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"Hier ist es himmlisch ..." - Mit der VIII. Schumanniade Kreischa lädt Peter Schreier zu erlesenem Kunstgenuss ein

"Hier ist es himmlisch ..." - Mit der VIII. Schumanniade Kreischa lädt Peter Schreier zu erlesenem Kunstgenuss ein

Wenn Kammersänger Peter Schreier von seinem Haus am Rande des Ortes Lungkwitz bei Kreischa ins Weite schaut, sieht er landschaftliche Harmonie. Sanft geschwungene Hügel, grüne Wälder, Felder und Baumalleen am Horizont und auch mal postkartenidyllisch ein Pferd auf der Weide.

Es scheint, als sei hier die Welt stehen geblieben und wechselten die Bilder nur mit den Jahreszeiten. Ähnlich idyllisch muss es Robert Schumann empfunden haben, als er mit seiner Familie am 5. Mai 1849 aus dem pulverdampfenden Dresden nach Maxen und dann Kreischa flieht. In der Residenzstadt, in der die Schumanns seit Dezember 1844 weilen, lärmen Barrikadenkämpfe. "Sonst leben wir", schreibt Schumann am 31. Mai 1849 an Franz Liszt in Weimar, "von der Revolution vertrieben, hier in traulicher Stille - und die Lust zur Arbeit, wenn auch die großen Weltbegebenheiten die Gedanken in Anspruch nehmen, will eher wachsen als abnehmen." Und seinem Nachfolger bei der in Leipzig erscheinenden "Neuen Zeitschrift für Musik", Franz Brendel, gibt er kund: "Ach ja - von den Schmerzen und Freuden, die die Zeit bewegten, zu erzählen, dies, fühl ich, ist mir vor vielen anderen zuerteilt worden."

Es fließt dem Komponisten in diesem bewegten Jahr geradezu aus der Feder, zahlreiche Vokal- und Instrumentalwerke datieren aus dieser Zeit. Und in seinen Tagebüchern hat Schumann Weg und Steg jeder unternommenen Wanderung genau aufgezeichnet.

Auch für Clara Schumann sind es entspannte, ja glückliche Tage: "Hier ist es himmlisch, und wir haben nie das Frühjahr schöner genossen als gerade dies Jahr inmitten aller Wirren der Außenwelt. Es ist, als ob das Schmerzliche von außen ganz entgegengesetzte Empfindungen in meinem Manne erregt, denn gerade in letzter Zeit hat mein Mann die lieblichsten, friedlichsten Lieder gemacht, wo jeder glaubte, er würde sich in den fürchterlichen Schlachtsymphonien auslassen."

Das unbeschwerte Intermezzo dauert nicht allzu lange, bereits 1850 verlassen die Schumanns Sachsen und gehen nach Düsseldorf. Die in Kreischa gezogenen Spuren bleiben zwar im Bewusstsein der Öffentlichkeit, aber erst der 1994 u.a. auf Initiative von Martin Schneider-Marfels gegründete Kunst- und Kulturverein "Robert Schumann" Kreischa e.V. macht sich um eine gründliche Aufarbeitung des Aufenthaltes Robert Schumanns in einem "der lieblichsten Orte um Dresden" verdient.

Peter Schreier, der nicht nur die Landschaft um Maxen und Reinhardtsgrimma liebt, sondern auch das Werk Schumanns und diesem im Verlauf seiner künstlerischen Karriere als Sänger und Dirigent gedient hat, ist Ehrenvorsitzender des Vereins und als solcher für das Programm der in der Regel aller zwei Jahre stattfindenden "Schumanniade Kreischa" verantwortlich. 1999 gab es diese zum ersten Mal, und da 2010 Schumann-Jahr war und dafür zwischen V. und VI. Schumanniade ein Jahr mehr Pause eingelegt wurde, ist es in nun der VIII. Jahrgang, zu dem eingeladen wird.

Zur Eröffnung am 27. Juni, 20 Uhr, erklingt in der Kirche zu Kreischa Schumanns Missa sacra c-Moll op. 147, die 1852/53 in Düsseldorf entstand. Außerdem wird die Motette "Verzweifle nicht im Schmerzensthal" für doppelten Männerchor aufgeführt, die Schumann vom 23. bis 31. Mai 1849 in Kreischa komponierte und deren A-cappella-Fassung er später eine Orgelbegleitung hinzufügte. Das Werk weist hohe gesangstechnische Anforderungen und harmonische Kühnheiten auf und wird zur Schumanniade vom Dresdner Kammerchor Cantamus dargeboten. Dieser singt auch die Missa sacra, außerdem ist dazu Ausdruckstanz zu erleben. Peter Schreier, der die Aufführungen dirigiert, ist gespannt auf das Zusammenwirken der verschiedenen Künste, freut sich sehr auf die Zusammenarbeit mit der Tänzerin Carola Tautz; die Choreografie stammt von Harald Wandtke, der von 1980 bis 1990 Chefchoreograf der Staatsoper Dresden war.

Clara Schumann gewidmet ist Schumanns Liederkreis "Myrthen" aus dem Jahr 1840. "Ach, Clara, was das für eine Seligkeit ist, für Gesang zu schreiben", heißt es in einem Brief des Komponisten an die Umworbene. "Wie mir dies alles leicht geworden, kann ich dir nicht sagen, und wie glücklich ich dabei war. Es ist doch eine ganz andere Musik, die nicht erst durch die Finger getragen wird - viel unmittelbarer und melodiöser."

26 Lieder vereinen die "Myrthen" mit Texten von sieben Dichtern: Friedrich Rückert, Johann Wolfgang von Goethe, Heinrich Heine, Julius Mosen, Robert Burns, Lord Byron und Thomas Moore. Der Zyklus, den Schumann seiner Braut am Vorabend ihrer beider Vermählung überreicht, ist nur selten geschlossen zu hören und darf schon aus diesem Grund als ein Höhepunkt der VIII. Schumanniade angekündigt werden. Am 28. Juni, 20 Uhr, singen Ute Selbig (Sopran) und Andreas Scheibner (Bass) im Schloss Reinhardtsgrimma, am Klavier musiziert dazu mit Camillo Radicke ein Liedbegleiter par excellence; die Schauspieler Christine Hoppe und Lars Jung lesen aus Briefen.

Am dritten Tag der diesjährigen Schumanniade kommt mit András Schiff nicht nur einer der Peter Schreier am engsten vertrauten Künstler, sondern zudem ein Pianist, der das kleine, aber feine Festival seit dessen Anfangsjahren begleitet und mitgestaltet hat. Im Schloss Reinhardtsgrimma wird er am 29. Juni, 11 Uhr, Stücke von Johann Sebastian Bach und Schumanns Symphonische Etüden cis-Moll, sogenannte "Charaktervariationen", und die einst Chopin gewidmeten und als Kreisleriana op. 16 1838 veröffentlichten Phantasien spielen. Es dürfte ein erlesener Vormittag pianistischer Kunst werden und auch eine Ahnung von der Virtuosität und musikalischen Klasse Clara Wiecks geben, die die Stücke einst erstaufgeführt hatte.

Die Karten für die einzelnen Konzerte kosten zwischen 15 und 55 Euro. Info und Vorverkauf; Marion Pötzschke, Tel./Fax 03529/5841368. e-mail: schumanniade@kvkreischa.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.06.2014

Kerstin Leiße

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