesen, "denn hier gibt es keine Wintersaison", betont Nuhn.

Die Spendenbereitschaft aus ganz Deutschland hat ihn beeindruckt. "Aber noch lieber würden wir uns dieses Geld erarbeiten, indem wir viele Gäste begrüßen und begeistern." Leider seien jetzt viele Buchungen storniert worden, auch von Stammgästen. Dabei sei die Region über Katastrophentourismus, den manch einer offenbar noch an den Elbufern vermute, längst hinweg. Nach den Gästezimmern ist auch der Freizeitpark mit Freifallrutsche, Looping-Rad, Klettergarten und Labyrinth wieder voll nutzbar. Noch höher hinaus will der findige Unternehmer von der Fulda nun mit einem Action-Park an der Elbe.

Die Sächsische Schweiz ist für Nuhn "einer der fantastischsten Landstriche weltweit. Ich kann das beurteilen." Denn viel rumgekommen in der Welt ist er schon. Gleich nach dem Abi hatte er sich auf die Reise um die ganze Welt gemacht, später Volkswirtschaft studiert und nebenbei in der Gastronomie gejobbt. Friedliche Revolution und deutsche Wiedervereinigung erlebten er und seine Freundin aus der Ferne, weil sie gerade Südamerika durchkreuzten, wieder im Fahrradsattel. Nach der Rückkehr begann Nuhn Fuhrgeschäfte mit Bimmelbahnen an der Wartburg, später auch in Leipzig, Koburg, Moritzburg und auf Rügen.

"Was mich in Krisenzeiten immer wieder überrascht, ist dieser unglaubliche Zusammenhalt. Wie Menschen plötzlich jeglichen Egoismus abschütteln." Nach kurzem Schweigen fügt er hinzu: "Leider hält dieses Glück im Unglück nie lange an."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.07.2013

Mahr, Winfried

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