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Heidenaus scheidender Bürgermeister Jacobs: "Bald muss ich wieder selber wählen"

Heidenaus scheidender Bürgermeister Jacobs: "Bald muss ich wieder selber wählen"

Herr Jacobs, Sie hätten noch bis 2015 Bürgermeister bleiben können. Michael Jacobs: Unter anderem bin ich nun 65 Jahre alt geworden. Da muss man akzeptieren, dass man nicht mehr so leistungsfähig ist.

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Michael Jacobs letzte Amtshandlung am 26. Oktober: das Büro aufräumen, den Rathausschlüssel abgeben und dann nach Hause gehen.

Quelle: Christian Juppe

Herr Jacobs, Sie hätten noch bis 2015 Bürgermeister bleiben können. Warum gehen Sie eher?

Michael Jacobs: Unter anderem bin ich nun 65 Jahre alt geworden. Da muss man akzeptieren, dass man nicht mehr so leistungsfähig ist. Als Bürgermeister sollte man auch eine gewisse Robustheit in der Gesundheit haben. Denn die Arbeitszeiten und die psychische Beanspruchung sind schon enorm. Und wenn man dann ein gewisses Alter erreicht hat, muss man überlegen, ob man den Aufgaben noch gewachsen ist.

Und da denkt der Laie, Bürgermeister ist ein toller Job...

Ist es auch. Ein Kollege hat mir mal gesagt: Ein Bürgermeister ist wie eine Laterne - oben leuchten und unten kann jeder dranpinkeln. Aber es ist nicht nur ein repräsentativer Beruf, das ist ja nur ein ganz schmaler Bereich der Arbeit. Vielmehr muss ein Unternehmen geleitet werden und das ist bei über 135 Beschäftigten nicht gerade klein.

Wie schafft man es, so lange im Amt zu bleiben?

Ja, man sollte schon einen Plan haben, was man erreichen will. Meine kommunalpolitischen Zielsetzungen haben die Heidenauer offensichtlich mit mir geteilt. An Mitbewerbern hatte es ja bei den Wahlen nicht gemangelt und es gab in der Vergangenheit auch richtig heftige Wahlkämpfe.

Fällt es Ihnen schwer zu gehen?

Nein. Ich kann das Rathaus erhobenen Hauptes verlassen, ich übergebe einen geordneten Haushalt und die Finanzen sind in Ordnung. Es ist ein sehr angenehmer Abschied. Ich bin froh über das, was wir erreicht haben in Heidenau.

Was wird Ihnen fehlen?

Ich kann mir schon vorstellen, dass ich hin und wieder denke: Mensch, das eine oder das andere wäre nicht schlecht, wenn man da Unterstützung hätte. Ich habe ja hier eine Infrastruktur, die mir bald nicht mehr zur Verfügung steht. Wenn ich jemanden anrufen will, ist die Technik hier so ausgelegt, dass ich nicht mal das Telefon bedienen muss. Da wird der Anruf über das E-Mail-Programm hergestellt. So etwas steht mir als Rentner nicht mehr zur Verfügung. Da muss ich dann wieder selber wählen. Aber das sind Nebensächlichkeiten.

Gibt es schon Pläne für den Ruhestand?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich ratlos auf meinem Sofa sitzen werde und nicht weiß, was ich mit meiner Zeit anfangen soll. Jedes Mal, wenn ich dienstlich in Bad Schandau zu tun habe, merke ich in was für einer schönen Gegend ich wohne. Ich will damit sagen, ich möchte ein bisschen mehr von meiner schönen Heimat Sachsen sehen. Ich habe mir auch ein Fahrrad gekauft, damit ich ein bisschen langsamer durch die Gegend komme. Nicht nur durch die Sächsische Schweiz, um Dresden herum gibt es ja viele schöne Ecken. Und natürlich wartet meine Familie darauf, dass ich etwas mehr Zeit habe. Ich freue mich schon, wenn ich mit meinen Enkeln zum Beispiel zum Fußball gehen kann.

Haben Sie eine Anekdote aus dem Berufsleben parat?

Ich hatte ja auch die Aufgabe, die hochbetagten Jubilare zu besuchen. Einmal besuchte ich eine 90-Jährige, die im Kreise ihrer Familie saß und sie war auch noch recht agil. Sie hat sich dann so neben mich gesetzt, mich angeguckt und gesagt: "Ach, das ist aber ein netter junger Bürgermeister." Und dann ist sie noch ein Stück rangerutscht und hat mir die Hand auf den Oberschenkel gelegt.

An welche Ereignisse werden Sie sich noch lange erinnern?

Es gibt schon freudige Ereignisse, zum Beispiel wenn man sich als Stadt bei einem Wettbewerb beteiligt und einen Treppchenplatz erreicht. Das ist schon 'ne Geschichte. Die letzte großartige Sache war 2011, wo wir in Maastricht für "Little Bird" ausgezeichnet worden sind. Dabei handelt es sich um unsere zentrale Kitaplatzvergabe, die wir gemeinsam mit der Privatfirma "Little Bird" entwickelt haben.

Wollen Sie kommunalpolitisch aktiv bleiben?

Ich gehöre weiter dem Kreistag an. Aber hier in der Stadt werde ich nicht mehr politisch aktiv sein.

Wie wird Ihr letzter Arbeitstag aussehen?

Der ist sehr überschaubar. Am 25. Oktober leite ich den letzten Stadtrat und anschließend wird meine Verabschiedung sein. Und am Freitag werde ich das letzte noch aufräumen, den Rathausschlüssel abgeben und dann werde ich nach Hause gehen.

Ein besonderes Abschiedsritual hatten sich die Mitarbeiter der Stadt Heidenau für ihren scheidenden Bürgermeister Michael Jacobs ausgedacht. Er bekam einen Laufzettel. Laut diesem musste er in den vergangenen Tagen unter anderem im Hort der Gleisbergschule Kinder bespaßen, in einen Abwasserkanal steigen und mit der Tierrettung eine Katze vom Baum holen. Nach 22 Berufsjahren geht Jacobs nun in Rente. DNN-Redakteurin Madeleine Arndt traf ihn noch einmal in seinem Büro.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.10.2012

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