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Hirschtein - Schlossverkauf für einen Euro

Hirschtein - Schlossverkauf für einen Euro

Schloss Hirschstein soll noch dieses Jahr den Besitzer wechseln. Der Landkreis Meißen will das Kleinod an die Gemeinde Hirschstein verkaufen.

Hirschstein.

Von Stephan Klingbeil

Verträge werden derzeit vorbereitet, hieß es gestern aus dem Landratsamt. Steht die Vereinbarung, müsse sie noch von der Landesdirektion abgesegnet werden. Gemeinde und Kreistag gaben bereits grünes Licht für das Vorhaben.

Der Preis steht schon fest: ein Euro. Die symbolische Summe war Bedingung der Hirschsteiner für den Kauf von Schloss, Nebengebäuden und den entsprechenden Grundstücken. Darüber hinaus stellt der Kreis einen Zuschuss von 105 000 Euro bereit, um Schloss und Gelände nutzbar zu machen. "Der Landkreis kann die Nutzung des Areals nicht absichern, sondern nur die nötigen Verwaltungsleistungen erbringen", teilte das Landratsamt mit. "Nun kann eine weitere Nutzung der Grundstücke und Gebäude gewährleistet werden." Daran sind auch die Gemeinde und der Heimat- und Förderverein Oberes Elbtal interessiert, die das Schloss aus dem Dornröschenschlaf erwecken wollen und schrittweise Reparaturen anvisieren. Zwar wurden Fassade und Dach schon erneuert, aber die Heizung ist seit 2006 außer Betrieb. Ein Wasserschaden im Nebengebäude muss beseitigt werden.

Das von den Nationalsozialisten im Krieg als Gefängnis, später als Lazarett der Sowjets und anschließend als Kindersanatorium genutzte Schloss steht seit 2006 leer. Der Trägerverein hatte das Areal vom Kreis übernommen, ging aber pleite. Die Reha-Einrichtung machte dicht. Und ein neuer Investor fand sich nicht, obwohl es laut Landratsamt immer wieder Nachfragen gab. "Ernsthafte Angebote" blieben aus. Nun übernimmt die Gemeinde. Dort will man das Schloss als "öffentlich zugängliches Wahrzeichen" und touristische Attraktion erhalten. Hirschstein schließt jedoch einen Weiterverkauf in Absprache mit dem Kreis nicht völlig aus und verweist dabei darauf, dass die Entwicklung der Gemeinde und ihrer Infrastruktur künftig keinesfalls benachteiligt werden soll. Ferner sei man interessiert an Mietern oder Pächtern für die Anlage.

Ein Konzept steht noch aus, aber vor allem der Verein hatte sich lange dafür eingesetzt, dass das verwaiste Schloss wieder für Besucher offen steht. Immer wieder habe es Anfragen dazu von Gästen gegeben. "Wir wollen, dass hier wieder Leben einzieht", erklärt der Vereinsvorsitzende Frieder Winkler. Stück für Stück könnte aus dem Schloss ein Kulturzentrum werden. Der Verein habe viele Ideen. "Eine solche Initiative ist bei einem gemeinnützigen Verein mindestens so gut aufgehoben wie in der notwendigerweise gelegentlich etwas schwerfälligen Bürokratie", sagt der Radebeuler Landtagsabgeordnete Geert Mackenroth (CDU) zum Verein.

Kulturelle Angebote gibt es schon im Schloss. Vor elf Tagen gastierte dort erstmals die Klassikreihe "Musik an den Höfen des Meissnischen Landadels". Das Konzert war schnell ausverkauft. Am 2. September soll ab 16 Uhr auch wieder im Porzellansaal musiziert werden. Dort ist ein Jazz-Pop-Konzert des Dresdner "Quartett Spontane" geplant. Ferner ist das Schloss jeden Sonntag von 13 bis 16 Uhr geöffnet. Bei der Gaststätte Waldblick kann man sich unter der Rufnummer 035266/80106 für Führungen ab zehn Personen anmelden.

Das Schloss Hirschstein befindet sich in Neuhirschstein, südöstlich von Riesa. Es wurde im zehnten Jahrhundert am linken Elbufer auf Granit in 33 Meter Höhe errichtet, von 1687 bis 1700 und 1892/94 wurde das Schloss umgebaut.

Über der Eingangshalle befand sich ein Porzellansaal mit Schätzen aus aller Welt. Auch ein aus Meissner Porzellan gefertigter Kamin stand darin.

1892 kaufte Tuchfabrikant Ludwig Leuschner das Anwesen für seine Tochter Luise - als Hochzeitsgeschenk. Luise wohnt bis zur Enteignung durch das NS-Regime 1943 im Schloss. Die Nazis richten dort ein Gefängnis ein, wo sie Belgiens König Leopold und seine Familie 1944/45 gefangen hielten. Nach Kriegsende war das Schloss Lazarett. 1949 wurde es Kindererholungsheim. Bis 2006 war es Sanatorium und Reha-Klinik für Kinder. Seit 2009 ist der Kreis Eigentümer. Skl

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 31.07.2012

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