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Galerie am Plan Pirna zeigt Arbeiten von Joachim Dunkel

Aus einem großen Œuvre Galerie am Plan Pirna zeigt Arbeiten von Joachim Dunkel

Dem Bildhauer Joachim Dunkel (1925-2002) ist eine Ausstellung in der Galerie am Plan in Pirna gewidmet. Zu sehen sind klein- oder mittelformatige Bronzen aus einem in die Aberhunderte gehenden Œuvre aller Formate mit (meist weiblichen) Figuren und einiges mehr.

Blick in die Ausstellung mit Arbeiten von Joachim Dunkel.

Quelle: Galerie

Pirna. Dem Bildhauer Joachim Dunkel (1925-2002) ist eine Ausstellung in der Galerie am Plan in Pirna gewidmet. Zu sehen sind klein- oder mittelformatige Bronzen aus einem in die Aberhunderte gehenden Œuvre aller Formate mit (meist weiblichen) Figuren aus farbig getöntem Zementgips, patinierter oder bemalter Bronze, selten Eisen; daneben ein deutlich von Bildhauerentwürfen abgesetztes zeichnerisches Werk.

Joachim Dunkel würde mühelos einen ganzen Skulpturensommer auf dem Sonnenstein bestreiten. Aus der kleinen Lese, die in der Galerie am Plan möglich ist, kann man sich Schlüsse auf das Gesamtwerk kaum erlauben. Gleichwohl wetterleuchtet daraus eine mächtige künstlerische Potenz. Zunächst der Torso einer hockenden Frau (1989) auf der Einladung. Vielleicht liefert er einen Schlüssel. Man weiß nicht so recht, ob sie sich erhebt oder niederlässt: Das obzwar gesenkte linke Knie ruht nicht ganz auf dem Boden. Das Vorneigen wird durch fehlende Arme nicht verdeutlicht. Die unvollständige Bemalung trägt eher bei zu dem schnappschussartig Zufälligen momentan unbeobachteter Lebendigkeit. Der überdimensionierte Kopf trägt Farbe und ein gezeichnetes Gesicht - doch stellt er sich heraus als beidseitig bemaltes, in die Plastik einmontiertes, gebogenes Blech! Die körperliche Dimension plastischer Kontinuität setzt unverhofft, falltürartig, aus.

Helmut Börsch-Supan schrieb zu diesem bei Figuren von Joachim Dunkel in den 90er Jahren dann öfters begegnenden Phänomen, wo ein Kopf oder Arm plötzlich skizzenartig nur als Karton oder Blech gegeben wird, als Deutungsversuch den Satz: "Der Verlust der dritten Dimension wirft die Frage auf, ob nicht auch die erste und zweite verschwinden können". Man ist bei derlei Vorkommnissen rasch bei der Hand mit Adjektiven wie "krisenhaft". Immerhin kommt inmitten dieser figürlichen Kunst irgendwann eine Unruhe auf, die anonym wie ein Wind die Haut dieser Geschöpfe kräuselt. Ein unbestimmter, doch spürbarer Leidenszug durchzittert Frauenstatuetten, die mit großen quasi eingravierten Sphinxsaugen ins Leere starren. Die Köpfe solcher Figuren zeigen wiederholt Schwund plastischen Volumens (Statuetten dieser Ausstellung aus den 90er Jahren).

Die zeitgenössische Ästhetik (Adorno) hat gegen die "Formvollendung" klassischer Schönheitsvorstellungen polemisiert. Dieses Fallenlassen des plastischen Volumens oder das momentane Stehenbleiben im Skizzenhaften mitten im vollendeten Bildwerk wirkt wie eine Stellungnahme gegen das Vollendete. Vor dieser ungefähren Mitte des zeitlichen Ablaufs dieses Œuvres gibt es Bildwerke von intakter Körperlichkeit bei ruhiger, unzerklüfteter, geschlossener Haut. Die Beispiele dafür sind hier knapp.

So begegnet einem der als Minotaurus I gekennzeichnete kretische Stiermann, rostrot patinierter Eisenguss, entstanden schon 1960, der hat nichts von Monstrum. Zur Seite gerückt auf seinem Eisenbahnschienen-Untersatz, sitzt der kleine gehörnte Kerl in kompakter Leiblichkeit, baumelnd, vor sich hindösend da, in kreatürlicher Stummheit, verlegen, er kann auch nichts dafür, dass er Minotaurus ist. Vor allem haben wir hier einen halblebensgroßen Frauentorso, den man nur als fliegend verstehen kann. Obwohl die Figur auf ein Postament montiert ist, könnte sie frei schweben, denn sie hat keine echten Auflagepunkte, von Standfläche zu schweigen. Sie ist stark kontrahiert, so dass man sie beim ersten Hinsehen als vorgeneigt Hockende auffassen könnte. Doch stehen die Füße nirgendwo und fährt das linke Bein dergestalt nach rückwärts aus, dass eine aus der Tiefe nach vorn ausbrechende Flugbewegung entsteht. Geht man vor der Komposition ein wenig in die Neige, so resultiert aus der leichten Unteransicht eine Vehemenz von geradezu hinreißender Tiefendynamik.

bis 17. Januar, Galerie am Plan Pirna, Am Plan 3, Fr-So 14-18 Uhr Tel. 0172-1491643

von Heiner Protzmann

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