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Glühwein der Kelterei Oese aus Medingen Testsieger auf dem Leipziger Weihnachtsmarkt

Glühwein der Kelterei Oese aus Medingen Testsieger auf dem Leipziger Weihnachtsmarkt

Ein kräftiger Dornfelder, Zimt, Orangen, Nelken. Diese Mischung scheint die Leipziger Gaumen überzeugt zu haben. Der Glühwein der Saftkelterei Oese konnte im großen Glühweintest der Leipziger Volkszeitung auf dem Weihnachtsmarkt der Messestadt alle anderen Mitstreiter auf die Plätze verweisen.

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Hat alles im Blick und alles im Griff: die Kelterei-Chefin Gisela Oese.

Quelle: Susann Schädlich

Ottendorf-Okrilla. Gebraut wird der Gewinner-Trank in der 2000-Seelen Gemeinde Medingen, einem Ortsteil von Ottendorf-Okrilla. Seit fast 80 Jahren ist das Hauptgeschäft der Kelterei Oese zwar die Herstellung von Fruchtsäften und -nektaren. Während der Weihnachtsmarktsaison gehen hier aber seit ein paar Jahren mehrere tausend Liter Glühwein vom Band.

Das der Glühwein Oeses Produktion in der kalten Jahreszeit dominiert, bekommt auch jede noch so ungeschulte Nase bereits nach wenigen Sekunden in der Produktionshalle zu spüren. Der Duft von Rotwein und Zimt klebt an den weiß gefliesten Fabrikwänden. "Das Geheimnis unseres Glühweins ist in aller erster Linie ein hochwertiger Grundwein", erzählt Kelterei-Chefin Gisela Oese, während sie in der sogenannten Saftküche den Deckel eines riesigen Aluminiumkessels anhebt. 1000 Liter Dornfelder warten darin darauf, in Oeses Spezialglühwein verwandelt zu werden.

Den edlen Tropfen, den die Keltereichefin mit bis zu zehn Angestellten zu heißem Roten weiterverarbeitet, liefert der Winzer Konrad Closheim aus dem rheinlandpfälzischen Langlonsheim. Die deutsch-deutsche Zusammenarbeit begann sozusagen mit einem Gärröhrchen, das Giesela Oese unbedingt benötigte. Oese war zwar der Name ihres Kellerei-Liferanten entfallen, erinnerte sich aber, dass er in Langlonsheim ansässig war. Also klingelte die findige Medingerin bei der Auskunft durch und bat darum, mit einem Winzer aus dem gleichen Ort verbunden zu werden. "Der musste ja wissen, wie das Geschäft hieß", erzählt die heute 58-Jährige. Aus dem Telefonat mit rheinhessischen Winzer entwickelte sich schließlich nicht nur einer jahrelange Freundschaft, sondern auch eine fruchtbare Zusammenarbeit. Inzwischen werden Bacchus und Dornfelder vom Weingut Closheim bei Bad Kreuznach in Oeses sächsischer Kelterei zu heißem Roten und Weißen.

Dafür setzt Gisela Oese in einem weiteren Topf einen Sud an, der bereits seit Jahren auf die gleiche, aber geheime Weise zubereitet wird. Wasser, Orangen, Zimt und Zitronen und weitere Zutaten, die nicht verraten werden, brodeln dabei in einem riesigen Aluminiumkessel - "etwa eine halbe Stunde", erklärt die Fachfrau. Danach muss die bräunliche Flüssigkeit abkühlen und eine Weile stehen, damit die Gewürze ihre vollen Aromen entfalten. "Durchziehen", nennt Gisela Oese das. Erst danach werden Grundwein und Sud in einem weiteren Kessel vermischt. Pro 1000 Liter Grundwein sorgen zwischen 30 und 50 Kilogramm Zucker für die nötige Süße. Zehn Minuten surrt ein kräftiges Rührwerk, das an einen riesigen Stabmixer erinnert, durch das Wein-Zucker-Gewürz-Gemisch, bis sich auch jeder noch so kleine Zuckerkristall aufgelöst hat. Anschließend wird die Flüssigkeit nochmals auf 60 Grad erhitzt. "Der Wein könnte sonst bei gewissen Temperaturen durch den hinzugefügten Zucker erneut mit der Gärung beginnen und so verderben. Durch das Erhitzen vermeiden wir das", erläutert Gisela Oese.

Dass Gisela Oese im Advent preisgekrönten Glühwein rührt und seit 1975 die Geschicke der Saftkelterei lenkt, war eigentlich so nicht geplant. Ihr Vater Otto hatte das Unternehmen gemeinsam mit seinem Bruder Ernst 1935 als "Süßmosterei und Gartenbau Oese" aus der wirtschaftlichen Not heraus gegründet und zu einer gut laufenden Firma aufgebaut. Doch 1971 verstarb der Onkel, drei Jahre darauf der Vater Otto. Da war Giesela Oese gerade einmal 18 Jahre alt. "Wie junge Leute eben so sind, wollte ich damals eigentlich in die große Stadt, als Laborantin weit weg von den Eltern arbeiten. Eben etwas erleben", erinnert sich Gisela Oese. Doch der Verkauf des väterlichen Lebenswerks kam für die junge Frau damals nicht in Frage. Sie entschloss sich, in die Fußstapfen des Vaters zu treten. Inzwischen steht schon der nächste Generationswechsel ins Haus. Sohn Michael Oese kümmert sich bereits um den Glühweinverkauf auf den Märkten. Bald soll er die Kelterei ganz und gar übernehmen.

Noch aber schwingt Gisela Oese das Zepter in der Produktionshalle. Gemeinsam mit ihrem Team füllt die Chefin den noch dampfenden Glühwein für den Transport auf die Weihnachtsmärkte in Dutzende Zehn-Liter-Kanister. Danach gehen sie aber nicht allein auf die Reise zum Stand auf dem Leipziger Weihnachtsmarkt. Auch auf dem Dresdner Striezelmarkt ist Oeses Glühwein längst vertreten. Und für Werksverkauf spritzt eine spezielle Füllmaschine den blutroten Trank in unzählige Glasflaschen. Denn wer sich nicht auf den Weihnachtsmärkten im Gewühl der Dutzenden Buden und Menschen auf die Suche nach Oeses Glühwein machen möchte, der kann ihn der Medinger Kelterei für den "Hausgebrauch" erwerben.

www.oese.net

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.12.2014

Susann Schädlich

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