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Großenhainer Sportwagenbauer vor Gericht

Insolvenzverschleppung Großenhainer Sportwagenbauer vor Gericht

Herbert F. und Philipp W. hatten einen großen Traum - mit einem eigenen Sportwagen in die Autobranche einsteigen. Angesicht der großen, weltweit agierenden Firmen, die Millionen in die Entwicklung stecken können, ein schwieriges Unterfangen.

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Der "YES! Cup/R" wurde bis 2006 gebaut. Dieser Typ war für die Rennstrecke vorgesehen.

Quelle: Wikipedia

Großenhain/Dresden. Herbert F. und Philipp W. hatten einen großen Traum - mit einem eigenen Sportwagen in die Autobranche einsteigen. Angesicht der großen, weltweit agierenden Firmen, die Millionen in die Entwicklung stecken können, ein schwieriges Unterfangen. Dennoch, der Start war vielversprechend, das Ende allerdings bitter. Ihr Traum platze wie eine Seifenblase und bescherte ihnen einen Platz auf der Anklagebank des Dresdner Landgerichts. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Insolvenzverschleppung, Betrug, Urkundenfälschung, Untreue und versuchte Steuerhinterziehung vor.

Die Idee für den Sportwagen kam ihnen beim Studium. Die beiden Diplomingenieure entwickelten den Yes-Roadster - Yes steht für "Young Engineers Sportscar", also "Sportwagen der jungen Ingenieure" - ein eher puristischster Sportwagen, aber eine Maßanfertigungen für vermögende Besitzer. 1999 präsentierten sie den Prototyp auf der Automobilausstellung, ernteten großes Interesse und auch Bestellungen. Beide gründeten in Großenhain eine AG und bauten dort in einem Flugzeughangar seit 2001 Yes-Roadster, kassierten Fördermittel vom Freistaat, vergrößerten die Firma, lieferten sogar nach Amerika und erhielten im Sommer 2004 den Deutschen Gründerpreis in der Kategorie "Aufsteiger". Für 2008 war sogar der Börsengang geplant. Eine Erfolgsstory, die in den Medien rauf und runter lief.

Nur war sie nicht so erfolgreich, wie es die beiden sich und anderen vorgaukelten. Spätestens Ende 2006, so die Anklage, war das Unternehmen nicht mehr zahlungsfähig, es waren erhebliche Verbindlichkeiten aufgelaufen. Gläubiger wurden nicht bedient, Löhne verspätet, Krankenkassenbeiträge gar nicht gezahlt. Sie stellten aber keinen Insolvenzantrag, das tat erst 2009 ihr Nachfolger.

Trotz der Pleite, versuchten die Angeklagten mit viel krimineller Energie, den Laden am Laufen zu halten. So schlossen sie mit der Sparkasse einen Kreditvertrag über 300000 Euro und gaben als Sicherheit sechs Wagen im Wert von rund 260000 Euro an. Nur gehörten ihnen diese Autos nicht mehr, die waren schon lange verkauft worden. Als dem Finanzamt Zweifel an der Umsatzsteuererklärung kamen, wurden gefälschte Unterlagen über Autoverkäufe nachgereicht, die nie stattgefunden hatten. Auch eine Leasingfirma soll um 85000 Euro geprellt worden. Sie rissen ein Loch auf, um ein anders zu stopfen.

"Wir übernehmen die Verantwortung", erklärten beide. "Wir waren überfordert und haben Fehler gemacht." Das kann man wohl sagen. Sie haben sicher hart gearbeitet, hatten aber keinen Plan, wie man ein Unternehmen führt - dazu gehört auch Wissen über Finanzierung, Buchhaltung und Marketing und das hatten sie nur beschränkt. Sie verloren den Überblick. Das erinnert etwas an die "Restaurantretter", die im Fernsehen reihenweise Kneipen aus dem Schlamassel ziehen, weil die Besitzer zwar ein Super-Schnitzel braten können, allerdings von einem richtigen Restaurantbetrieb, Buchführung und Kalkulation keine Ahnung haben. Der Prozess wird fortgesetzt.

Monika Löffler

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