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Gewalttätige Proteste gegen Flüchtlingsunterkunft in Niederau

Notquartier im Real-Markt Gewalttätige Proteste gegen Flüchtlingsunterkunft in Niederau

Etwa 200 aufgebrachte, teils alkoholisierte Bürger haben sich am Freitagabend vor der geplanten Flüchtlingsunterkunft in Niederau bei Meißen versammelt und zum Teil randaliert.

Bis zu 500 Flüchtlinge sollen am Wochenende in den ehemaligen Supermarkt in Niederau einziehen.

Quelle: Arno Burgi , dpa

Niederau. Etwa 200 aufgebrachte, teils alkoholisierte Bürger haben sich am Freitagabend vor der geplanten Flüchtlingsunterkunft in Niederau bei Meißen versammelt und zum Teil randaliert. Wie ein Polizeisprecher auf DNN-Nachfrage mitteilte, hätten gegen 23 Uhr etwa 20 Personen heftig am Bauzaun rund um den früheren Real-Markt gerüttelt und versucht, die Absperrung umzureißen. Das gelang ihnen jedoch nicht, weil der Zaun fest verschraubt war. Die Polizei war mit acht Beamten vor Ort und bewegte die Störer zum Aufhören. „Ab 2 Uhr war dort Ruhe“, so der Polizeisprecher. Es sei auch bis zum Samstagmittag ruhig geblieben.

Hunderte Flüchtlinge sollen am kommenden Wochenende in einen ehemaligen Supermarkt in Niederau bei Meißen einziehen. Das Gebäude biete zunächst für bis zu 500 Asylsuchende Platz, teilte die Landesdirektion Sachsen mit.

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THW-Mitarbeiter attackiert

Augenzeugen berichteten in sozialen Netzwerken, dass Helfer des Technischen Hilfswerkes (THW) beschimpft und mit Flaschen und Steinen beworfen, Journalisten und Politiker bepöbelt und einige auswärtige Autos beschädigt wurden. Dies konnte die Polizei nicht bestätigen. „Uns liegen keine Anzeigen vor, und solange wir keine Anzeige haben, ist der Sachverhalt für uns nicht nachvollziehbar“, so der Sprecher. Dabei sei es definitiv „eine Anzeige wert“, wenn man mit Steinen oder Flaschen beworfen werde.

Das THW hat sich erschüttert gezeigt über die Angriffe auf Helfer vor einer noch leeren Flüchtlingsunterkunft in Niederau bei Meißen. „Es gerät offenbar in Teilen der Bevölkerung aus dem Blickfeld, dass im THW ehrenamtlich engagierte Bürgerinnen und Bürger im Dienste der Gesellschaft humanitäre Hilfe leisten“, kritisierte der Landesbeauftragte für Sachsen, Manuel Almanzor, am Samstag. „Wir werden die notwendigen Schritte zur strafrechtlichen Verfolgung des Geschehenen und zum künftigen Schutz unserer THW-Kräfte bei vergleichbaren Einsätzen ergreifen“, kündigte Almanzor an.

Mit der Ankunft der Flüchtlinge werde am Sonnabend gerechnet. Über die Ankunftsuhrzeit und die Anzahl der Asylsuchenden sei jedoch noch nichts bekannt, so die Polizei. Es werden mehr Beamte als am Freitagabend im Einsatz sein, allerdings seien viele Kollegen in Leipzig, um die dortigen Demonstrationen abzusichern.

Bereits am Freitagnachmittag hat die Polizei rund um die Flüchtlingsunterkunft einen Kontrollbereich eingerichtet. Beamte können darin verdachtsunabhängig Personen und Fahrzeuge genauer unter die Lupe nehmen und gegebenenfalls nicht passieren lassen.

Der Bürgermeister von Niederau, Steffen Sang (parteilos), hatte bereits vor Tagen Befürchtungen geäußert, dass es in dem 1800-Einwohner-Ort zu rechten Krawallen wie Ende August in Heidenau kommen könnte. Niederau sei eingekesselt von fremdenfeindlichen Gruppen wie etwa dem Meißener „Heimatschutz“.

Im Internet rufen antifaschistische Gruppen dazu auf, noch am Samstag nach Niederau zu fahren, um sich den fremdenfeindlichen Demonstranten entgegenzustellen und die Geflüchteten willkommen zu heißen.

Innenminister Ulbig verurteilt Randale

Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) hat die nächtliche Randale vor einer noch leeren Flüchtlingsunterkunft in Niederau bei Meißen „aufs Schärfste“ verurteilt. „Beschimpfungen, Sachbeschädigung und Angriffe auf Hilfskräfte verstoßen nicht nur gegen jegliche humanitären Prinzipien, sondern haben in unserer Demokratie nichts zu suchen“, sagte er am Samstag. „Ich fordere alle Demonstranten in Niederau auf, die Hilfskräfte nicht weiter zu behindern.“ Die Polizei werde weiterhin vor Ort sein, um für Ordnung und Sicherheit zu sorgen, und „gegebenenfalls konsequent durchgreifen“.

ttr/dpa

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