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Harpyie, Höhlentroll und Basilisk

Harpyie, Höhlentroll und Basilisk

"Harpyien sind eine abstoßende Kreuzung aus Vogel und Mensch und legen von beiden die schlechtesten Eigenschaften an den Tag. Sie haben das Gesicht und den Körper von Hexen, bedeckt mit schmutzigem, struppigem Gefieder.

Königstein.

Von Madeleine Arndt

Ihre vogelartigen Füße und die kurzen Stummelflügel sind dreckverkrustet. Ihre harschen, schrillen Stimmen schmerzen in den Ohren wie das Kratzen einer Schwertklinge über den Felsen." Diese lyrische Beschreibung liest der Besucher des Königsteiner Fabel-und Mythenparks, während sich vor ihm tatsächlich ein außerordentlich hässliches Wesen erhebt, das mit langen Klauen nach ihm greifen will. Glücklicherweise besteht die abscheuliche Vertreterin der griechischen Mythologie aus Sandstein - ist also harmlos.

Kurz vor Gohrisch in einem 15 000 Quadratmeter großen, zugewachsenen Steinbruch trifft man auf fantastische Gestalten aus den Sagenwelten verschiedener Regionen - von Europa bis nach Persien und Amerika. Da hockt ein skandinavischer Höhlentroll im Unterholz, ein Greif ruht majestätisch unter einer Lärche und ein Basilisk, ein Mischwesen aus Hahn und Schlange, droht mit seinen ausgebreiteten Schwingen. Zwei Dutzend Sandsteinskulpturen hat der Bildhauer Jürgen Fleck hier geschaffen. Und jährlich kommen neue hinzu. Gerade arbeitet der 40-Jährige an einem Dyre. "Das Tier ist eine Mischung aus Bär und Stier und stammt aus der nordamerikanischen Mythologie", erklärt er.

Flecks Bildhauerkarriere begann im Schloss Albrechtsberg, das noch Pionierpalast hieß, als er dort als Zehnjähriger in der AG Keramik Ton- männchen formte. "Ich hab erst ganz kleene Männel gemacht und dann wurden sie immer größer", fasst Fleck seinen beruflichen Werdegang mit sächsischem Humor zusammen. Bald hatte der gebürtige Dresdner mit ungewöhnlichen Figuren zu tun, unter anderem als er als Restaurator am Dresdner Schloss arbeitete. Das weckte sein Interesse für Mythen und Sagen. Nachdem die Restaurationsfirma pleite ging, wagte Fleck den Sprung in die Selbstständigkeit. Er erwarb den lauschigen Steinbruch bei Königstein mit dem ehemaligen Kurheim Luisenhof und eröffnete hier vor neun Jahren den Fabel- und Mythenpark. "Eigentlich wollte ich nur den Wald haben. Er passt einfach zur Mythologie. Denn viele Geschichten spielen sich in Wäldern ab", sagt Fleck, der nun im Luisenhof wohnt.

Etwa 3000 Besucher sehen sich jedes Jahr seine Skulpturen an. Nach dem Rundgang kommen sie an der offenen Werkstatt des Bildhauers an. Dort können die Älteren mit Fleck fachsimpeln während die Kleinen im Streichelzoo Zwergschafe und Minischweine anfassen dürfen. Der Bildhauer betreibt den Park allein. Zum Kassieren legt er Holzklüpfel und Eisen beiseite, danach widmet er sich in seiner Freiluftwerkstatt wieder den Skulpturen. Die meisten sind Auftragswerke und nicht für den Park gedacht. Anders der Dyre: Etwa drei Monate Arbeitszeit braucht Fleck, um aus dem meterhohen Sandsteinblock das Untier zu herauszuhauen. Nächstes Frühjahr soll es seinen Platz im Mythenpark bekommen. Mit Hilfe von Holzrollen und einer Seilwinde muss es in das lauschige Wäldchen gesetzt werden. "Ganz klassisch. Wie es schon die alten Ägypter gemacht haben", erzählt Fleck. "Das dauert dann auch ein bis zwei Tage."

Noch bis Ende Oktober stehen die Tore des Mythenparks dieses Jahr offen. Im Herbst ist ein Spaziergang besonders reizvoll. Denn einige steinerne Fabelwesen sind durch den Regen von grünen Moosen überzogen und wollen zwischen den Bäumen und Sträuchern entdeckt werden.

Fabel- und Mythenpark: Königstein, Gohrischer Str. 20; Ostern - Oktober, Mi - So von 10-18 Uhr, Eintritt: 3 Euro, Kinder nach Größe: 1 Cent pro cm, bis 4 Jahre Eintritt frei

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.10.2012

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