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Giftweinskandal: Kein Überblick über Entsorgung?

Landratsamt Meißen erfasst keine Entsorgungsbelege Giftweinskandal: Kein Überblick über Entsorgung?

Absolute Transparenz bei der Aufklärung des Weinskandals hatten die zuständigen Behörden angekündigt. Und von zügiger Aufklärung war auch noch die Rede. Tatsächlich allerdings gestaltet es sich offenkundig äußerst schwierig, diese Versprechen auch einzuhalten.

Mit lautem Getöse hat die Winzergenossenschaft Anfang September 2015 den Beginn der Weinlese gefeiert. In etwa zur gleichen Zeit wurde die Traubenprobe genommen, die den Weinskandal ins Rollen brachte. Er ist immer noch nicht beendet.

Quelle: dpa

Meissen.  Absolute Transparenz bei der Aufklärung des Weinskandals hatten die zuständigen Behörden angekündigt. Und von zügiger Aufklärung war auch noch die Rede. Tatsächlich allerdings gestaltet es sich offenkundig äußerst schwierig, diese Versprechen auch einzuhalten. Wie viel belasteter Wein inzwischen entsorgt und aus der Welt geschafft ist, vermag weder das Verbraucherschutzministerium in Dresden noch die Lebensmittelüberwachung des Landkreises Meißen zu sagen.

Die Lebensmittelüberwachung des Landratsamtes erklärte, die Frage lasse sich schlichtweg nicht beantworten. „Entsorgungsbelege müssen von den Betrieben nicht zwangsläufig ins Amt gesendet werden“, so die Begründung. Eine Sprecherin des Verbraucherschutzministeriums betonte hingegen, die Entsorgung müsse sehr wohl nachgewiesen werden und das werde von der Lebensmittelüberwachung des Landkreises kontrolliert. Das Ministerium und die Landesdirektion Sachsen als übergeordnete Behörde des Landratsamtes würden sich regelmäßig berichten lassen.

Wovon genau allerdings, bleibt unklar. Von der Landkreisverwaltung hieß es nämlich, der jeweilige Stand der Entsorgung werde in den betroffenen Betrieben „im Rahmen der nächsten Vor-Ort-Kontrollen geprüft“. Ein Termin für diese Kontrollen stehe noch nicht fest, heißt es aus dem Landratsamt. Weitere Überwachungen, etwa zusätzliche Proben im Zusammenhang mit der Entsorgung, seien nicht geplant. „Für den Verbraucherschutz ist die Menge des entsorgten Weines unerheblich, für die Unternehmen indes nicht“, so eine Kreissprecherin. Die Entsorgung erfolge in Eigenverantwortung der Betriebe.

Ministerium und Landratsamt versuchen die Verbraucher seit Monaten mit dem Hinweis zu beruhigen, dass die belasteten Weine – sofern sie nicht bereits im Umlauf waren – in den Tanks oder Fässern gesperrt seien. Ob die Behälter amtlich verplombt oder anderweitig behördlich kenntlich gemacht sind, wollte das verantwortliche Landratsamt nicht beantworten. Dazu sollten sich die Betriebe selbst äußern. Die Kellereien allerdings schweigen, zumal einige von ihnen zumindest der Öffentlichkeit nicht bekannt sind. Nur ein betroffener Betrieb hat die betroffenen Weine schon vor Monaten ganz transparent in eine Kläranlage gebracht.

Das Ministerium betonte, es gebe keinen Zeitraum, der die Entsorgung vorschreibt. „Wenn ein Winzer seinen Wein also weiter im Keller stehen lassen will, ist dies möglich und kann nicht beanstandet werden.“ Aus Vinotheken und von Weingütern hieß es hingegen, immer wieder würden Verbraucher nach dem Verbleib der belasteten Weine fragen, da es bisher keinen offiziellen Schlussstrich unter die Pflanzenschutzmittelaffäre gibt. Der ist auch gar nicht möglich, solange die Weine, um die es geht, nicht vernichtet sind. Zur Erinnerung – im ersten September-Drittel ist der Jahrestag, an dem bei einer Probe von Goldriesling-Trauben der im Weinbau verbotene Insektizid-Wirkstoff Dimethoat festgestellt wurde. Ein knappes Jahr später wissen Verbraucher noch immer nicht, welche sächsischen Weine aus welchen Weinkellereien verunreinigt sind. Und Weine, die vor Entdeckung von Rückständen schon abgefüllt und im Umlauf waren, dürfen weiter verkauft werden. Es gibt keine Auflistung, die alle verunreinigten Weine öffentlich nennt. So sehe es das Gesetz vor, da keine Gefahr von ihnen ausgehe, sind sich die Behörden einig. Dass die Trauben mit verbotenen Mitteln gespritzt wurden, scheint hierfür unerheblich zu sein. Das wiederum sorgt für Wut bei redlich arbeitenden Weingütern, die enorme Zeit und Geld in sachgerechten Pflanzenschutz stecken.

Inzwischen hat die Lebensmittelüberwachung nach eigenen Angaben 31 Kellereien angeschrieben und aufgefordert, sie mögen bei der bevorstehenden Traubenannahme ein Eigenkontrollkonzept erarbeiten. Auch völlig korrekt arbeitende Betriebe, die nie aufgefallen sind, erhielten ungefragt diese Hinweise. Man wolle damit künftigen Verstößen vorbeugen, hieß es zur Begründung aus dem Landratsamt. Die mutmaßlich am stärksten vom Weinskandal betroffene Winzergenossenschaft Meißen reagierte auf DNN-Anfrage gar nicht. So bleibt unklar, wie viele Liter Wein bei ihr belastet und wie viele Liter davon schon entsorgt sind. Die Genossenschaft sagt auch nicht, ob sie von bisher bekannten Traubenlieferanten, die mutmaßlich gegen Vorschriften des Pflanzenschutzes verstoßen haben, weiterhin Lesegut aufkauft und verarbeitet oder nach den jüngsten Erfahrungen lieber darauf verzichtet. Zu möglichen zusätzlichen Kontrollen in Vorfeld des Lesenbeginns bei den rund 1500 Mitgliedern äußerte sich Sachsens größter Weinproduzent ebenfalls nicht. Von der beauftragten Medienagentur hieß es lediglich, es sei noch immer keine abschließende Bilanz möglich.

Im vergangenen Jahr hatten 69 Unternehmen in Sachsen regionale Weine unter eigenem Label vermarktet, so das Landesumweltamt auf Nachfrage. In den Weinskandal verwickelt sind nach bisherigen Erkenntnissen lediglich fünf Kellereien und ein kleinerer, kaum bekannter Winzer aus Dresden. Dieser Winzer habe mit dem Eigenverbrauch seines belasteten, aber nie abgefüllten Weins bereits begonnen, erklärte auf Anfrage die zuständigen Stadtverwaltung Dresden. Das erfolgt quasi unter amtlicher Aufsicht. „Über die Eigennutzung wird ein Nachweis geführt, in dem der Verbrauch dokumentiert wird.“

Neben Dimethoat wurde in sächsischen Weinen auch das seit Jahren nicht mehr zugelassene Fungizid Iprodion im Zuge intensivierter Kontrollen nachgewiesen. Keiner der belasteten Weine ist gesundheitsschädlich, allerdings ist der Rebensaft mit unerlaubten Rückständen auch „nicht verkehrsfähig“. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums aus dem März waren rund 545 000 Liter Sachsenwein mit unerlaubten Rückständen belastet.

Von Lars Müller

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