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Glasgravurmeisterin Sibylle Kotte landete als deutsche Vertreterin beim G7-Gipfel

Meißen Glasgravurmeisterin Sibylle Kotte landete als deutsche Vertreterin beim G7-Gipfel

14 Stunden Flug, anschließend in die deutsche Botschaft zum Treff mit Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) und Kulturstaatsministerin Monika Grütters: Ein Mammut-Programm für Sibylle Kotte, eine in Weinböhla lebende Glasgravurmeisterin. Sie hat Deutschlands Handwerkerinnen beim G7-Gipfel in Tokio vertreten.

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Sibylle Kotte, Sachsens einzige Glasgravurmeisterin, hat Deutschlands Handwerkerinnen beim G7-Gipfel vertreten. Im Bild graviert sie ein Römer-Weinglas in ihrem Meißner Ladengeschäft.
 

Quelle: Uwe Hofmann

Meißen/Tokio.  14 Stunden Flug, anschließend vom Flughafen abgeholt und flugs in die deutsche Botschaft, wo ein Treff mit Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) und Kulturstaatsministerin Monika Grütters ansteht – so in etwa stellt man sich das Programm von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zum jüngsten G7-Gipfel in Japan vor. Absolviert hat Flug und Treffen aber Sibylle Kotte, eine in Weinböhla lebende Glasgravurmeisterin, die seit 1989 einen Laden mit Schauwerkstatt in der Meißner Burgstraße betreibt. Sie war im Vorfeld des Treffens der Regierungs-Chefs der sieben mächtigsten Industrienationen in Japan, um als Vertreterin der deutschen Handwerkerinnen den Gipfel vorzubereiten.

Zur großen Politik kam die 50-Jährige etwas unvermittelt. Anfang April hatte sie beim internationalen Tag der Läden mit Schauhandwerk mitgemacht und – seit Jahren in regen Kontakt mit der Handwerkskammer Dresden stehend – Interesse geweckt. Ob sie nicht für ein Symposium als sächsische Vertreterin zum G7-Gipfel nach Japan wolle. Klar, warum nicht, dachte sich die Ladeninhaberin, auch wenn sich Abwesenheiten immer schwer organisieren lassen, hat sie im Geschäft doch nur die Unterstützung von einer Mitarbeiterin. Kotte bewarb sich, bekam Ende April die Zusage und hob nach Pfingsten schließlich vom Dresdner Flughafen ab. „Es ging alles sehr plötzlich“, sagt sie. Zumal sich zwischendurch herausgestellt hatte, dass sie nicht als eine von vielen deutschen Handwerkerinnen eingeladen war, sondern als die einzige Repräsentantin. In Tokio traf sie auf Schmuckdesignerinnen aus Frankreich und Kanada, zwei Taschendesignerinnen aus Italien, eine britische Schneiderin, eine US-Amerikanerin, die Quilts nach hawaiianischer Art anfertigt und zwei Japanerinnen, die traditionelle Kimonogürtel anfertigen.

Hintergrund des zweitägigen Symposions war es, auf gemeinsame Probleme aufmerksam zu machen, die das Handwerk in allen G7-Ländern plagen. Die Marktüberflutung durch billige Plagiate aus fernöstlicher Massenproduktion etwa, oder die Schwierigkeit, Nachfolger für traditionelle Handwerksbetriebe zu finden. Hinzu kommen speziell weibliche Perspektiven, etwa die Frage gleicher Entlohnung und wie sich die Mehrfachbelastung Handwerksbetrieb, Familie und Kinder handhaben lässt. Dazu musste jede der geladenen Handwerkerinnen sich selbst, ihren Betrieb und ihre Lage in englischer Sprache präsentieren. In gebündelter Form bekamen die Großen am G7-Tisch die Ergebnisse und gemeinsamen Probleme präsentiert, das war der eigentliche Beweggrund, die Handwerkerinnen einzuladen.

Für Sibylle Kotte eine einzigartige Erfahrung. Es sei schon nicht ganz einfach gewesen, die Präsentation in englischer Sprache aufzubereiten, aber zum Glück hätten die beiden erwachsenen Töchter helfen können. Nicht die einzige Schwierigkeit, zumal das Handwerkerinnen-Treffen, aus dem ein regulärer G7-Programmpunkt werden soll, zum ersten Mal stattfand. „Ich habe viel für mich mitgenommen“, sagt Kotte trotz des Stresses zufrieden. Nicht nur, weil zahlreiche japanische Handwerksbetriebe besucht worden, sondern auch, weil sie neue Kontakte und Sichtweisen durch die Begegnung mit den übrigen Handwerkerinnen gewinnen konnte. So haben die wenigsten ihrer Pendants einen Laden wie sie. „Andernorts sind Handwerker in gemeinsamen Galerien vertreten. Vielleicht wäre das mal eine Idee für Meißen“, sagt Kotte, die an der Burgstraße schon fünf Mal umgezogen ist, mit 90 Quadratmetern Verkaufsfläche aber einen repräsentativen Laden besitzt, in dem sie auch vor den Augen der Kunden graviert.

In jedem Fall sei ihr die Bedeutung des Internets noch einmal verdeutlicht worden, präsentierten sich einige ihrer Kolleginnen doch fast ausschließlich virtuell. Die seit 1997 bestehende Internetseite (www.glasgravur-kotte.de) habe sie zwar erst neulich überarbeitet, „auf Facebook muss ich aktiver werden“, sagt sie. Zumal gerade die deutschen Kunden, die in etwa drei Viertel ihres Umsatzes ausmachten, sich zumeist auf der Internetseite informieren, ehe sie sich zu einem Besuch hinreißen lassen. Für jeden, der seine Gläser von Meisterhand graviert haben möchte, ist die Adresse Burgstraße 28 zumindest in Sachsen das Nonplusultra. Nach Kottes Wissen ist sie inzwischen die einzige Glasgravurmeisterin im Freistaat. Gelernt hat sie ihr Handwerk bei der „Meissener Bleikristall GmbH“, um Meisterin zu werden musste sie nach Thüringen gehen. „Es ist eine seltenes Handwerk“ sagt Kotte. Manchmal kann das auch eine Eintrittskarte zu einem G7-Gipfel sein.

Von Uwe Hofmann

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