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"Hier ist jetzt Leben drin"

Rauhentalstraße in Meißen "Hier ist jetzt Leben drin"

"Die Angst muss aufhören", sagt Ingolf Brumm. Der Meißner Bauunternehmer weiß, was er sagt, könnte aber vermutlich noch mehr zum Thema Mut beitragen. Ende Juni ging ein Wohnhaus in Flammen auf, das er gerade als Asyl-Unterkunft einrichten ließ.

SPD-Landeschef Martin Dulig (li.) bei einem Besuch im Asylbewerberheim an der Rauhentalstraße in Meißen im Gespräch mit Ahmad Seyar Rasully, der dort mit seiner Frau und seinen drei Kindern lebt.

Quelle: dpa

Meißen. "Die Angst muss aufhören", sagt Ingolf Brumm. Der Meißner Bauunternehmer weiß, was er sagt, könnte aber vermutlich noch mehr zum Thema Mut beitragen. Ende Juni ging ein Wohnhaus in Flammen auf, das er gerade als Asyl-Unterkunft einrichten ließ. Meißen wurde damals bundesweit zum Symbolort für Fremdenhass, Bundes- und Landespolitiker beeilten sich, um an der Rauhentalstraße ihrer Betroffenheit Ausdruck zu verleihen.

Brumm ertrug im Anschluss über Wochen und Monate persönliche Bedrohungen, ließ über seine Versicherung den 250 000 Euro teuren Schaden zahlen und beauftragte eine Spezialfirma, die völlig zerstörten Räume für eine erneute Sanierung herzurichten. Als das nach zwei Monaten geschafft war, gab es im August einen neuen Anschlag, diesmal mit Wasser, der allerdings fehlging. Noch einmal 10 000 Euro Schaden. Ende September zogen dann die ersten Asylbewerber ein. Sechs Familien sind es inzwischen, vier aus Syrien, zwei aus Afghanistan. "19 Kinder leben im Haus", sagt Brumm. Dazu hat der Verein "Buntes Meißen" seine Geschäftsstelle in einer Wohnung. "Hier ist jetzt Leben drin", sagt Brumm. Das ist ihm wichtig.

Im Haus lebt Seyar Rasuly mit seiner Frau Samira und den drei Söhnen. Die Familie ist aus Nordafghanistan geflüchtet, wegen der Attentate und weil niemand für ihre Sicherheit garantieren wollte. Rasuly ist Telekommunikationsingenieur, kann Zertifikate über absolvierte Universitätskurse auch aus China vorweisen, seine Frau hat als Grundschullehrerin gearbeitet. "Es ging uns gut, aber wegen der Unsicherheit mussten wir fliehen", sagt er. Jetzt ist er zur Untätigkeit verdammt und das nagt an ihm. Weil sein Asylstatus ungeklärt ist, bekommt er keinen staatlichen Deutschunterricht. "Uns geht es gut hier, wenn es nur nicht die Sprachprobleme gebe", sagt er in fließendem Englisch. Lieber heute als morgen würde er gern mit einer Arbeit anfangen. Dass es auch in seiner neuen Heimat einen Anschlag gegeben hat, genau auf das Haus, in dem er jetzt lebt, darüber verliert er keine Silbe.

Dabei zeigt die Fassade noch rußige Brandschlieren. Auch im Treppenhaus hat man nur das Nötigste gemacht. Künstler sollen es freundlich gestalten, die Gesamtkonzeption haben Kay Leonhardt und Daniel Bahrmann übernommen. "Es ist ein Haus, das Geschichte geschrieben hat und das soll man sehen", sagt Eigentümer Brumm. Die Rauhentalstraße 14 soll eine Art Muster-Asyl sein, ein Symbol dafür, dass es geht. Gerade in Meißen, gerade im Triebischtal. Die zwei Tatverdächtigen, die die Polizei Anfang Dezember ermittelt hat, lebten gerade mal knapp 150 Meter von dem Haus entfernt, das sie angezündet haben sollen, wie Brumm sagt. Langsam zeigt sich, dass seine Beharrlichkeit Erfolg trägt. Es gehe jetzt ruhiger auf der Straße zu, auch sei er seit zwei Wochen nicht mehr bedroht werden. "Die Leute sehen, dass hier Familien leben, dass es funktioniert", sagt er. Ein stiller Triumph für ihn, für Meißen eine Hoffnung.

Uwe Hofmann

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