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Geschichtsverein Königsbrück gibt Buch zu Atomraketen in der Oberlausitz heraus

Als das Teufelszeug in die Region kam Geschichtsverein Königsbrück gibt Buch zu Atomraketen in der Oberlausitz heraus

Dass in der Oberlausitz während des kalten Krieges Atomraketen stationiert waren, wurde erst 1988 einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Noch heute ranken sich viele Legenden um dieses Kapitel Heimatgeschichte. Der Geschichtsverein Truppenübungsplatz Königsbrück e.V. will jetzt mit einem Buch für Aufklärung sorgen.

Monumente für die Ewigkeit: Die Bunker im Taucherwald, in denen die Raketen gelagert wurden, werden wohl auch in 1000 Jahren noch stehen.
 

Quelle: aus „Tarnname Kolybel“

Königsbrück/Bischofswerda.  Dass in der Oberlausitz zu Zeiten des kalten Krieges Atomraketen stationiert waren, wurde erst bei ihrem Abzug 1988 einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Auch heute noch ranken sich viele Legenden um dieses Kapitel Heimatgeschichte. Der Geschichtsverein „Truppenübungsplatz Königsbrück“ will jetzt mit einem Buch für Aufklärung sorgen.

Der Begriff „Kolybel“ hat in der russischen Sprache mehrere Bedeutungen. So steht er zum Beispiel für ein beliebtes Schlaflied. Ganz und gar nichts mit Schlaf hat dieser Name hingegen in Bezug auf den früheren Truppenübungsplatz Königsbrück und den Taucherwald bei Bischofswerda zu tun. „Kolybel“ – so lautete nämlich die Tarnbezeichnung für die Stationierung von Raketen des Typs
SS-12 von 1984 bis 1988. „Tarnname Kolybel“ ist auch der Name des Buchs, das der Geschichtsverein jetzt herausgegeben hat. In mehrjähriger Recherche trugen die Vereinsmitglieder Christof Schuster als Hauptautor, Matthias Karte und Thomas Petzold alle Fakten zusammen, die sich über „Sowjetische Atomraketen in der Oberlausitz“ – so der Untertitel des Buches – finden ließen.

Und das ist eine ganze Menge. Immerhin sichteten die Autoren nach Vereinsangaben „mehrere Tausend Seiten Geheimdienstberichte und Archivunterlagen“. Zudem habe es der Kontakt zu vielen ehemaligen sowjetischen Raketensoldaten möglich gemacht, „bisher unbekannte Aspekte offenzulegen, die militärischen Strukturen zu rekonstruieren sowie eine Übersicht über die oftmals abgerissenen Raketenobjekte zu geben“.

Das Buch stelle den „erstmaligen Versuch“ dar, „einen Überblick über die Stationierung sowjetischer Kernwaffen im Raum Königsbrück/Bischofswerda zu geben“.

Zum ersten Mal könne man nun einen Einblick in die geheime Lagerung, Logistik und die Prozeduren, die vor einer eventuellen Anwendung zu durchlaufen waren, geben. Zur Verständlichkeit tragen mehr als 100 Fotos und Grafiken sowie zahlreiche Zeitzeugeninterviews bei.

In der Gesamtschau wertet der Geschichtsverein die Stationierung der sowjetischen Atomraketen im Jahre 1984 als Maßnahme, um „das Kräftegleichgewicht zwischen NATO und Warschauer Pakt zu halten.“ Schließlich hatten die USA bereits 1983 damit begonnen, Pershing-II-Raketen auf den Territorien der mit ihr verbündeten Staaten Westeuropas zu stationieren.

1987 gab es übrigens im Zusammenhang mit den Atomraketen in der Oberlausitz einen „gefährlichen Zwischenfall“, auf den die Autoren in ihrem Buch eingehen. Am 25. Februar 1988 war der „Spuk“ endlich vorbei. Erich Honeckers Wunsch, das „Teufelszeug“ möge verschwinden, ging in Erfüllung. Wie von Michail Gorbatschow und Ronald Reagan im INF-Vertrag vereinbart, wurden die Raketen – im Gegensatz zu allen früher üblichen Gepflogenheiten mit großem öffentlichem Tamtam – am Bischofswerdaer Bahnhof zurück in die UdSSR verabschiedet. Der Rest der Geschichte ist bekannt.

Das Buch „Tarnname Kolybel“ kann direkt beim Geschichtsverein „Truppenübungsplatz Königsbrück“ über die Internet-Adresse www.geschichtsverein-tuep-kb.de/Publikation_2016_1.html bestellt werden. Auf dieser Seite sind auch die Buchhandlungen aufgeführt, in denen es erhältlich ist.

Von Uwe Menschner

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