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Haselnüsse in Rathen: Aschenbrödel auf der Felsenbühne

Haselnüsse in Rathen: Aschenbrödel auf der Felsenbühne

In Rathen wimmelt es von verlorenen Schuhen. Sollen das letzte Reste der Flut sein? Pablo, mein siebenjähriger Sohn, deutet die auffällige Schusterskunst anders: Aschenbrödel muss eine Tausendfüßlerin gewesen sein.

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Sie macht nicht nur im Sattel eine gute Figur: Sandra Maria Huimann ist auf der Felsenbühne Rathen ein Aschenbrödel zum Verlieben.

Quelle: Detlef Ulbrich

Ach richtig, wir sind auf dem Weg zur Musical-Premiere "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel". Der wird links und rechts der Elbe bis hinauf zur Felsenbühne Rathen von Dutzenden Damenschuhen gewiesen, die an Laternen und Wänden hängen, um die Gäste einzustimmen auf das Wagnis einer Uraufführung, frei nach dem gleichnamigen Film, der immerhin Kultstatus hat.

1973 als Gemeinschaftsproduktion von CSSR und DDR herausgekommen, hat dieser Märchenfilm - je nach Sozialisation des Publikums - inzwischen mehrere Generationen geprägt. Weit mehr als an den Überlieferungen der Gebrüder Grimm oder von Ludwig Bechstein muss sich jedes neue Herangehen an diesen Stoff also am filmischen Produkt messen lassen, das seit zehn Jahren auch als DVD vorliegt.

Die Produktion der Landesbühnen Sachsen tut das ganz bewusst. Man hat sich erfolgreich um die Nutzung des Originaltitels und der Filmmusik bemüht, setzt Anklänge derselben auch ein und ist sich deren emotionaler Wirkungen auch bewusst. Der Rest aber ist in der Tat Wagnis. Denn wer sollte beispielsweise die betörende Libuse Safránková (damals 20) auch nur annähernd ersetzen können? Und wer den inzwischen 82-jährigen Rolf Hoppe als König?

Landesbühnen-Intendant Manuel Schöbel hat es getan, hat das filmische Märchen auf die Felsenbühne gesetzt, ohne den Klassiker eins zu eins kopieren zu wollen. Dennoch finden sich die wesentlichen Stationen auch hier. Andeutungen wie ein Taubenschlag genügen, schon sind wir am Gutshof von Aschenbrödel und ihrer herrschsüchtigen Stiefmutter. Von Anfang an sind die Sympathien ganz klar abgesteckt: Dorchen, die dümmlich gemeine Tochter, hat keine Chance. Nicht wegen ihrer riesigen Nase, sondern weil sie kaum mehr als ein Nachplappern der Bösartigkeiten ihrer Mutter zustande bringt. Julia Vincze und Cordula Hanns geben da ein fieses Paar, unter dem der ganze Hof zu leiden hat. Gutmütig und duldsam muss der alte Knecht Vincent sich fügen und hilflos alle Schikanen mit ansehen. Mario Kahl mimt ganz auf väterlicher Freund. Aschenbrödel aber, zur Premiere von Sandra Maria Huimann gespielt, weckt sofort den Neid auf alle Prinzen. Sie ist selbstbewusst und klug, die Güte in Person, Angst ist ihr fremd. Kein Wunder, dass der Prinz - von Michael Berndt auf der Balance zwischen adligem Einfaltspinsel und adoleszentem Revoluzzer gespielt - seinen Ausbruchsversuch weg von der Thronfolge hin zur Natur noch einmal gründlich überdenkt. Nicht nur das Königspaar - Anke Teickner und Tom Hantschel als lebensechte Familienbande (zudem führen sie noch als Prinzipalin und Prinzipal durch die Geschichte) -, auch das gesamte Publikum ist höchst angetan von dieser Maid. Als sie auf ihrem hübschen Schimmel Nikolaus im himmelblauen Ballkleid eingeritten kommt, geht ein Ah und Oh durch die Menge, was Bände spricht. Wir wollen uns doch alle gern verzaubern lassen, nicht? Und an das Gute glauben?!

Bekanntlich wurde der Filmklassiker auch in Moritzburg gedreht, also kam das Jagdschloss als originelle Kulisse auf die Felsenbühne. Putzige Ideen in allen Details der Ausstattung von Klaus Noack und Barbara Noack, ob nun possierliche Tierkostüme für Dachs, Frosch, Fuchs und Igel oder die Pracht der Damenkleider und die ebenso charakteristischen Roben der Herren. Ein Hingucker durch und durch - aber auch ein Schmeckerchen für die Ohren. Thomas Zaufke hat für seine Bühnenmusik reichlich aus dem Original zitieren dürfen und doch eine ganz eigene Handschrift gefunden, da klingen Spannung ebenso wie süßes Sentiment mit an. Da "Aschenbrödel" jetzt den Sommer durch mehr als zwei Dutzend Mal aufgeführt wird, gibt es wechselnd eine Schauspiel- und eine Musiktheaterbesetzung (deren Premiere am 30. Juni). Schon jetzt ist klar, dass sich die Leute vom Sprechtheater mit ihren musikalischen Leistungen überhaupt nicht verstecken müssen.

Auffällig angenehm, wie schon die güldenen Schuhe, ist der Fakt, hier keinem Kommerz, sondern einem künstlerischen Produkt begegnet zu sein. Da wird auf Schnickschnack verzichtet, Konditoren steuern aber leckere Aschenbrödel-Brote, Kolatschen und Kleingebäck mit dem Stücktitel bei. Einziger Tausendfüßler ist auf dem Heimweg ein glückliches Publikum, denn mehr als 1500 Gäste haben der Premiere am Samstag beigewohnt.

nächste Aufführungen: 29., 30.6., 7.,8., 26., 27., 28., 30., 31.7.

www.landesbuehnen-sachsen.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.06.2013

Michael Ernst

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