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Gute Taten im Akkord: Radebeuler Chirurg hilft ehrenamtlich in Tansania

Gute Taten im Akkord: Radebeuler Chirurg hilft ehrenamtlich in Tansania

"Es ist für mich die intensivste Erfahrung in meinem Leben gewesen", sagt Burkhard Madai. Er ist dreifacher Vater und arbeitet als Chirurg im Elblandklinikum Radebeul - kann sich also über fehlende Aufregung im Arbeits- und Familienalltag wahrlich nicht beklagen.

Radebeul.

Dennoch, zwei Wochen Auslandsaufenthalt in Tansania lassen für ihn das alles in einem anderen Licht erscheinen. In einem Krankenhaus in der Stadt Sumbawanga hat Madai ehrenamtlich für die Hilfsorganisation Interplast gearbeitet. Es sei eine sehr gute Erfahrung gewesen, berichtet er. Er sagt aber auch: "Ich bin auch gerne wieder nach Hause zurückgekehrt." Er habe vieles, das in Deutschland für selbstverständlich gehalten wird, neu schätzen gelernt.

Vor allem die medizinische Versorgung. Kaum nach einer mehr als 30-stündigen Reise angekommen, musste Madai im Dr. Atiman Memorial Hospital gleich an die Arbeit, um ja keine Zeit zu verlieren. Mehr als 200 geduldig wartende Menschen hatten sich dort versammelt, manche hatten einen Fußmarsch über 100 Kilometer auf sich genommen, andere waren aus bis zu 500 Kilometern Entfernung angereist. Nur wegen der Ankunft des zwölfköpfigen Interplast-Teams, das derzeit zwei Mal im Jahr in Tansania arbeitet. 950 Operationen haben die Deutschen seit Beginn des Projekts durchgeführt, alles Eingriffe, die ihre tansanischen Kollegen nicht durchführen können. "Die sind ganz gut, was die Behandlung von HIV oder die Geburtsmedizin angeht, richtige Chirurgen gibt es in Sumbawanga aber nicht", sagt Madai. Deshalb auch der Andrang im Krankenhaus. Viele der Patienten dort weisen Brandverletzungen vor, die aus dem schlichten Umstand resultieren, das in Tansania häufig mit offener Flamme gekocht wird. "Das waren zum Beispiel Kinder, die ihre Arme nicht mehr bewegen konnten - natürlich hatten diese Eingriffe Vorrang", sagt Madai, dem bei vielen dieser Operationen die Assistenz oblag. 16 Schilddrüsen-OPs, die in sein Fachgebiet fallen, hat er selbst vorgenommen und dabei Kröpfe von einer solchen Größe entfernt, die man in Deutschland nicht mehr zu sehen bekommt. In Tansania resultieren sie aus Jodmangel und der Alltagsspeise Maniok, deren Blausäuregehalt das Schilddrüsenwachstum begünstige. Viele Patienten hatten auch Knochenentzündungen wegen schlecht verheilter Brüche. "Die Menschen in Tansania gehen häufig nicht zum Arzt, auch weil eine Operation schnell 400 Dollar kostet", sagt Madai. Die schlimme Folge: Immer wieder sehe man junge Männer, die kaum noch gehen können.

Umso wichtiger der Einsatz des Interplast-Teams, der für die Patienten kostenfrei ist. Die 40 000 Euro für die zwei Wochen Akkord-Arbeit werden allein aus Spenden finanziert, die in Sachsen eingeworben werden. 140 Operationen haben die Helfer während ihres kurzen Einsatzes geschafft. Das ist "eine sehr hohe Zahl", wie Madai sagt. Und dennoch mussten einige der Patienten weggeschickt werden. Ihnen bleibt nichts anderes, als auf die Anreise eines neuen Interplast-Teams im Herbst zu hoffen. Andere hatten dagegen richtig Glück, dass die Chirurgen da waren. So hat Madai einen Säugling wegen eines Darmdurchbruchs operiert. "Er hätte ohne uns wohl keine Überlebenschance gehabt", meint er.

Warum gibt es keine dauerhafte Lösung für sie? Dafür müsste man die Kollegen in Tansania weiterbilden und das sei in zwei Wochen kaum zu schaffen, antwortet Madai. Zu aufwendig sei es allein schon für zwei Wochen, ein Team zusammenzubekommen. Ohne das Verständnis von Arbeitgeber und Familie geht das nicht. Für Madai wurde mit dem Auslandseinsatz dennoch ein lang gehegter Traum war. Nach einem Jahr Pause will er deswegen nach Sumbawanga zurückkehren.

Spenden an: Sabine Wetter, Interplast Germany e.V. Sektion Siebengebirge-Sachsen, IBAN DE93 8707 0024 0607 0676 00, BIC/SWIFT DEUTDEDBCHE, Deutsche Bank, Verwendungszweck: Projekt Sumbawanga/Tanzania

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.08.2014

Uwe Hofmann

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