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Hans-Jochen Gramann ist als ehrenamtlicher Radwegewart im Landkreis Meißen im Dauereinsatz

Hans-Jochen Gramann ist als ehrenamtlicher Radwegewart im Landkreis Meißen im Dauereinsatz

Hans-Jochen Gramann hat viel zu tun. Wenigstens alle zwei Tage sitzt der 75-Jährige im Fahrradsattel, legt im Jahr ungefähr 10 000 Kilometer zurück.

Weinböhla.

Der Weinböhlaer ist Radwegewart im Landkreis Meißen, ein Ehrenamt, das ihm das Landratsamt auf den Leib geschneidert hat und für das er mitunter 40 Stunden und mehr in der Woche arbeitet, gerade jetzt, zu Beginn der Fahrradsaison. "Ich muss alles abfahren und kontrollieren, ob es in Ordnung ist", sagt Gramann. Gemeint sind die 57 Radrouten, die der Weinböhlaer im gesamten Landkreis ausgeschildert hat, ein Radwegenetz von insgesamt 1385 Kilometern. Hinzu kommt der Elberadweg, wo ebenfalls verschiedene Wegweiser und sogar Ortseingangsschilder überprüft sein wollen. Eine kräftezehrende Aufgabe, die für Gramann offenbar genau das richtige ist.

1996 hat der damalige Sportlehrer im Zuge des Profilunterrichts eine Gruppe für das gerade in Mode gekommene Mountainbike-Fahren gegründet. Schnell waren geeignete Routen im nahen Friedewald gefunden, die der gewissenhafte Gramann in einem Aushang im Schulgebäude bekannt machte. Dort las Bürgermeister Reinhart Franke (CDU) davon und überzeugte den Sportlehrer, die Radwege öffentlich zu machen. Diese sieben Routen, die in einer Broschüre beschrieben wurden, waren der Anfang von allem. 2004 schied Gramann mit 65 Jahren aus dem Schuldienst aus. "Sie können nicht einfach aufhören", habe Bürgermeister Franke daraufhin gesagt, erinnert sich Gramann heute. Die Idee zum Radwegewart war geboren. Gramann wollte ohnehin die Wege lieber ausschildern, als sie nur in einer Broschüre zu beschreiben. Radler sollten sich ohne Karte oder Navigationsgerät zurechtfinden können, lautet sein Anspruch. Entsprechend wies er vor zehn Jahren die erste Route, "Elbe-Nassau-Friedewald" über 25 Kilometer aus. "Es geht um Radrouten, die von der Elbe weg in die Landschaft und zu Sehenswürdigkeiten führen", erläutert Gramann sein Konzept. Von der Idee bis zur Montage der Wegweiser ist alles seine Arbeit. Sogar die Gestaltung der Schilder geht auf ihn zurück. Gramann entwirft sie am heimischen PC. Dafür brauche es doch keine Werbe-Agentur, die nur Geld kostet, sagt er dazu knapp. Der Landkreis zahlt so nur die Sachkosten für die Beschilderung, Gramann bekommt als Ehrenamtlicher dazu eine Entschädigung. Dafür bekommt der Landkreis eines der am besten ausgebauten Radwegenetze des Landes - kein schlechter Handel aus Sicht des Landratsamts.

Gramann verhehlt nicht, dass zu seinem Job auch viele Stunden im Arbeitszimmer gehören. Jeder der knapp 3000 Wegweiser ist in ein Kataster eingetragen und genau beschrieben, so dass für den Fall, dass eine Reparatur notwendig wird, Mitarbeiter der jeweiligen Gemeinden genau wissen, welche Teile sie mitbringen müssen, bevor sie zum schadhaften Schild fahren. Einen kleinen Satz mit Reparaturmaterialien führt Gramann aber stets mit sich, wenn er auf seinen Kontrollfahren unterwegs ist.

Dann ist er so richtig in seinem Element. Er will als Ansprechpartner präsent sein, hat an seinem Fahrrad ein eigenes Signet befestigt, das ihn als Radwegewart ausweist. Leicht kommt er mit Radlern ins Gespräch. Manchmal ist es ein netter Plausch, manchmal gibt es Lob für die geleistete Arbeit, manchmal bekommt er aber auch Hinweise, wo eine neue Route entlangführen könnte. Auch per E-Mail wird er gelegentlich angeschrieben. Jede dieser Strecken fährt er selbst ab, prüft, ob nicht etwa Gefahrenstellen wie etwa vielbefahrene Straßen einer Ausweisung im Wege stehen oder ob die Route über privates Eigentum führt. Ein Hinderungsgrund, der laut Gramann öfter vorkommt, als die meisten denken. Ist es machbar, nimmt der Weinböhlaer die nächste Route in sein akribisch geführtes Register auf. Wieder eine Strecke mehr, die er regelmäßig abfahren muss.

"Der Radtourismus boomt, das merken gerade die Gasthäuser. Also müssen wir das Geschaffene erhalten", sagt Gramann. Aber können das nicht andere auch? Er denke schon ans Kürzertreten, aber vorerst ist es noch nicht so weit, antwortet er. Immerhin meldet sich hin und wieder jemand, der Teile seines Einsatzgebiets übernehmen könnte. Ein Nachfolger sei aber noch nicht in Sicht. Und wie findet es die werte Gattin, dass ihr Ehemann bei jedem Wetter durch den Landkreis radelt? "Ich weiß, dass ich es ohne ihre Unterstützung und ihr Verständnis nicht machen könnte", sagt Gramann.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.05.2014

Uwe Hofmann

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