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Gauck in Sebnitz massiv beschimpft

Deutscher Wandertag Gauck in Sebnitz massiv beschimpft

Der Besuch des Bundespräsidenten auf dem 116. Deutschen Wandertages wird durch eine Störaktion überschattet. Rund 50 Personen beschimpften Joachim Gauck lautstark. Es gab Pfiffe und Schmährufe auf dem Sebnitzer Marktplatz. Am Rande kam es zu einem Übergriff auf die Polizei.

Franziska Bergmann kam dem Bundespräsidenten Joachim Gauck ganz nah und hielt diesen Moment mit ihren Smartphone fest.

Quelle: Mike Jäger

Sebnitz. Es mutete fast wie ein Spießrutenlauf an, als Bundespräsident Joachim Gauck vom Sebnitzer Rathaus zum Marktplatz ging. Buh-Rufe schalten von den Gehwegen, als „Volksverräter“ oder gar als Stasi-IM wurde er beschimpft. Mit einem ohrenbetäubenden Pfeifkonzert wurde das Staatsoberhaupt auf dem Marktplatz empfangen. Die Stimmung war aggressiv. Fahnen mit Aufschriften wie „Das Pack grüßt Gauck“ oder „Willkommen in Dunkeldeutschland“ hielten einige in der Hand. Die sich da so lautstark bemerkbar machten, war jedoch eine kleine Minderheit. Von bis zu 50 Personen geht die Polizei aus, die Gaucks Besuch des 116. Deutschen Wandertages für ihre Störaktion missbrauchten.

Das Bad in der Menge war nur unter Begleitung von Sicherheitskräften möglich

Das Bad in der Menge war nur unter Begleitung von Sicherheitskräften möglich.

Quelle: Arno Burgi, dpa

Als Bundesspräsident ist er Schirmherr der mehrtägigen Veranstaltung, die Tausende von Menschen seit 22. Juni bis zum heutigen Montag in die Kunstblumenstadt und in das Elbsandsteingebirge lockte. Gauck ließ sich von den Störern nicht weiter beeindrucken. Er setzte seinen Spaziergang über den Markt fort, schüttelte Hände. Es gab Umarmungen. Und wer von den Gästen des Wandertages Glück hatte, konnte sogar ein Selfie mit dem Präsidenten machen. Jedoch ein unbeschwerter Gang durch die Menge war es weder für Gauck noch für seine Lebensgefährtin Daniela Schadt. Sicherheitskräfte mussten beide abschirmen, da Störer immer wieder in ihre nähe drängten: Einmal kam es sogar zu einer tumultartigen Szene. Die Polizei musste eingreifen.

Rund 5o Störer empfingen den Präsidenten mit Buh- und Schmährufen, Plakaten und Transparenten, mit gestreckten Mittelfinger und Trillerpfeifen

Rund 5o Störer empfingen den Präsidenten mit Buh- und Schmährufen, Plakaten und Transparenten, mit gestreckten Mittelfinger und Trillerpfeifenkonzert auf dem Marktplatz in Sebnitz.

Quelle: Arno Burgi, dpa

Wie die Polizeidirektion Dresden mitteilte, hatte eine Person mit einem Gegenstand auf einen Kollegen geworfen. Als Beamte die Identität des Werfers feststellen wollten, leistete dieser Widerstand und griff die Polizisten an. Daraufhin setzte die Polizei Reizgas ein. Ein Passant musste danach behandelt werden. Bei dem Wurfgegenstand handelte es sich um eine Werbebroschüre. Die Polizei prüft eine Anzeige wegen Körperverletzung.

Gauck wurde nicht nur auf dem Marktplatz unfreundlich begrüßt. Auch als er am Rathaus ankam, wo er sich in das Goldene Buch der Stadt einschrieb, gab es Pfiffe und lautstarke Rufe. Einige der Störer sind wohl dem Pegida-Umkreis zuzuordnen. Einer der Rufer machte keinen Hehl daraus, dass er jeden Montag in Dresden demonstriert. Andere kommen augenscheinlich aus der rechten Szene.

Nach dem Besuch des Bundespräsidenten ging der Sebnitzer Oberbürgermeister Mike Ruckh (CDU) auf die Hauptbühne. „Wir haben fünf tolle Tage erlebt. Leider haben einige versucht, den Wandertag zu missbrauchen. Wir lassen ihn uns nicht verderben. Wir feiern weiter!“, sagte das Stadtoberhaupt, bevor der Höhepunkt des Wanderfestes mit dem großen Umzug von Wandervereinen aus ganz Deutschland begann.

Am Vormittag nahm der Bundespräsident an der Feierstunde des 116. Deutschen Wandertages in der Sporthalle des Goethe-Gymnasium teil. „Wandern ist, weil es beweglich und fit hält, eine der besten Lebensübungen, um sich neugierig und offen der Natur und den Mitmenschen zugewandt durch die Welt zu bewegen“, sagte Gauck auf dem Festakt, zu dem 470 Menschen geladen waren. Wandern sei die einfachste Art, Landschaften, die man zum ersten Mal kennenlernt, als Heimat zu betrachten. Der Deutsche Wanderverband zählt rund 600000 Mitglieder. „Wo das Vereinsleben lebendig ist, da begegnen sich die unterschiedlichsten Menschen. Es treffen sich Alt und Jung, Alteingesessene und neu Hinzugekommene“, sagte Gauck. Durch diese Begegnungen wachse immer wieder neu der Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Durch die Arbeit der Wandervereine werde alte Heimat bewahrt und neue Heimat ermöglicht, so Gauck.

Von Silvio Kuhnert

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Beschimpfungen
Mit Deutschlandfahnen "Willkommen in Dunkeldeutschland" und "Das Pack grüßt Gauck" protestieren am 26.06.2016 Menschen gegen Bundespräsident Joachim Gauck beim 116. Deutschen Wandertag auf dem Marktplatz in Sebnitz (Sachsen). Der Bundespräsident wurde während seines Besuchs in Sebnitz (Landkreis Sächsische Schweiz) beschimpft.

Der sächsische Linken-Bundestagsabgeordnete André Hahn hat sich bei Bundespräsident Joachim Gauck für die wüsten Beschimpfungen beim Deutschen Wandertag vor knapp zwei Wochen in Sebnitz entschuldigt.

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