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Gründer der Heilpädagogischen Schule verstarb vor 70 Jahren im KZ

Gründer der Heilpädagogischen Schule verstarb vor 70 Jahren im KZ

Am 5. September wäre Martin Kretschmer 115 Jahre alt geworden. Die Erinnerung an den Gründer der Heilpädagogischen Schule in Bonnewitz war mit den Jahren verblasst.

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Ein Jahr lang hat Steffen Richter für die Broschüre über das Leben und Wirken von Martin Kretschmer geforscht und eine Broschüre über den Pädagogen verfasst. Am Mittwoch erscheint die erste Auflage mit 500 Stück.

Quelle: Silvio Kuhnert

Pirna. "Doch Martin Kretschmer ist nicht vergessen", schreibt Steffen Richter. Der Pirnaer hat Archivmaterial studiert. Das Ergebnis ist eine Broschüre über das Leben des anthroposophischen Pädagogen, die an seinem Geburtstag am Mittwoch erscheint.

Seit 1999 arbeitet Richter als Heilerziehungspfleger in Bonnewitz. "Ich wollte mehr über Martin Kretschmer wissen", sagt der 33-Jährige über sein Motiv, ein Jahr lang Akten in Archiven zu wälzen. Bis auf einen kurzen biografischen Abriss gab bis jetzt keine Publikation über den Mann, der 1897 in Deutsch-Ostafrika das Licht der Welt erblickte. Sein Vater leitete in der einstigen Kolonie - im heutigen Tansania - eine Missionsstation der Herrenhuter Brüdergemeinde.

Nach dem Ersten Weltkrieg, bei dem er als Jagdfliegerpilot ein Bein verlor, und einer kurzzeitigen Tätigkeit als Filmvorführer an der Technischen Universität Düsseldorf, arbeitete Kretschmer als Betreuer in den Bodelschwinghschen Anstalten in Bethel bei Bielefeld. "Vielleicht kam er auch deshalb 1928 zur Heilpädagogik", vermutet Richter, der in seiner Freizeit dem Verein Alternatives Kultur- und Bildungszentrum (Akubiz) vorsteht.

Mit seiner Frau Annemarie Spitzner und Margarete Bär entwickelte Kretschmer die Idee zur heilpädagogischen Einrichtung. 1934 kam es zur Gründung in Dresden. Ein Jahr später zog die "Tagesstätte und Heil-Erziehungs-Institut für seelenpflegebedürftiger Kinder" in die Villa in Bonnewitz. "Sie war eine der ersten anthroposophischen Heilpädagogik-Einrichtungen in Deutschland", berichtet Richter.

Über 100 Menschen lebten zwischen 1935 und 1941 in Bonnewitz. Es waren Kinder und Jugendliche, die als körperlich, geistig und/oder mehrfach behindert gelten. Die Einrichtung konnte weitestgehend ungestört arbeiten, während auf dem Sonnenstein über 14 000 Menschen ermordet wurden. Richter suchte eine Antwort auf diesen Widerspruch. Seine Vermutung: Ein Bruder von Margarete Bär war Mitarbeiter von Gauleiter Martin Mutschmann. "Vielleicht konnte dadurch die Einrichtung bis Sommer 1941 unbehelligt existieren", meint Richter. Einen Beleg hat er dafür nicht. Dem NS-Regime wird sicher auch nicht gefallen haben, dass Kretschmer aus der NSDAP offiziell austrat.

Im Juni 1941 verhaftete die Gestapo Martin Kretschmer. Vom Polizeipräsidium Dresden wurde er ins KZ Sachsenhausen überstellt. Unter menschenunwürdigen Bedingungen musste er im Außenlager Klinkerwerk schuften, wo er im Februar 1942 verstarb. Rund einen Monat später wurde die Villa in Bonnewitz vom NS-Regime beschlagnahmt und als Kriegswaisenheim der Hitlerjugend übergeben. Seit 1995 ist das Haus wieder eine pädagogische Einrichtung für behinderte Menschen.

Mit einer Gedenkfeier erinnert die Einrichtung am Mittwoch um 20.15 Uhr im Heilpädagogischen Heim Bonnewitz, Martin-Kretschmer-Str. 3, an ihren Gründer. Bei der Veranstaltung wird die Broschüre über Leben und Wirken vorgestellt. Der Eintritt ist frei.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.09.2012

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