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Gerichtsverhandlung nach Überfällen bei Hinterhermsdorf: Den Wahnsinn in den Augen

Gerichtsverhandlung nach Überfällen bei Hinterhermsdorf: Den Wahnsinn in den Augen

Tourismusmanagerin Steffi K. packte das nackte Grauen, als sie gestern als Zeugin vor dem Landgericht Dresden aussagen musste.

Dresden. Von Thomas baumann-Hartwig

Dresden. Tourismusmanagerin Steffi K. packte das nackte Grauen, als sie gestern als Zeugin vor dem Landgericht Dresden aussagen musste. Erst ließ sie sich eine Flasche Wasser reichen, dann brach sie in Tränen aus. Am 13. August 2011 wollte die 52-jährige nach dem Abschluss einer von ihr organisierten Wandertour in Hinterhermsdorf an der tschechischen Grenze nur noch ein paar Fotos schießen. "Das Licht war toll, das wollte ich ausnutzen." Mitten im Wandergebiet unweit des Weifberges wurden Steffi K. und ihre Freundin Monika K. von vier Räubern überfallen. "Sie fuchtelten mit Messern und hatten den Wahnsinn in den Augen. Ich wusste wirklich nicht, wie das ausgeht", so Steffi K.

Einer der Räuber, der 30-jährige Tscheche Karel P., muss sich seit gestern wegen räuberischer Erpressung und schweren Raubes vor dem Landgericht verantworten. Er hatte bereits einen Tag zuvor mit seinen Komplizen zwei Wanderer aus Halle im gleichen Wandergebiet überfallen. "Die Männer rissen mich zu Boden und bedrohten mich mit einer Machete. Ich fürchtete um mein Leben, aber mein Gehirn reagierte merkwürdig: Ich beobachtete die Szenerie, als wenn ich nicht daran beteiligt gewesen wäre", sagte der Physiker Dr. Thomas D. aus. Der 48-Jährige hat den brutalen Überfall, bei dem er die Brieftasche mit 250 Euro und sein Handy einbüßte, verarbeitet. Seine Bekannte Doris A. würde dagegen nie wieder in einsamen Gegenden wandern. "Diesen Schock steckt man nicht so leicht weg", erklärte sie leise.

Neben Karel P. sitzt der 21-jährige Petr K. auf der Anklagebank. Der junge Mann war bei den Überfällen auf die Wanderer nicht dabei, dafür aber bei einem Raub in Sebnitz. Am 4. Januar war Karel P. mit einem Messer in eine Bäckerei gestürmt, hatte die Verkäuferin beiseite geschoben und die Kasse geplündert. Etwa 60 Euro in Scheinen und etwas Kleingeld fielen ihm und Petr K. in die Hände. Die beiden Räuber wurden kurz nach dem Überfall dank guter deutsch-tschechischer Zusammenarbeit gestellt. Sie sitzen seitdem in Untersuchungshaft. Die Verkäuferin wehrte sich mit Händen und Füßen gegen eine Zeugenaussage. Sie leidet unter einem schweren Trauma.

Im Ermittlungsverfahren sagten die Angeklagten nicht viel, gestern brachen sie ihr Schweigen. Karel P. nannte die Namen von Komplizen der Raubüberfälle im Wald. Die Ermittler könnten nun Haftbefehle gegen die Männer und ihre Auslieferung beantragen, sagte Verteidiger Jürgen Saupe. Die Hinterhermsdorferin Monika K. meinte, einer der Männer, der sie überfallen habe, spaziere mehrmals im Monat durch ihr Heimatdorf. Eine Verwechslung mit dem Dieb, der kürzlich einen Rollstuhlfahrer und dessen Frau in die Irre geführt und den Rucksack gestohlen hat, meint Saupe. Staatsanwältin Anette Bauerschäfer erklärte: "Wir ermitteln. Mehr können wir nicht sagen, um die Verfahren nicht zu gefährden."

Karel P. nahm in allen Fällen die Schuld auf sich und machte das tschechische Sozialsystem für seine Straftaten verantwortlich. "Ich hatte keine Arbeit, aber ein Baby zu versorgen. Ich wusste nicht mehr, was ich ihm zu essen geben sollte", erklärte er. "Da kam mir die Idee, in Deutschland Leute zu überfallen." Er habe sich Bekannte als Verstärkung mitgenommen und an den Wanderwegen auf Opfer gewartet. Dabei habe er auch mehrere Wanderer unbehelligt ziehen lassen - wenn sie in großen Gruppen unterwegs waren oder er erhebliche Gegenwehr befürchten musste.

Die Kammer unter Vorsitz von Michaela Kessler hat ihr Urteil für heute angekündigt. Den Angeklagten drohen Mindeststrafen von fünf Jahren Haft.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.08.2012

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