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Giftaffäre: Weinbauverband Sachsen will gestärkt aus Krise gehen

Sächsischer Weinbautag Giftaffäre: Weinbauverband Sachsen will gestärkt aus Krise gehen

Der Weinbauverband Sachsen hofft, gestärkt aus der Insektizid-Krise hervorgehen zu können. Das wolle man mit einem hervorragenden Jahrgang 2015 beweisen, sagte der Verbandschef Christoph Reiner am Sonnabend am Rande des Weinbautages in Radebeul.

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Laut Landratsamt Meißen seien mittlerweile viele namhafte Weinbaubetriebe der Region beprobt worden.

Quelle: Lars Müller

Radebeul. Der Weinbauverband Sachsen hofft, gestärkt aus der Insektizid-Krise hervorgehen zu können. Das wolle man mit einem hervorragenden Jahrgang 2015 beweisen, sagte der Verbandschef Christoph Reiner am Sonnabend am Rande des Weinbautages in Radebeul. Nach dem Fund des in Rebanlagen verbotenen Nervengiftes Dimothoat in mehreren Sachsenweinen begrüße man, dass gegen den oder die mutmaßlichen Verursacher Ordnungswidrigkeitsverfahren einleitet würden. Man müsse aber noch immer abwarten, um eine zuverlässige Bilanz der Misere ziehen zu können, so Reiner weiter. Der Weinbauverband hätte in den vergangenen Wochen viele neue Mitglieder gewonnen, betonte er. Auf die Frage, wie viele, drehte sich der Verbandschef um und verschwand.

Sein Vorstandskollege und Winzer Frédéric Fourré, der in der Krise immerhin die Kommunikation nicht abreißen lassen möchte, sprach von etwa zehn neuen Mitgliedsbetrieben. Auf der Internetseite des Verbandes waren am Wochenende noch 17 Weingüter sowie zehn Weinbaugemeinschaften und –vereine als ordentliche Mitglieder vermerkt. Das Weinanbaugebiet Sachsen zählte 2015 insgesamt 35 Haupt- und 39 Nebenerwerbsbetriebe. Hinzu kommen 2368 Kleinwinzer. Wie in Gesprächen deutlich wurde, machen noch immer etlliche sächsische Winzer zuallererst die Berichterstattung über Giftrückstände im Wein für die Krise verantwortlich und erst in zweiter Linie denjenigen Weinbauern, der mutmaßlich offenbar seit mindestens 2014 das nichtzugelassene Pflanzenschutzmittel einsetzte. Über einen von der Lebensmittelüberwachung in einer Kellerei gesperrten Wein, der noch gar nicht im Verkauf sei, müsse schließlich nicht geschrieben werden, hieß es beispielsweise. Das sei nämlich eine interne Angelegenheit der Winzerschaft und verunsichere nur Verbraucher. Durch den gesperrten Wein wurde allerdings erst das viel größere Ausmaß belasteter Weinchargen in Sachsen bekannt. Fest steht bisher, dass in einer Privatkellerei zwei Weine und in der Winzergenossenschaft Meißen eine noch nicht bekannte Anzahl von Weinen mit Dimethoat belastet und damit nicht verkehrsfähig sind. Da die Betriebe die Weine unterschiedlicher Partien verschneiden, sind Tausende Liter unbrauchbar geworden. Die Konzentration des verbotenen Wirkstoffs ist nach bisherigen Erkenntnissen gesundheitlich unbedenklich. Auf die Anfrage, ob noch andere Betriebe betroffen sind oder ob Grundweine oder Moste von der Genossenschaft an andere Weingüter geliefert wurden, reagierte das zuständige Landratsamt in Meißen am Freitag nicht.

Wie genau und in welcher Menge das dimethoathaltige Mittel eingesetzt wurde, ermittelt derweil das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und Geologie akribisch. Kritik an mangelndem Krisenmanagement des Weinbauverbandes wies Winzer Fourré zurück. Man müsse das Problem eben allein mit Ehrenamtlichen in den Griff bekommen, bat er um Verständnis. Beim Versuch, die Berichterstattung zu unterbinden, konnte hingegen ein Anwalt zu Rate gezogen werden. Winzer Fourré forderte eine lückenlose Aufklärung des illegalen Insektizideinsatzes, wie sie aus dem Weinbauverband in dieser Deutlichkeit noch nicht zu vernehmen war. Er sei froh, dass das Problem ans Licht kam, bevor jemand ernsthaft zu Schaden kam. Zugleich räumte der gelernte Sommelier ein, dass er selbst keine Sorgen habe, er könnten wegen eines möglichen Imageschadens des gesamten Sachsenweins auf seinen Tropfen sitzenbleiben.

Sieht man vom verbotenen Dimethoat-Einsatz ab, blicken die sächsischen Winzer auf ein recht gutes Jahr zurück. Von den 491 Hektar Ertragsrebfläche wurden 24.713 Hektoliter Wein geerntet, knapp 4.000 Hektoliter mehr als im Jahr zuvor. Welche Menge genau vermarktungsfähig ist, könne erst nach Abschluss der Untersuchungen etwaig belasteter Weine gesagt werden, so Frieder Tränkner vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Der Durchschnittsertrag lag 2015 bei 50 Hektolitern je Hektar, wobei qualitätsorientierte Winzer traditionell die Traubenmenge vor der Lese deutlich reduzieren. Wichtigste Weißweinsorten sind Müller-Thurgau, Riesling, Weiß- und Grauburgunder. Die fast nur noch in Sachsen gewerblich kultivierte Rebsorte Goldriesling, aus der ein leichter Sommerzechwein gemacht wird, erfreut sich weiterhin steigender Beliebtheit bei Verbrauchern und Winzern. Abermals wurde aufgerebt. Bestockt sind mit dieser Rebsorte an den Elbhängen 26,3 Hektar, von denen 25,4 Hektar im Ertrag stehen. Die Ernte des Goldrieslings fiel im vergangenen Jahr mit 1495 Hektolitern fast so hoch aus wie 2014.

Wichtigste Rotweinsorten im Weißweinland Sachsen sind Spätburgunder, Dornfelder und Regent. Insgesamt werden 61 unterschiedliche Rebsorten angebaut. Beim Weißwein haben sich Erntemenge und Bestände in den Kellern nahezu angeglichen, womit viele Weine in den Gütern rechtzeitig zum Abfüllen des neuen Jahrgangs ausverkauft sind. Beim Rotwein liegt etwas mehr in Tanks und Fässer als 2015 gelesen wurde. Allerdings reifen hochwertige Rotweine auch einige Jahre länger als die Weißweine, die in der Mehrzahl recht jung verkauft und getrunken werden. In der Winzerschaft erwartet Tränkner eine Änderung der jahrzehntealten Struktur vor allem bei den Kleinwinzern. Im vergangenen Jahr haben 160 von ihnen die Bewirtschaftung ihrer kleinen und oft steilen Parzellen aufgegeben. Weil diese unwirtschaftlich seien, würden sich in vielen Fällen keine Nachfolger finden, hieß es.

Lars Müller

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